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Lokalsport Patrick Ungers neue Herausforderung
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10:56 17.08.2021
Patrick Unger ist neuer Trainer des Pro-B-Teams der Gießen 46ers.
Patrick Unger ist neuer Trainer des Pro-B-Teams der Gießen 46ers. Quelle: BBA GIESSEN 46ers
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Marburg

Er hat Bock darauf. Er hat „richtig Bock darauf“, sagt er. Bock darauf, wieder Woche für Woche an der Seitenlinie zu stehen, ein Team zu coachen. Auch Bock aufs Training, auf die Vorbereitung. Dankbar, sagt Patrick Unger, sei er den Gießen 46ers beziehungsweise deren Basketball-Akademie für die Möglichkeit, als Jugendkoordinator seine Erfahrung einbringen, neue Erfahrung zu sammeln zu können. „Es hat mir Freude gemacht“, betont der 38-Jährige. „Aber ich saß auch viel am Schreibtisch.“ Er sagt es so nicht, aber es wird deutlich, dass es ihm zu viel Büroarbeit war. „Jetzt bin ich wieder mehr in der Halle“ – und damit ist er voll in seinem Element.

Mehr als sieben Jahre lang, von Anfang 2013 bis zum Ende der Saison 2019/2020, war Unger Cheftrainer der Marburger Bundesliga-Basketballerinnen, führte das Team des BC Pharmaserv mehrfach zu Bronzemedaillen in der Liga und im Pokal. Statt auf viele ausländische Profis, wie es einige Ligakonkurrenten tun, baute er überwiegend auf junge deutsche Spielerinnen, entwickelte sie weiter, war ab 2018 als Bundestrainer für einige von ihnen auch im Nationalteam verantwortlich. Vor gut anderthalb Jahren verkündete er dann seine Entscheidung, etwas Neues machen zu wollen.

In Gießen wechselt er nun die Stelle, formal auch den Arbeitgeber: vom Akadamie-Verein zur Gesellschaft, die für die professionellen Mannschaften in der Bundesliga sowie in der Pro B, der dritthöchsten Spielklasse, zuständig ist. Unger ist neuer Cheftrainer bei der Zweitvertretung, den Rackelos (was in der manischen Sprache so viel wie „Junge“ oder „Nachwuchs“ heißt), gehört außerdem zum Stab von Erstliga-Headcoach Pete Strobl und soll als Bindeglied zum Nachwuchsbereich fungieren – er ist, so bezeichnet er es selbst, „Mädchen für alles.“

Die zweite 46ers-Mannschaft besteht aus wenigen Routiniers wie Ex-Nationalspieler Johannes Lischka und vielen Youngstern. „Es geht darum, junge Leute zu entwickeln und auf ein höheres Level zu bringen“, sagt der frühere Zweitliga-Spieler des TV Lich, schiebt hinterher: „Also darum, das zu machen, was ich auch in Marburg gemacht habe.“

Die Herausforderung ist dabei ebenfalls dieselbe wie bei den Blue Dolphins: Junge Spielerinnen beziehungsweise Spieler haben teils noch nicht dasselbe Niveau wie die erfahreneren Kräfte, brauchen aber Spielzeit, um sich zu verbessern. Zugleich, weiß Unger, geht es darum, in der im September startenden Saison Spiele zu gewinnen – mindestens so viele, dass die Mannschaft nicht in Abstiegsnöte gerät. Denn unterhalb der semiprofessionellen Pro B würde das Niveau zur Förderung der Talente kaum ausreichen. Dieses Gleichgewicht zu finden, meint er, sei „die große Kunst“.

Die Vorbereitung läuft, sowohl beim Erst- als auch beim Pro-B-Team – für Unger bedeutet das aktuell bis zu vier Mannschaftstraining-, dazu teilweise Individualeinheiten – was nach vollen Arbeitstagen klingt. „Ja, geht meist früh los und endet am Abend“, bestätigt der aus Berlin stammende Wahl-Marburger, der versucht zwischendurch Zeit für seine Familie, seine Frau und die drei Töchter zu finden.

Wichtig sei, sagt er, etwas mit Leidenschaft zu machen, Spaß daran zu haben. Keine Frage: Die Leidenschaft hat Unger. Und den Spaß an der Sache auch.

Von Stefan Weisbrod