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Lokalsport "Sehr schade, dass Schachmann fehlt"
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14:00 29.08.2019
Georg Kaiser lebt den Radsport. Früher als aktiver Fahrer, heute als Händler und Sammler von historischen Rennrädern. 
Auch ­„Accessoires“ von Rennen, wie das Schild der vorjährigen Deutschland-Tour, hält er in Ehren. Quelle: Götz Schaub
Cyriaxweimar

Zugegeben, allein aus der Tradition heraus, liegt die Deutschland-Tour im Schatten der Tour de France. Aber was heißt das schon, wenn das Feld so erlesen ist wie das, was heute in Hannover startet?

132 Fahrer, darunter der Überraschungsmann aus Frankreich Julian Alaphilippe, der lange Zeit das Gelbe Trikot der Tour trug, und natürlich Emanuel Buchmann, der uns Deutsche hat mitfiebern lassen.

"Strecke von Marburg nach Göttingen ist keine leichte"

Georg Kaiser aus Cyriaxweimar freut sich auf das namenhafte Teilnehmerfeld, das hier am Freitag praktisch vor seiner Nase startet. Einen Erfolg gönnen würde er André Greipel. „Das ist ein Supertyp, einer der die Leute auch an sich rankommen lässt.“ Den Etappensieg hätte er indessen Maximilian Schachmann zugetraut, doch der muss noch passen.

Auch wenn er nach seinem Sturz bei der Tour de France und der schweren Verletzung tatsächlich wieder im Training ist und gerne dabei gewesen wäre. „Es ist sehr schade, dass Schachmann fehlt“, meint Kaiser, der ihn gerne gesehen hätte.

„Die Strecke von Marburg nach Göttingen ist keine leichte. Du wirst ständig gefordert, Ruhephasen, sprich längere Abfahrten sind Fehlanzeige“, sagt Kaiser. Nach dem Aufgalopp in Marburg geht es erst einmal über Cölbe, Schönstadt und Bracht auf kurvenreicher, aber schöner Strecke in den Nachbarkreis.

Greipel könnte als Führender ins Rennen gehen

Die erste echte Herausforderung wird der Anstieg zur Burg Waldeck sein. „Das ist ein Hammerberg“, sagt der 69-jährige Kaiser und fügt hinzu, dass er den oft im Training hochgefahren sei. Wer das Rennen irgendwo an der Strecke erleben will, dem empfiehlt er Waldeck.

„Ungefähr 500 Meter vor der Spitze dürfte es sehr spannend zugehen“, vermutet Kaiser. Das sei der erste Streckenabschnitt, wo man sich mal zeigen könnte, eine klare Markierung setzen könne. Ob da Greipel dabei sein wird? Warum nicht. Nach eigenen Angeben sei er in guter Verfassung.

„Nun, auch Greipel wird älter“, dämpft Kaiser die Erwartungen. Nicht um den 37-jährigen Greipel abzuwerten, sondern um herauszustellen, dass die Konkurrenz echt hart ist. Greipel könnte allerdings als Führender ins Rennen gehen, die erste Etappe ist dem Sprinter geradezu auf den Leib geschrieben.

Wunsch: Marburg als Endpunkt der Deutschland-Tour

Und wer weiß, was dann so eine Führung an Kräfte freisetzt? „Wer einmal einen Blick auf Greipels Beine geworfen hat, der wird dafür schwärmen und erahnen, was der Mann alles noch leisten kann.“ Nun, nach viel „hoch und runter“ wird die zweite Etappe zum Ende hin sicher sehr spannend werden.

Die Herzberger Landstraße vor dem Ziel wird den Fahrern aufgrund ihrer Steigung noch einiges abverlangen, zumal sie zweimal gefahren wird. Kaiser geht davon aus, dass dort die Fahrer die Entscheidung suchen, die ein Zielsprint vermeiden wollen. „Wer da noch vorne dabei ist, hält alle Chancen für sich offen“, so Kaiser.

Der ehemalige Radrennfahrer, der historische Rennräder sammelt, hat noch viele Kontakte in die Radsportszene. Deshalb wird er auch heute in Marburg mitten drin sein. Sein Wunsch für die Zukunft: Marburg mal als Endpunkt der Deutschland-Tour. „Die Gisselberger Straße würde sich dafür hundertprozentig eignen.“     

von Götz Schaub