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Paul Juras Fleiß wird belohnt
Paul Juras Fleiß wird belohnt
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18:00 06.01.2022
Paul Jura (links, bedrängt von Michelbachs Christoph Weidenhausen) will mit dem SV Bauerbach den Klassenerhalt in der Verbandsliga schaffen – und persönlich noch weiter aufsteigen.
Paul Jura (links, bedrängt von Michelbachs Christoph Weidenhausen) will mit dem SV Bauerbach den Klassenerhalt in der Verbandsliga schaffen – und persönlich noch weiter aufsteigen. Quelle: Thorsten Richter
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Bauerbach

Irgendwas, wird in Bauerbach gescherzt, muss bei der Kreuzband-Operation am Bein von Paul Jura „neu eingestellt“ worden sein. Jedenfalls bescheinigt Trainer Hendrik Lapp dem 21-Jährigen eine „enorm verbesserte Schusstechnik“, seit er aus der Verletzungspause zurück ist. Und auch dem Spieler ist bewusst, dass er sich in diesem Bereich in kurzer Zeit stark entwickelt hat: „Ich kann viel gezielter schießen als vorher.“ Liegt aber vielleicht doch eher daran, dass er im vergangenen Jahr viel ausprobiert, daran gearbeitet hat. So manches seiner zehn Saisontore hat er aus der Distanz erzielt, eines direkt per Freistoß.

Im Dezember, nach dem letzten Verbandsliga-Spiel im alten Kalenderjahr, hat der SV Bauerbach seinen „Spieler des Jahres“ gekürt. Die Jury, zu der auch Trainer Lapp gehörte, entschied sich für Jura – und das nicht nur, weil er ordentlich schießen kann und regelmäßig das Tor trifft: „Er ist ehrgeizig und zugleich bodenständig“, sagt Lapp über seinen Schützling, und: „Er besitzt eine Menge Durchschlagskraft, ist schnell, hat eine gute Technik und er ist unglaublich fleißig.“ Dieser Fleiß ist es wohl, hat zumindest dazu beigetragen, weshalb der Youngster zu einem absoluten Leistungsträger geworden ist, einen nicht gerade geringen Anteil daran hat, dass die Mannschaft in der Verbandsliga – wenn auch nur knapp – vor der Abstiegszone rangiert.

Verletzungstag bleibt in Erinnerung

Der Klassenerhalt ist das Ziel in dieser Saison, der bereits vierten von Jura beim Marburger Stadtteilclub. Der Rauischholzhäuser, der in Reddehausen lebt, kam aus der Jugend der TSG Wieseck zum SVB – nicht zuletzt dank des damaligen Trainers Stefan Frels, den er bereits von der Gießener Nachwuchsschmiede kannte. Frels wurde vor anderthalb Jahren von Lapp als Cheftrainer abgelöst. Jura blieb, schätzt den jungen Coach – und der schätzt den Spieler, sein Engagement, auch abseits des Platzes. „Ich versuche meine Mitspieler zu unterstützen und sage es auch meinem Trainer, wenn ich denke, dass etwas besser sein könnte“, berichtet Jura im Gespräch mit der OP. Inzwischen gehört der 21-Jährige zum Mannschaftsrat, sieht das als „großen Vertrauensbeweis“, freut sich darüber.

Froh ist er auch, dass es ihm gut geht, dass er fit ist. Er blickt auf den 28. Oktober 2020 zurück – das Datum kann er sofort nennen. Es war der Tag, an dem er sich einen Kreuzbandriss zuzog. Dass die Saison kurze Zeit später unter- und im Frühjahr 2021 schließlich abgebrochen wurde – da ist er offen und ehrlich –, „kam mir entgegen“, denn: „Dadurch habe ich mir etwas weniger Druck gemacht, schnell wieder spielen zu können.“

Die Mannschaft steht im Vordergrund

Und dennoch gönnte er sich keine Pause. „Er war kaum die Krücken los, da hat er schon wieder trainiert, so gut es möglich war“, erzählt Lapp. In der Sommervorbereitung war Jura wieder dabei, gewann mit seinem Team direkt das Vorbereitungsturnier des eigenen Vereins, schoss im Endspiel gegen Hessenligist Eintracht Stadtallendorf in letzter Minute das Ausgleichstor, traf auch im erfolgreichen Elfmeterschießen. In der Liga spielt er meist im Sturm, agiert aber auch gern im zentralen Mittelfeld. Bei Bedarf setzt ihn Lapp auch auf dem Flügel ein. Letztlich ist die Position für ihn nachrangig: „Ich will der Mannschaft helfen“, sagt er, will dafür „immer nicht nur 100, sondern 120 Prozent geben“.

Er fühlt sich wohl in Bauerbach. „Das passt“, sagt der Zusteller bei der Deutschen Post, macht aber keinen Hehl daraus, dass der SVB für ihn auch ein Sprungbrett sein soll. „Auf jeden Fall“ wolle er „noch höher kommen“ – nicht unbedingt sofort, aber „in den nächsten Jahren“, sagt er zu seinen persönlichen Zielen als Fußballer. Die Hessenliga traut er sich zu, schielt Richtung Regionalliga. Jura weiß: „Das ist ein großer Unterschied. Aber wenn möglich, würde ich es gern versuchen.“ Klingt ehrgeizig, aber keinesfalls überheblich, stattdessen bodenständig – eben so, wie sein Trainer ihn beschreibt.

Von Stefan Weisbrod