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Lokalsport Patrick Unger blickt auf eine „tolle Zeit“ zurück
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20:56 27.06.2020
Gab lange Zeit die Kommandos bei den Blue Dolphins: Trainer Patrick Unger, hier auf während der Saison 2014/15. Quelle: Miriam Prüßner/Archiv
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Marburg

Nach mehr als sieben Jahren und insgesamt 236 Basketball-Spielen in der Bundesliga, im nationalen Pokalwettbewerb und im Europacup hat Patrick Unger im Frühjahr einen Schlussstrich beim BC Pharmaserv gezogen.

Statt als Cheftrainer beim Marburger Frauen-Erstligisten arbeitet er nun im Nachwuchsbereich von Männer-Bundesligist Gießen 46ers. Auch wenn er selbst entschieden hat, den BC zu verlassen, die Jahre bei den Blue Dolphins wird Unger stets in „überwiegend positiver Erinnerung“ behalten, wie er selbst formuliert, ehe er es noch etwas anders ausdrückt: „Es war eine tolle Zeit.“ Mit ein paar Monaten Abstand blickt er nun zurück und spricht mit der OP über ...

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… den schönsten Moment in mehr als sieben Jahren als BC-Cheftrainer: „Am geilsten war der Sieg in Keltern im dritten Viertelfinale 2016, durch das das erste Mal unter mir das Halbfinale erreicht wurde“, erzählt er. „Wir hatten die Hauptrunde auf Platz fünf abgeschlossen. Im ersten Spiel der Serie haben wir den Sieg in Keltern geklaut, das zweite Spiel aber zu Hause ziemlich doof verloren.

Zwei Tage später sind wir nach Keltern gefahren, waren der Außenseiter. Es war im Frühjahr, aber trotzdem ziemlich heiß in der Halle. Ich weiß noch, dass super viele Fans dabei waren. Es war eine riesen Energieleistung. Dieser Sieg war ganz besonders“, blickt er auf den damaligen 65:60-Erfolg zurück. Am Ende sprang die Bronzemedaille heraus, „über die wir uns natürlich riesig gefreut haben. Aber das Spiel in Keltern hat herausgeragt“.

… den wichtigsten Sieg: „Der Sieg in Keltern war natürlich wichtig, den wichtigsten haben wir aber im letzten Spiel der Saison, in der ich übernommen habe, gegen Wolfenbüttel geholt“, sagt Unger, der Ende Januar 2013 die Nachfolge der entlassenen Aleksandra Kojic angetreten hatte. Der BC war akut abstiegsbedroht, mit dem 81:78-Sieg gegen Wolfenbüttel machte das Team den Klassenerhalt aus eigener Kraft perfekt.

Dass es aufgrund des Erstliga-Rückzugs des Gegners, der nach der Partie verkündet wurde, auch bei einer Niederlage zum Ligaverbleib gereicht hätte, ist für Unger nebensächlich: „Die Anspannung war riesig. Es war eine klasse Leistung und für uns ganz wichtig, es selbst geschafft zu haben und nicht von etwas anderem abhängig gewesen zu sein.“

Nach mehr als sieben Jahren hört Patrick Unger als Trainer der Marburger Bundesliga-Basketballerinnen auf. Einen Rückblick in Bildern gibt es in dieser Galerie – samt Fotos aus seiner Zeit als aktiver Spieler.

… die ärgerlichsten Ereignisse: „Da gab’s zwei Sachen, an die ich denken muss“: Zum einen das Spiel in Keltern im Herbst vergangenen Jahres, „weil wir da zwei Leistungsträgerinnen verloren haben“. Alex Kiss-Rusk und Marie Bertholdt verletzten sich in dieser Partie schwer und fielen für den Rest der Spielzeit aus. „Das hat uns die Saison ein Stück weit kaputt gemacht.“ Erstmals seit 2013 verpasste der BC sportlich die Playoffs, die aufgrund der Corona-Pandemie letztlich nicht ausgetragen wurden. Selbst der Klassenerhalt schien lange Zeit fraglich.

