Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Gericht: Vorwürfe entbehren jeder Grundlage
Sport Lokalsport Lokalsport Gericht: Vorwürfe entbehren jeder Grundlage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 04.11.2019
Im Spiel Eintracht Stadtallendorf gegen Türk Gücü Friedberg soll es angeblich Pöbeleien von Stadtallendorfer Zuschauern gegeben haben. Das Sportgericht stellte ein Verfahren dazu jetzt ein.  Quelle: Stefan Tschersich
Stadtallendorf

Dieses Urteil hat das Verbandssportgericht in einem schriftlichen Verfahren am 30. Oktober gefällt.

Das Sportgericht war tätig geworden, weil der Trainer und der Pressesprecher von Türk Gücü Friedberg nach der Partie am 12. Oktober in Stadtallendorf schwere Vorwürfe erhoben hatten: In einem Bericht aus der Wetterauer Zeitung vom 14. Oktober wurden Trainer und Pressesprecher von Türk Gücü wie folgt zitiert: „Es ärgert mich maßlos, dass wir hier über 90 Minuten auf der Bank vom Stadtallendorfer Publikum mit rassistischen Äußerungen belagert wurden… Das war unterste Schublade. Von der ersten bis zur letzten Sekunde an gab es nicht nur Pöbeleien, sondern auch von einer größeren Zuschauergruppe ausländerfeindliche Aussagen.“

Aufgrund dieser Berichterstattung hat das Verbandssportgericht ein Verfahren eingeleitet und die Vereine sowie den Schiedsrichter um eine Stellungnahme gebeten. Türk Gücü Friedberg hat die Vorwürfe bekräftigt und konkretisiert. Eintracht Stadtallendorf hat die Vorwürfe bestritten.

Keine Zwischenrufe auf Videoaufnahmen zu hören

Weiter wurde vom Sportgericht in dem Urteil ausgeführt, dass auf dem offiziellen Videomaterial des Anbieters „Die Ligen“ keinerlei Hinweise auf Pöbeleien und ausländerfeindliche Aussagen festzustellen sind. Dabei habe die Kamera zehn Meter neben der Bank von Türk Gücü Friedberg gestanden und es waren auch alle Zwischenrufe aus dem Bereich der Bank von Türk Gücü Friedberg zu hören. Das Gästetrainerteam habe – so steht es in der Begründung des Urteil weiter – bis auf wenige Situationen, in denen auf Schiedsrichterentscheidungen hin reagiert wurde, ruhig und sachlich agiert.

Wäre das Trainerteam, so die Stellungnahme des Vereins, „von der ersten bis zur letzten Minute an permanent mit rassistischen Beleidigungen beschimpft worden, wäre die Verhaltensweise eine andere gewesen“. Der Schiedsrichter des Spiels hat dem Sportgericht zudem berichtet, dass weder er in der Funktion als Schiedsrichter noch die beiden Schiedsrichterassistenten vor, während und nach dem Spiel ungewöhnliche, beleidigende Äußerungen seitens der Zuschauer des Heimvereins Eintracht Stadtallendorf wahrgenommen haben.

Nach dem Schlusspfiff, so der Schiedsrichter in seiner Stellungnahme, gab es ein übliches kurzes Treffen auf dem Spielfeld inklusive „Shake Hand“ und Verabschiedung mit dem Trainer und einigen Spielern der Gastmannschaft sowie einen kurzen Besuch durch einen weiteren Betreuer in der Schiedsrichterkabine zum Abholen der Spielerpässe. In all diesen weiteren Situationen habe es keine Hinweise bezüglich beleidigender Äußerungen gegeben.

"Keinerlei Hinweise auf unsportliches Verhalten"

Damit kam das Sportgericht zu dem Schluss, dass „es außer den Tatvorwürfen des Vereins Türk Gücü Friedberg keinerlei Hinweise auf ein unsportliches Verhalten von Anhängern des Vereins Eintracht Stadtallendorf gibt.“

Reiner Bremer, der Vorsitzende der Fußball-Abteilung, war nach dem Urteil erleichtert und sagte am Freitag: „Nach einem Aufruf der Stadtallendorfer Eintracht bei der Oberhessischen Presse haben sich viele Zeugen auch unterschiedlicher Nationalitäten beim Eintracht-Vorstand gemeldet und erklärt, wo sie das Spiel verfolgt haben und dass keinem etwas aufgefallen ist. Wäre es anders gewesen, hätten die Stadtallendorfer Verantwortlichen sofort gehandelt.Der Verein TSV Eintracht Stadtallendorf fühlt sich zurecht bestätigt, dass die eindeutigen Video- und Tonaufnahmen die Beschuldigungen klar entkräftet haben.“

Auf die Frage, ob der Verein gegen den Friedberger Trainer Carsten Weber rechtlich vorgehen werde, sagte Bremer, dass die Entscheidung des Sportgerichtes so akzeptiert wird und man sich nun weiter den sportlichen Themen widmen möchte.

von Michael E. Schmidt