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Lokalsport Keine negativen Erfahrungen für Kevin Willow
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19:45 15.06.2020
Kevin Willow (links, hier im Trikot des VfB Marburg in einem Spiel gegen die BSF Richtsberg mit Muharrem Yildiran) hat sich aufgrund seiner dunklen Hautfarbe bislang nie diskriminiert gefühlt – weder auf noch abseits des Fußballplatzes. Quelle: Michael Hoffsteter
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Marburg

Kevin Willow sieht nicht aus wie der Durchschnittsdeutsche. Sein Vater stammt aus dem südlichen Afrika, aus Simbabwe, seine Mutter ist Rheinländerin. Er selbst wurde in Marburg geboren. Mit dunkler Hautfarbe. Ob er mit der OP im Rahmen derer Serie über Rassismus sprechen möchte? „Ja, natürlich, kein Problem.“ Ob er selbst rassistische Diskriminierung erlebt hat? „Nein. Zum Glück habe ich noch keine negativen Erfahrungen gemacht.“

Der 28-Jährige wuchs in und um Marburg auf, spielte bereits in seiner Kindheit Fußball, besuchte die Gesamtschule Ebsdorfer Grund in Heskem. Er habe nicht das Gefühl gehabt, wegen seiner dunkleren Hautfarbe anders zu sein, anders von Teamkameraden und Trainern oder von Mitschülern und Lehrern wahrgenommen oder behandelt zu werden. Er sei auch im Berufsleben oder bei der Suche nach einer Wohnung nie aufgrund seines Aussehens benachteiligt worden, zumindest habe er nie den Eindruck gehabt. „Vielleicht hatte ich Glück bei den Personen, mit denen ich dann zutun hatte“, sagt er. Vielleicht liege es aber auch an der Stadt, an der Region: „Man sagt ja, dass Marburg eine ziemlich tolerante Stadt ist. Ich kann mir schon vorstellen, dass es in anderen Orten in Deutschland anders ist.“

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Sprüche auf dem Fußballplatz

Als Amateurkicker war er für verschiedene Vereine am Ball: SV Beltershausen, VfB Marburg, TSV Amöneburg, SG Ebsdorfergrund, von der Verbandsliga bis zur Kreisliga B ist alles dabei gewesen. In der Winterpause hat er sich zum zweiten Mal den BSF Richtsberg angeschlossen. Ein Pflichtspiel in der Kreisoberliga hat er seitdem nicht bestritten. Das Coronavirus hat den Spielbetrieb lahmgelegt. Willow hofft, dass die Zwangspause nicht in den Herbst oder gar den Winter hineinreicht, dass die neue Saison möglichst früh beginnen kann. Er hat Bock darauf, wieder zu kicken. „Wird Zeit, dass es wieder losgehen kann.“

Auf dem Fußballplatz, erzählt er dann, habe er „bestimmt schon mal den ein oder anderen Spruch“ gehört, der auf seine Hautfarbe bezogen war. Was genau gesagt wurde? Er hat es sich nicht gemerkt, es spielt für ihn auch keine Rolle. „Wenn es auf dem Rasen mal etwas hitziger wird, haue ich ja auch mal einen Spruch raus“, gesteht er ein. Er will damit Beleidigungen nicht gutheißen, aus der Emotionalität heraus komme die ein oder andere unschöne Aussage aber vor. „Wichtig ist, dass man sich spätestens nach dem Abpfiff die Hand gibt und am besten zusammen noch ein Bierchen trinkt“, sagt der Mittelfeldspieler. Diskriminierende Aussagen oder eindeutige Laute von Zuschauern „gibt es sicherlich leider auch hin und wieder“, ist ihm bewusst. Er hat sie bei sei seinen Spielen aber bislang nicht wahrgenommen. „Wenn es welche gab, dann habe ich sie nicht gehört.“

Entwicklung in den USA im Blick

Der Marburger verfolgt die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. „Trump bezeichnet Demonstranten als Terroristen und sagt zum Ku-Klux-Clan, dass er nicht den verurteilen will. Damit spaltet er die Gesellschaft noch mehr“, sagt Willow über den US-Präsidenten, findet das „richtig krass“.

Er hofft, dass die angestoßene Debatte einen nachhaltigen positiven Effekt hat – nicht nur in den USA: „Das Aussehen sollte gar keine Rolle spielen, wie mit jemandem umgegangen wird, egal wo es ist und worum es geht.“

Von Stefan Weisbrod

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