Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport RSV Kleinseelheim ist punktlos, aber nicht mutlos
Sport Lokalsport Lokalsport RSV Kleinseelheim ist punktlos, aber nicht mutlos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:01 08.10.2021
Eine Szene aus der Spielzeit 2019/2020: Kleinseelheims Kapitän Jan Luthe (rechts) bedrängt Nils Däuwel vom SV Schönstadt. Das Aufeinandertreffen der beiden Teams in der Qualifikationsrunde ist für den 7. November geplant.
Eine Szene aus der Spielzeit 2019/2020: Kleinseelheims Kapitän Jan Luthe (rechts) bedrängt Nils Däuwel vom SV Schönstadt. Das Aufeinandertreffen der beiden Teams in der Qualifikationsrunde ist für den 7. November geplant. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Kleinseelheim

Anfang Oktober, noch ohne Punkte und seit einigen Wochen ohne Cheftrainer, rund ein Dutzend Namen auf der Verletztenliste, Defizite im konditionellen Bereich – die Situation beim RSV Kleinseelheim ist alles andere als rosig.

Und doch: Es herrscht alles andere als Untergangsstimmung beim Schlusslicht der Marburger Fußball-Kreisliga A, wie Kapitän und Interimscoach Jan Luthe betont: „Natürlich ist es nicht schön, immer wieder zu verlieren. Aber die Stimmung ist dafür trotzdem gut. Alle geben ihr Bestes.“

Und: „Wir geben nicht auf. Die Saison ist noch lang.“ Möglicherweise kommt dem RSV das Spielmodell zugute.

Zehn Niederlagen stehen nach zehn Spieltagen zu Buche. Nur zwei davon – 1:7 gegen die FSG Südkreis, 0:7 beim FV Cölbe – fielen überdeutlich aus. „Die Gegner waren spielerisch deutlich überlegen. Für uns war da nichts drin.“ Beim 1:2 gegen den VfL Neustadt, dem 1:3 beim RSV Roßdorf und dem 2:3 gegen Wohratal (nach 2:0-Führung bis zur 80. Minute) war es deutlich knapper.

Absage gegen Rauischholzhausen

Bei der Spvgg Rauischholzhausen trat der RSV vor knapp zwei Wochen nicht an. „Wir hatten am Donnerstag vor dem Spiel zehn einsatzbereite Leute“, erklärt Luthe, der die Absage bedauert: „Bei Rauischholzhausen spielen mehrere gute Freunde, mit denen ich mich gerne auf dem Platz gemessen hätte. Aber das hätte keinen Sinn gehabt.“

Was die 0:3-Wertung und die Resultate gegen die weiteren Mannschaften, die derzeit die vorderen sechs Plätze belegen, gemeinsam haben: Sollten diese Teams auch am Ende der Qualifikation auf den Rängen eins bis sechs stehen und damit in die Aufstiegsrunde gehen, hätten die Ergebnisse für den RSV in der fürs Frühjahr geplanten Abstiegsrunde keine Relevanz, würden nicht mitgenommen (siehe Erläuterungen zum Modus in der Infobox). „Das wäre natürlich gut für uns“, sagt Luthe.

Sonntag geht’s nach Amönau

Im Optimalfall bleiben von den bisherigen zehn Spielen ohne Punkte für den RSV also nur vier „übrig“. Sieben Chancen gibt es in der Qualifikation noch, Zählbares zu holen, das dann wahrscheinlich auch mit ins neue Jahr und in die Abstiegsrunde genommen würde: an diesem Sonntag (10. Oktober, 15 Uhr) in Amönau beim VfB Wetter II, anschließend gegen den FSV Cappel II, beim SV Bauerbach II, gegen den TSV Caldern, in Schönstadt, gegen die SG Rosphe und bei der SG Salzböde-Lahn. „Jetzt kommen die Spiele gegen Mannschaften, gegen die wir eher die Möglichkeit haben, zu punkten“, sagt Luthe, hofft auch auf „etwas Glück, das man eher hat, wenn man weiter oben steht“.

Dabei werden auch wieder einige Spieler, die normalerweise dem Aufgebot der Reserve zugerechnet werden, mithelfen müssen. Von den Verletzten aus dem Stammkader der ersten Mannschaft werden einige noch längere Zeit fehlen: Florian Sprenger, Björn Weitzel, Simon Glitsch, Leon Mai und Michel Geilhof mussten sich allesamt Knie-Operationen unterziehen, Rene Zimmer hat sich am vergangenen Wochenende den Meniskus gerissen. Als „heftig“ bezeichnet Luthe die personelle Situation.

„Dorf steht hinter der Mannschaft“

Leichter macht es die Sache nicht, dass es derzeit keinen Cheftrainer gibt. Mike Gaßmann hatte das Amt nach dem Südkreis-Spiel Ende August aus persönlichen Gründen aufgegeben, ein Interimstrio mit Luthe, der auch B-Jugend-Coach beim JFV Ohmtal ist, Jannik Mengel, der auch die Verbandsliga-B-Junioren der SF BG Marburg coacht, und Christian Müller hat vorerst übernommen, ein neuer Coach wird gesucht, erste Gespräche wurden geführt.

Mut macht Luthe nicht nur die Einstellung der Spieler, sondern auch die Unterstützung von außen: „Die Zuschauerzahlen stimmen. Das Dorf steht hinter der Mannschaft“, sagt der Lehrer an der Biedenkopfer Lahntalschule, und: „Wenn irgendjemand meint, in unserem Verein ginge das Licht aus, liegt er damit falsch.“

Aufstiegs- und Abstiegsrunde

Statt im klassischen System mit Hin- und Rückserie wird in einigen Fußball-Spielklassen in dieser Saison in alternativen Modellen gespielt. Eines davon wird in der Kreisliga A Marburg angewendet: Bis zur Winterpause soll eine Einfachrunde ausgetragen werden, in der alle Mannschaften der Liga jeweils einmal gegen jede andere spielen. Die Teams, die nach 17 Spieltagen auf den Plätzen eins bis sechs stehen, qualifizieren sich anschließend für die Aufstiegsrunde, die im neuen Kalenderjahr mit Hin- und Rückserie ausgetragen werden soll. Punkte werden von diesen Mannschaften nicht mitgenommen, es geht also wieder bei null los.

Die übrigen zwölf Mannschaften sollen dann in einer Abstiegsrunde antreten. Diese Teams nehmen Ergebnisse und Punkte mit, allerdings nur aus den Spielen gegen Mannschaften, die ebenfalls in die Abstiegsrunde gehen. Die Resultate gegen die Teams, die die Aufstiegsrunde erreichen, fallen weg, wie Walter Sitorius, Abteilungsleiter Spielbetrieb beim Hessischen Fußball-Verband, auf OP-Anfrage bestätigte. In diesem Punkt hatte es unterschiedliche Interpretationen der Regeln gegeben, wie aus Gesprächen mit Vereinsvertretern deutlich wurde.

Bedeutet: Die zwölf Mannschaften der Abstiegsrunde sollen mit je elf gewerteten Partien in den zweiten Saisonteil gehen, in dem sie dann noch einmal elf Spiele, sozusagen die Rückrunde, bestreiten sollen. Vorgesehen sind drei Absteiger. In der Kreisoberliga Gießen/Marburg Nord wird im selben Modell (mit 13 Teams in der Abstiegsrunde und fünf Absteigern) gespielt.

Von Stefan Weisbrod