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Lokalsport Profiliga startet mit ehemaliger Marburgerin
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16:00 06.01.2021
Pia Schwarz (rechts, hier im Trikot der Bochum Miners) ist 2020 von den New York Stars gedraftet worden.
Pia Schwarz (rechts, hier im Trikot der Bochum Miners) ist 2020 von den New York Stars gedraftet worden. Quelle: Privatfoto
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Marburg

„With the ninth pick the New York Stars select Pia Schwarz, Widereceiver from Ratingen, Germany.“ Mit Worten wie diesen wird in US-amerikanischen Sportarten die Draft-Auswahl der Vereine vom Ligaverantwortlichen bekannt gegeben.

Wenn die erste professionelle Football-Liga für Frauen, die Women’s Football League Association (WFLA), 2022 in den USA beginnt, wird auch eine ehemalige Marburgerin dabei sein: Pia Schwarz.

Die Liga ist in eine West-Gruppe (Western Conference) und eine Ost-Gruppe (Eastern Conference) eingeteilt. Damit muss die 25-Jährige mit ihrem Team Wegstrecken von New York bis etwa nach Miami auf sich nehmen.

Pia Schwarz im Trikot der Europe Warriors, die ein Verbund der besten europäischen Spielerinnen sind und oft gegen andere Nationalmannschaften spielen. Quelle: Sue Valdivia

Der etwas andere Draft

In diesem Jahr musste der Draft, das Auswahlverfahren der Clubs, der WFLA via Videokonferenz stattfinden. Die Freude von Schwarz über ihre Auswahl schmälert das aber nicht. „Ich war sehr froh, als mich der General Manager von New York vor dem Draft angerufen und mir mitgeteilt hat, dass ich an Position neun ausgewählt werde“, sagt die Footballspielerin, die auf der Position des Widereceivers in der Offensive spielt.

In erster Linie war es der Ratingerin wichtig, den Sprung in die Liga zu schaffen. Aber trotzdem habe sie mit den New York Stars „geliebäugelt“. Ein Grund dafür sind die Erfahrungen von Verantwortlichen des Clubs in der NFL (National Football League).

Super-Bowl-Champion als General Manager

New Yorks Sportverantwortlicher für den Spielbetrieb ist Plaxico Burress, der 2008 mit den New York Giants den Super Bowl gewonnen hat. „Man kann sagen, dass es ein glücklicher Zufall gewesen ist, dass die Stars mich gedraftet haben“, sagt Schwarz, die von 2015 bis 2018 bei den Marburg Mercenaries gespielt hat (siehe untenstehende Infobox).

Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Start der erst neu gegründeten Liga auf das kommende Jahr verschoben worden. „Das ist eigentlich sogar gut für mich, weil ich jetzt meinen Bachelor in Deutschland fertigmachen kann“, stellt die Ratingerin fest. Die 25-Jährige studiert an der Universität Essen im fünften Semester Wirtschaftswissenschaften und Sport.

Combine statt aus Las Vegas von Ratingen

Der Combine, eine Veranstaltung, bei der die Sportlerinnen ihr Können zeigen und sich für die Teams der Liga empfehlen können, fand im vergangenen Jahr nicht wie geplant in Las Vegas (USA) statt, sondern für Schwarz zu Hause. „Es wäre Quatsch gewesen, für zwei Tage in die USA zu fliegen – was aber auch nicht möglich war“, sagt die Studentin.

Aufgrund von Corona fand der Combine virtuell statt. „Ich habe eine Liste von der Liga erhalten, diese abgearbeitet und davon Videos gedreht“, erklärt Schwarz. Dabei assistierte ihr Trainer Lee Taylor von den Mülheim Shamrocks als Ballwerfer – Freund Nick Buitenweg, der selbst Football bei den Amsterdam Crusaders spielt, als Kameramann. „Es wäre schöner gewesen, wenn es vor Ort hätte stattfinden können.

Pia Schwarz (rechts, hier im Trikot der Bochum Miners) wird von ihrer Gegenspielerin am Trikot gezogen. Quelle: Privatfoto

Alles begann bei den Marburg Mercenaries

Aber wir haben das gemacht, was die Ligaverantwortlichen von mir sehen wollten“, sagt die frühere Marburg-Mercenaries-Spielerin. Schwarz, die nebenbei auch Geräteturnen, Triathlon sowie Krafttraining betreibt, hat ihre Football-Karriere bei den Mercenaries begonnen. Da es keine Frauen-Mannschaft gab, trainierte die 25-Jährige bei den Männern mit. „Es hat nie jemand gesagt, dass Football nichts für Mädchen sei. Jeder hat mir geholfen, und ich habe sehr viel von den Jungs gelernt“, erinnert sich die Studentin an ihre Marburger Vergangenheit.

Nach dem Ende ihrer dreijährigen Ausbildung bei der Stadt Marburg zog Schwarz zwar zurück in ihre Heimat, kehrt aber immer wieder zu den „Söldnern“ zurück. „Ich habe noch einige Freunde in Marburg. Deshalb bin ich öfter mal zu Besuch. Und dann darf ich immer noch bei den Mercenaries mit trainieren“, erzählt die 25-Jährige.

Was Pia Schwarz von Ratingen nach Marburg zog

Geboren wurde Pia Schwarz in Düsseldorf. Nach ihrem Abschluss im Jahr 2014 absolvierte die 25-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), ehe sie 2015 mit ihrer Ausbildung in Marburg begann.

Bei der Stadt Marburg ließ sich die Ratingerin zur Sport- und Fitnesskauffrau ausbilden. Dort begann Schwarz mit dem Footballspielen bei den Marburg Mercenaries.

Bei den „Söldnern“ trainierte die 25-Jährige mit der Männer-Mannschaft des Vereins, da es noch kein Frauenteam gab. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung zog Schwarz nach Essen, um dort zu studieren. Näher an ihrer Heimat studiert die Footballspielerin Wirtschaftswissenschaften und Sport.

In der zweiten Frauen-Bundesliga ist Schwarz vor drei Monaten von den Bochum Miners zu den Mülheim Shamrocks gewechselt. In Mülheim bleibt die 25-Jährige bis zur ihrem Umzug in die USA.

Von Leonie Rink