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Lokalsport Freispruch für Fußballer
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15:01 25.10.2019
In einem Kreisliga-B-Spiel im Herbst 2017 kam es zu dem folgenschweren Zusammenprall zwischen zwei Fußballspielern, um den es nun vor Gericht ging.  Quelle: Uwe Anspach
Biedenkopf

Richterin, Staatsanwältin und Verteidiger werteten den Vorfall in einem Kreisliga-B-Spiel dann aber als Zweikampf um den Ball. Dabei hatte sich ein Kicker schwer verletzt, er zeigte seinen Gegenspieler später an.

Beim Spiel des SV Wolfgruben-Wilhelmshütte gegen Türk Gücü Breidenbach II am 15. Oktober 2017 waren der Stürmer der Gastgeber und der Torwart des Gegners zusammengeprallt. Der 23-jährige Spieler des SVWW zog sich dabei eine schwere Knieverletzung zu und war mehr als ein Jahr lang krankgeschrieben.

Am ersten Verhandlungstag vor knapp zwei Wochen hatten Vertreter beider Mannschaften den Zweikampf unterschiedlich geschildert. Aus Sicht von Mitspielern und Betreuern des SV war der Torwart beim Herauslaufen überhart eingestiegen, Teamkollegen des Angeklagten sprachen hingegen von einem „normalen Zweikampf“. Auch der Schiedsrichter wertete den Einsatz von Torwart und Stürmer als „Kampf um den Ball“. Er hatte nach dem Zusammenprall das Spiel zunächst weiterlaufen lassen.

"Es war ein normales, ruhiges Spiel"

Staatsanwältin Janina Schwab hatte sich am ersten Verhandlungstag noch für eine Einstellung des Verfahrens ausgesprochen – allerdings gegen Auflagen. Die Rede war von 1.000 Euro, die der Angeklagte als „kleine finanzielle Wiedergutmachung“ an den verletzten Spieler zahlen sollte. Am Montag plädierte sie nun ebenso wie Verteidiger Andreas Behrendt für einen Freispruch. Der zweite Prozesstag war nötig geworden, weil zum Auftakt noch ein Zeuge – ein Spieler des SV – fehlte. Dieser sagte nun ebenso vor Gericht aus wie ein weiterer Türk-Gücü-Kicker. Neue Erkenntnisse gewannen die Prozessbeteiligten dadurch nicht.

„Fest steht: Es war ein normales, ruhiges Spiel. Die beiden Spieler sind zusammengestoßen, der Ball war in der Nähe“, sagte die Staatsanwältin. Sie maß der Aussage des „einzig komplett neutralen Zeugen“ die größte Bedeutung zu. „Der Schiedsrichter konnte hier keine Absicht erkennen“, so Schwab.

Aus ihrer Sicht liegt in diesem Fall zwar eine Körperverletzung vor. Grob rücksichtslos sei das Verhalten des Torwarts aber nicht gewesen. Schließlich sei er nicht mit Absicht gegen den Körper seines Gegenspielers gesprungen. „Hier kommt es nicht auf das Ausmaß der Verletzung an“, stellte die Staatsanwältin klar. Der Angeklagte habe eine realistische Chance gehabt, an den Ball zu kommen. Verteidiger Behrendt nahm die Steilvorlage der Staatsanwältin auf. Ein Freispruch sei das einzig mögliche Urteil.

"Fußball ist ein Kontaktsport"

Das sah dann auch Richterin Alexandra Hille so: „Fußball ist ein Kontaktsport, bei dem die Spieler körperbetont in Zweikämpfe gehen.“ So lange kein Regelverstoß vorliege, würden Fußballer in „verletzungsträchtige Handlungen“ einwilligen. Allerdings stellte Hille auch klar: „Der Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum.“ Von einem vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Handeln des Torwarts könne in diesem Fall nicht die Rede sein. Deshalb lautete ihr Urteil: Freispruch. Dagegen können die Beteiligten binnen einer Woche Rechtsmittel einlegen. „Natürlich bin ich nicht einverstanden mit dieser Entscheidung. Ich werde mich mit meinem Rechtsanwalt zusammensetzen und dann schauen, was noch möglich ist“, sagte der ehemalige SV-Spieler, der als Nebenkläger auftrat.

Der Angeklagte war dagegen erleichtert. „Es tut mir leid, dass er sich so schlimm verletzt hat, aber ich bin dafür nicht verantwortlich“, sagte der 33-Jährige.

von Michael Tietz