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Lokalsport Marburger Judoka wollen nach Tokio
Sport Lokalsport Lokalsport Marburger Judoka wollen nach Tokio
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15:00 25.12.2019
Shugga Nashwan (links) bei Aufwärmübungen mit weiteren Judoka der Blista. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Marburg – Hannover – Tokio. Das ist die Wunsch-Route von den beiden paralympischen National-Judoka Daniel Goral und Shugga Nashwan. Beide gehen für die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg an den Start, leben und trainieren allerdings am Olympiastützpunkt in Hannover.

Für den Weihnachtslehrgang der Blista sind sie nun nach Marburg gekommen. Es sei ihnen eine Herzensangelegenheit, in der Heimatstadt dabei zu sein. „Wir sind hier, um unser Wissen weiterzugeben. Marburg und Markus haben uns so viel gegeben, da ist es nur fair, etwas zurückzugeben“, erklärte Nashwan.

Sowohl der 19-jährige Goral als auch der 22-jährige Nashwan haben beide große Chancen, bei den Paralympischen Spielen 2020 in Tokio dabei zu sein. „Ich schätze es so ein, dass die Chance bei 80 Prozent liegt, dass wir nach Tokio fahren. Aber im Sport kann alles passieren – deshalb kann man sich erst sicher sein, wenn man im Flugzeug sitzt“, sagt Nashwan.

Neunten Platz der Weltrangliste halten

Der Medizinstudent Goral prognostiziert Ähnliches: „Meine Chance mitzufahren ist hoch, ich muss den neunten Platz der Weltrangliste einfach bis Mai halten. Das ist ein guter Stand und es ist positiv, dass ich nicht mehr in der Bringschuld bin.“ Goral hatte bis vergangenes Jahr noch in der zweiten Bundesliga gekämpft, wozu er jetzt keine Zeit mehr habe.

„Ich studiere Medizin im ersten Semester und das ist nicht einfach. Aber ich kann mir nichts anderes vorstellen, was ich sonst mein ganzes Leben machen will“, erklärte Goral. Das ist auch der Grund, warum der 19-Jährige nicht mehr im Judo-Ligabetrieb dabei ist: „Ich habe durch das Studium leider schlichtweg keine Zeit mehr dazu.“

Trotzdem ist die Liebe zum Judo bei beiden Athleten immer noch genauso groß, wie vor vielen Jahren. Nashwan durfte durch seinen Sport Japan sogar schon einmal besuchen: „Ich habe im vergangen Jahr von Frühjahr bis Herbst dort gelebt. Das war sehr spannend und lehrreich.“ Nächstes Jahr möchte er zurückkehren – für die ­Paralympischen Spiele.

Bronze bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften

In der Vorbereitung für Tokio 2020 erreichte der Psychologiestudent bei den Hochschulmeisterschaften im vergangen Monat die Bronzemedaille gegen sehende Judoka. „Ich sehe mich als Botschafter für die paralympischen Sportarten. Es ist auch meine freie Entscheidung, dass ich daran teilnehme. Ich erwarte auch keine Sonderbehandlung, denn ich bin mit sehenden Judoka groß geworden“, betont Nashwan.

Ein weiterer Grund sind die wenigen paralympischen Turniere, die es gibt: „Es ist schade, dass es nur die Deutschen Meisterschaften gibt. Es ist also nicht schwer, national erfolgreich zu sein – der internationale Erfolg aber umso schwieriger“, findet er.

Doch auch für den 22-Jährigen lief nicht immer alles problemlos: „Ich hatte ein Muskelbündelriss im Bereich der Aduktoren, deshalb konnte ich anfangs kaum Punkte sammeln. Das war keine einfache Zeit. Aber ich habe mir dann Bronze bei den Europameisterschaften gesichert und dadurch bin ich rasant in die Top Ten der Welt aufgestiegen.“ Nun stehen für beide Athleten noch zwei Qualifikationsturniere im April und Mai an. Danach entscheidet sich, wer nach Tokio fahren darf. Beide wissen: Nach dem Kampf ist vor dem Kampf.

von Leonie Rink