Ähnlich ärgerlich war für ihn das Aus im nationalen Pokal der Saison 2017/2018: „Da haben wir in Göttingen im Viertelfinale eine Niederlage kassiert, die sowas von unnötig war. Wir hatten eine riesige Chance auf den Einzug ins Final Four, die wir einfach weggeworfen haben“, sagt er im Rückblick auf die 56:63-Niederlage.

… verpasste Titelchancen: „Natürlich will man Titel gewinnen, das ist ja auch einer der Gründe, warum man spielt. Aber es quält mich nicht, dass wir keinen Titel geholt haben.“ Unter Unger erreichte der BC viermal das Meisterschafts-Halbfinale, holte anschließend zweimal Platz drei, gewann zudem einmal die Bronzemedaille des nationalen Pokalwettbewerbs und stand 2018 im Finale der Central Europe Women League.

Für den bisherigen Marburger Cheftrainer bemisst sich Erfolg nicht nur am Gewinn von Meisterschaften oder Pokalen: „Wir haben in den vergangenen Jahren viele Spielerinnen entwickelt und besser gemacht, ziemlich sicher mehr als die meisten anderen Vereine. Und wir haben es geschafft, mit diesen Spielerinnen mehrfach ins Meisterschaftshalbfinale einzuziehen. Auch das ist ein Erfolg.“

Das jüngste Beispiel sei Aufbauspielerin Alex Wilke: „Sie hat riesiges Potenzial. Wir haben ihr die Chance gegeben, nicht nur im Training zu zeigen, was sie drauf hat. Ich weiß nicht, ob sie bei anderen Vereinen auch diese Einsatzzeiten bekommen hätte, bei manchen bestimmt nicht. Jetzt ist sie eine der besten deutschen Spielerinnen auf ihrer Position. Und sie kann noch mehr.“

… die Spielerin, die ihn am meisten überrascht hat: „Es gab einige, die mich überrascht haben, am meisten vielleicht sogar Baker.“ Tonisha Baker kam 2013 zum ersten Mal zum BC. „Als wir sie damals verpflichtet haben, meinten einige, dass wir sie nur genommen hätten, weil sie wenig Geld kostet“, erinnert sich Unger. „Wir haben nach einem starken ersten Jahr den Fehler gemacht, nicht mit ihr zu verlängern.“

Im Laufe der darauffolgenden Saison holte der Verein die US-Amerikanerin, die seitdem ohne weitere Unterbrechung in Marburg unter Vertrag steht, zurück. „Wie sie sich danach weiterentwickelt hat, hat mich zugegebenermaßen schon überrascht“, sagt der bisherige Coach. „Sie ist immer auf den Beinen, wird gefühlt nie müde. Sie hat uns so manchen Sieg geholt.“

… das, was er besonders vermisst: „Die Anspannung und das Kribbeln vor dem Spiel. Das hat man so sicherlich nur, wenn man wirklich dabei ist und nicht nur zuschaut.“ Noch mehr, das wird im Gespräch deutlich, wird ihm aber das Marburger Team fehlen: „Da sind über die Jahre viele Beziehungen entstanden, die ich nicht missen möchte. Mit vielen Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, werde ich in Kontakt bleiben, da bin ich mir sicher. Aber den täglichen Umgang mit den Spielerinnen und mit meinem Trainerteam gibt es eben nicht mehr.“

… über seinen Nachfolger, den neuen Trainer des BC Marburg Dana Beszczynski: „Ich kannte ihn bislang nicht. Er macht auf mich einen sehr engagierten Eindruck, scheint sehr ambitioniert zu sein. Bin gespannt, was er bewegen kann.“

Von Stefan Weisbrod

Neue Aufgabe bei Gießen 46ers

Schon seit April ist Patrick Unger bei Männer-Bundesligist Gießen 46ers als einer von zwei Nachwuchskoordinatoren tätig. „Bisher ging es vor allem um konzeptionelle Arbeit“, erklärt er. Für ihn sei es wichtig gewesen, nach vielen Jahren beim BC „raus aus der Komfortzone zu kommen und etwas anderes zu machen“. Mit Jugendlichen zu arbeiten, sei für ihn eine Umstellung, „aber bislang macht es mir viel Spaß“.

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