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10:59 01.10.2020
Dresdens Paul Will (rechts) attackiert im DFB-Pokal-Spiel Hamburgs Josha Vagnoman. Quelle: imago
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Dresden

Drittliga-Meisterschaft, Vereinswechsel, Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Hamburger SV: Die vergangenen Wochen und Monate waren für Profifußballer Paul Will überaus ereignisreich.

Schlag auf Schlag ging es für den gebürtigen Breidenbacher seit dem 4. Juli – dem Tag, als der 21-Jährige mit dem FC Bayern München II trotz einer 0:1-Niederlage gegen seinen Ex-Club 1. FC Kaiserslautern am letzten Spieltag Meister der 3. Liga wurde.

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„Wir hatten vielleicht Glück, dass die Konkurrenz nach dem Wiederbeginn nach der Corona-Zwangspause gepatzt beziehungsweise für uns gespielt hat“, sagt Will, „aber ganz sicher haben wir die Corona-Phase am besten weggesteckt.“ Wobei sich das Saisonfinale wegen des straffen Spielkalenders zeitweilig „wie in der Eistonne“ angefühlt habe.

Dass die zweite Garde des Deutschen Rekordmeisters gemäß Spielordnung nicht aufsteigen durfte, empfindet Will als „bitteren Beigeschmack“, schließlich „geht das in anderen Ländern auch“, argumentiert der Mittelfeldspieler, dem der nicht mögliche Klassensprung zumindest die Entscheidung erleichtert hat, eine neue Herausforderung anzunehmen.

„Fühle jetzt endlich wieder den Rückhalt“

„Durch den Nicht-Aufstieg fühlte es sich schon so an, dass man nicht im richtigen Profi-Bereich ist. Aber mein ganzes Leben lang will ich nicht in der 3. Liga spielen“, sagt Will. Nach zwei Meisterschaften (Regionalliga Bayern und 3. Liga) ist Will im August deshalb zu Dynamo Dresden gewechselt. Die Sachsen sind im Sommer nach vier Jahren aus der 2. Bundesliga abgestiegen und streben zurück in die Zweitklassigkeit. Mit 19 Zugängen und 16 Abgängen gab es einen großen Umbruch.

„Es war schon die Überlegung, zu einem Verein zu gehen, der Ambitionen hat hochzugehen. Diese Tatsache hat mir die Entscheidung leichter gemacht. Ich wollte zu einem Club, in dem ich weiterkomme“, sagt Will. Nach einer phasenweise schwierigen Spielzeit beim FC Bayern II, als Will ein ums andere Mal nur als Back-up und dann oft auf der ungeliebten Linksverteidiger-Position zum Zuge kam, „fühle ich jetzt endlich wieder den Rückhalt – und zwar nicht nur vom Trainer (Markus Kauczinski, Anmerkung der Redaktion), sondern vom gesamten Verein.

„Ich stelle mich hinten an“

Hier sieht man mich als Spieler für die ,Sechser’-Position“, sagt der gebürtige Breidenbacher, der als 13. Neuzugang der Sachsen vorgestellt wurde und beim früheren Bundesligisten einen Vertrag bis 2023 unterschrieben hat. Sollte es Will und Co. in seinen ersten beiden Jahren gelingen aufzusteigen, verlängert sich sein Kontrakt automatisch um ein weiteres Jahr.

Vorschusslorbeeren erhielt er bereits. Als „sehr zielorientiert und hungrig darauf, mit Dynamo den nächsten Schritt zu machen“, lobte Dynamo-Sportgeschäftsführer Ralf Becker den Linksfuß in einer Mitteilung des Vereins. Doch Will gibt sich demütig. „Ich stelle mich hinten an“, sagt er – wohlwissend, dass für seine Position in Routinier Marco Hartmann (32), dem Ex-Darmstädter Yannick Stark (29) und im von Arminia Bielefeld gekommenen Patrick Weihrauch (26) erfahrene Zweitliga-Spieler zur teaminternen Konkurrenz zählen. Seine Chance erhält Will aber.

Eklat nach der Partie

Nach einem Anfang September zugezogenen Nasenbeinbruch im Testspiel gegen den dänischen Zweitligisten HB Köge (5:1) samt anschließender fünftägiger Pause gewannen Will und Co. in der ersten DFB-Pokal-Runde mit 4:1 gegen den HSV. „Das wird in Erinnerung bleiben“, sagt Will – auch wegen der Kulisse von 10.053 Zuschauern im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. „Das kenne ich so nicht.“

Nach der Partie sorgte Toni Leistner für Furore. Der HSV-Spieler war mehrmals von einem Zuschauer beleidigt worden und attackierte den Provokateur daraufhin körperlich auf der Tribüne. Will habe die Szene zwar nicht direkt mitbekommen, weil er zu diesem Zeitpunkt auf der gegenüberliegenden Seite bei seiner Familie stand, hat aber eine klare Meinung zum Geschehenen: „Ich kann Leistners Reaktion schon verstehen, wenn seine Familie da beleidigt worden ist.“

Vier Punkte aus zwei Spielen sind okay

Nur vier Tage später stand für Dynamo der Drittliga-Auftakt an – am Betzenberg in Kaiserslautern, wo Will mit dem FCB noch zweieinhalb Monate zuvor die Meisterschaft gefeiert hatte und wo er selbst von 2015 bis 2018 von der U17 bis zur U19 spielte. 1:0 siegten die Dresdner gegen den FCK – trotz Unterzahl, weil Will in der 44. Minute die „Ampelkarte“ sah.

So fehlte er am vergangenen Wochenende beim 1:1 gegen den SV Waldhof Mannheim. Mit vier Punkten aus zwei Partien kann Will dennoch gut leben. „Gegen Kaiserslautern haben wir nicht unser bestes Spiel gemacht, als wir noch in Gleichzahl waren“, meint Will, „aber dass bei so vielen personellen Veränderungen vor der Runde noch nicht alle Abläufe stimmen, ist logisch. Wir müssen deshalb nicht nervös werden.“

Nicht nervös, aber voller Vorfreude blickt Will bereits auf die nächste Partie. Am Freitag, 2. Oktober, (19 Uhr) wartet im FC Bayern München II der nächste Ex-Club als Gegner. „Da müssen wir besonders aufpassen, weil nun jede Mannschaft in uns den Top-Gegner der Saison sieht, den es zu schlagen gilt“, meint Will – in der Hoffnung, in der Startelf zu stehen.

Will über Ex-Trainer Hoeneß: „Ich traue ihm die Qualifikation zur Europa League zu“

In der vergangenen Saison wurde Paul Will mit dem FC Bayern München II Meister der 3. Liga. Während Will innerhalb der Liga zu Dynamo Dresden wechselte, zog es Münchens Meistertrainer Sebastian Hoeneß zu Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim – für Will alles andere als überraschend. „Es ist doch logisch, dass man auch als Trainer gute Angebote bekommt, wenn man es schafft, mit einer zweiten Mannschaft solch eine Leistung hinzulegen“, gibt der Breidenbacher zu bedenken. „Dass er dieses Angebot dann angenommen hat, ist absolut nachvollziehbar.“

Nach dem jüngsten 4:1-Überraschungserfolg von Hoeneß’ Team am Wochenende über den FC Bayern traut Will seinem Ex-Coach mit dessen neuen Team eine gewichtige Rolle zu. „Auch wenn sich auch bei Hoffenheim erst einiges noch einspielen will, traue ich ihm und der Mannschaft die Qualifikation zur Europa League zu.“

Von Marcello Di Cicco