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Lokalsport Patrick Ungers Spielerkarriere vor der Trainerkarriere
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16:53 28.02.2020
Patrick Unger im Herbst 2005 im Trikot des damaligen Zweitligisten TV Lich. Später war der heutige Coach der Blue Dolphins noch einmal für den Club aus dem Kreis Gießen aktiv. Quelle: Foto: Michael Schepp/imago
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Marburg

Wenn der 37-jährige Patrick Unger an den früheren Basketballer Patrick Unger denkt, dann spricht er vom „schlechtesten Zweitliga-Spieler aller Zeiten“. Ein Stück weit fängt er diese Aussage wieder ein, erwähnt, dass er „in der Defense ziemlich gut“ war, dass er auch „ein paar richtig starke Spiele gemacht“ hat. Wenn er auf dem Feld nicht doch einiges drauf gehabt hätte, wäre er sicherlich nie in der 2. Bundesliga aktiv gewesen, hätte nicht in kanadischen College-Teams spielen können. Aber, das meint er dann durchaus ernster, er sei „absolut talentfrei“ gewesen und erklärt: „Mir ist basketballmäßig nichts zugeflogen. Anderen fiel es leichter, ich musste hart arbeiten.“

In Marburg wird bei seinem Namen an den erfolgreichen Coach der Bundesliga-Basketballerinnen gedacht. Vor mehr als sieben Jahren wurde Unger BC-Cheftrainer, führte die Blue Dolphins aus prekärer Lage zum Klassenerhalt, erreichte mit dem Team seitdem stets die Playoffs, zweimal gar Platz drei. Die aktuelle Spielzeit läuft anders: Zu großem Verletzungspech kamen unglückliche Niederlagen, noch immer droht der Abstieg. Den zu vermeiden, steht für Unger „aktuell über allem“. Es geht ein Stück weit um sein Vermächtnis, denn mit dieser Saison endet für ihn auch seine Zeit beim BC. Ab Sommer ist Unger bei den Gießen 46ers tätig, wird beim Männer-Erstligisten als Jugendkoordinator arbeiten. Er bleibt dem Basketball also treu – dem Sport, den er als Jugendlicher für sich entdeckt hat.

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Andere Pläne als die Mutter

Unger wuchs in Berlin auf, spielte dort zunächst Fußball. Erst als Teenager wechselte er die Sportart. Ein Kumpel nahm ihn mit auf einen Freiplatz, da war er 14 oder 15 – genau weiß er es nicht mehr. „Ich habe gemerkt, Basketball ist richtig cool. Ich habe mir gesagt, das mache ich jetzt.“ Er machte es richtig gut: Beim VfB Hermsdorf schaffte er schnell den Sprung ins Regionalliga-Team, trainierte zudem bei der Zweitliga-Mannschaft der BG Zehlendorf mit.

Nach mehr als sieben Jahren hört Patrick Unger als Trainer der Marburger Bundesliga-Basketballerinnen auf. Einen Rückblick in Bildern gibt es in dieser Galerie – samt Fotos aus seiner Zeit als aktiver Spieler.

Seiner Mutter wurde es irgendwann zu bunt: „Mama wollte, dass ich mich stärker mit etwas anderem als Basketball beschäftige. Ich hatte da etwas andere Pläne“, erzählt Unger verschmitzt. Die Suche nach einem geeigneten Studienort war zugleich eine Suche nach einem passenden Verein. 2004 kam er nach Marburg, begann ein Lehramtsstudium, schloss sich parallel dem damaligen Zweitligisten TV Lich an. Der Flügelspieler war kein „Punktesammler“ – 17 Zähler in einer Partie gegen Bayern München sind ihm daher besonders in Erinnerung geblieben. Er fühlte sich in der Verteidigung am wohlsten; es machte ihm am meisten Spaß, sich „mit anderen zu schlagen“, sagt er flapsig, meint, körperlich gegenzuhalten.

Im Studium lernte Unger seine heutige Frau Jenny kennen. Sie, damals im Marburger Bundesliga-Team aktiv, wollte für ein Jahr nach Kanada gehen, dort spielen. Patrick ging mit. Daraus wurden zwei Jahre in Edmonton, in denen er erst für die MacEwan University, dann für die University of Alberta auf dem Parkett stand. „Es war eine aufregende Zeit.“ Und eine anstrengende: „Ich habe vorher immer gedacht, ich würde hart trainieren. In Kanada habe ich gelernt, was wirklich hartes Training ist.“

Früher hat er selbst gespielt, jetzt macht er als Trainer der Marburger Bundesliga-Frauen auch mal klare Ansagen: Patrick Unger. Foto: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel

Die physische Arbeit, nicht nur in Kanada, hat allerdings Spuren hinterlassen: Mit der Achillessehne hat Unger anhaltende Probleme, auch sein Rücken ist „ziemlich durch“, erzählt der 1,94-Meter-Mann, der nach seiner Zeit in Kanada noch dritt- und viertklassig für Lich und den VfB Gießen spielte, ehe er 2012 seine aktive Karriere beendete.

Als Trainer glücklich

Er habe „immer drüber trainiert“, keine Acht auf seinen Körper gegeben, sagt Unger rückblickend. Als Trainer legt er daher besonderen Wert darauf, dass seine Spielerinnen „nicht so unvernünftig sind, damit sie irgendwann in Zukunft mal ganz normal mit ihren Kindern spielen können“.

Dass es für ihn nicht zur ganz großen Spielerkarriere gereicht hat, bedauert Patrick Unger nicht: „Ich habe eine tolle Familie. Und ich habe es geschafft, mit Basketball mein Geld zu verdienen. Damit bin ich glücklich.“

Zur Person

Patrick Ungerwurde am 21. Januar 1983 in Berlin geboren, wuchs in der bis 1990 geteilte Stadt auf. Für ein Lehramtsstudium, das er später abbrach, kam er 2004 nach Marburg, wo er auch seine heutige Ehefrau Jenny kennenlernte. In der Universitätsstadt, die für den heute 37-Jährigen zur neuen Heimat wurde, lebt der aktuelle Marburger Cheftrainer, der ausgebildeter Sport- und Fitnesskaufmann sowie studierter Sportmanager ist, mit Jenny sowie seinen Töchtern Luzie (6) und Paula (3).

Von Stefan Weisbrod

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