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14:58 09.09.2021
In der Not übernimmt Philipp Becker Verantwortung. Der Lixfelder führt seit 2018 den TTV Angelburg und ist Sportwart des Tischtenniskreises.
In der Not übernimmt Philipp Becker Verantwortung. Der Lixfelder führt seit 2018 den TTV Angelburg und ist Sportwart des Tischtenniskreises. Quelle: Bodo Ganswindt
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Marburg

Wenn Sportvereine im Hinblick auf ihre Zielsetzung erfolgreich sein wollen, dann bedarf es auf allen Ebenen talentierter Akteure. Was im professionalisierten Sport von kenntnisreichen Managern, Trainern und Betreuern sowie herausragend ausgebildeten Berufssportlern angegangen wird, obliegt in den unteren Ebenen des organisierten Sporttreibens den Amateuren, die ihre Arbeit ehrenamtlich erledigen und in der Regel unentgeltlich.

Der Lixfelder Philipp Becker etwa gehört zu jener letztgenannten Spezies. Seine Passion ist von Kindesbeinen an das Tischtennis. Er spielt seit 1996 für seinen Heimatverein, den er seit seinem 23. Lebensjahr führt. Zurzeit vertritt der 36-Jährige das Tischtennisdorf auch noch als Spieler in der Kreisliga mit der zweiten Mannschaft des TTV Angelburg. So heißt der Klub inzwischen nach der 2018 erfolgten Fusion mit dem TTV Gönnern. Becker ist seit 2018 auch dessen Vorsitzender.

Das gleiche Niveau

Gönnern war mehr als zwei Jahrzehnte lang eine große Nummer im nationalen und internationalen Tischtennisgeschäft. Viele Weltklassespieler gaben sich im Hinterland ein Stelldichein. Doch das vor allem finanzielle Abenteuer fand ein jähes Ende mit dem Abstieg des Vereins bis auf die Kreisebene.

„Gönnern hatte in seiner Hochzeit mehrfach angefragt, ob wir nicht mit ihnen einen Großverein bilden wollten“, erinnert sich Becker, „doch wir hatten andere Vorstellungen, legten mehr Wert auf das Menschliche und vor allem die Arbeit mit der Jugend.“ Als der einstige Bundesligaklub auf der Ebene Lixfelds angekommen war, änderte sich die Situation. „Wir waren nun auf gleichem Niveau, haben uns angenähert und über die Inhalte der Vereinsarbeit ausgetauscht“, betont Becker, der an der Marburger Emil-von-Behring-Schule Mathematik und Politik unterrichtet.

Ambitionen nach oben

Die Liaison der beiden Angelburger Ortsteile hat sich bislang bewährt. Sie spielen mit ihrem besten Team aktuell in der Bezirksliga und haben durchaus Ambitionen nach oben. Doch Becker warnt vor überzogenen Erwartungen: „Das Einkaufen von Spielern ist bei uns nicht angesagt. Wir bauen nach wie vor immer von unten auf.“

2012 übernimmt Becker in der Nachfolge von Herbert Lenz die Leitung in der 2. Kreisklasse und ein paar Jahre später die 1. Kreisklasse von Manfred Bonacker. Als 2018 auf der Kreisebene diverse personelle Verschiebungen große Löcher in der Gilde der Funktionäre reißen, wird auch dort die Personalfrage gestellt.

Vakant auf einigen Positionen

Die Schweinsbergerin Ann-Christin Jüngst kann zunächst noch vieles auffangen, doch nach ihrem Wegzug nach Florstadt wird die Not offenbar. „Durch das Ausscheiden von Ann-Christin als Jugendwartin und Marco Mlynarz als Sportwart waren wir 2019 vakant auf diesen Positionen. Vieles stand damals auf dem Spiel“, sagt Becker, „wir hatten keinen Jugend- und Sportwart.“ Becker hebt die Hand und wird zum Sportwart gewählt.

„Es war eine immense organisatorische Arbeit zu leisten. Es gab jede Menge neue Anmeldungen, Ligen- und Turnierplanungen standen an, Kreismeisterschaften, Ranglisten- und Pokalspiele mussten terminiert und organisiert werden.“ Dafür werden ambitionierte Leute gesucht und zum Beispiel in den Großseelheimern Paul Schunk und Felix Nau gefunden, die inzwischen feste Größen im Jugendausschuss sind. Aus dem eigenen Verein übernimmt Jan Falz Verantwortung und aus Cölbe Dominik Pahren.

30 Teams in vier Ligen im Kreis

Ein wesentlicher Augenmerk liegt laut Becker auf den Mädchen und Jungen. Insgesamt gibt es im Kreis 30 Teams in vier Ligen. „Vor zehn Jahren waren es etwa doppelt so viel“, sagt Becker. Das ist alles sehr anstrengend. „Aber es bleibt immer noch Zeit für die Familie“, räumt Becker ein, der seine Aufmerksamkeit seit Kurzem nicht mehr nur seiner Ehefrau, sondern auch neuerdings Sohn Malte widmet.

Es sei alles eine Frage der Organisation, sagt der Multifunktionär. Er glaube daran, dass die passenden Personen an die richtigen Stellen geführt werden. „Das ist meine christliche Überzeugung.“ Die sei geprägt von Werten wie Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Er mag keine Sprüche klopfen, sondern handeln. Das sei angesichts der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Sonderregelwerk nicht gerade leicht. Dennoch verbreitet er Zuversicht: „Alles ist am Laufen.“

Von Bodo Ganswindt