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Lokalsport Marc Weber will in Paris um eine Olympia Medaille fahren
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10:59 07.10.2021
Marc Weber (vorn) bei den Olympischen Spielen in Japan im Doppelzweier mit Stephan Krüger (hinten). Das Duo belegte den elften Platz – für Weber enttäuschend.
Marc Weber (vorn) bei den Olympischen Spielen in Japan im Doppelzweier mit Stephan Krüger (hinten). Das Duo belegte den elften Platz – für Weber enttäuschend. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Marburg

Er will einen Schritt nach dem anderen machen. Gut trainieren, schnell werden, noch schneller werden, auch im nächsten Jahr zur Nationalmannschaft gehören. Das Fernziel – das, worauf er hinarbeitet – ist dabei aber klar: Marc Weber will bei den Olympischen Spielen 2024 dabei sein. Und er will um eine Medaille mitfahren – „egal in welcher Bootsklasse“, sagt er im Gespräch mit der Oberhessischen Presse, macht auf Nachfrage keinen Hehl daraus: „Am liebsten natürlich im Einer.“

In Tokio war der 24-Jährige im Doppelzweier zusammen mit Stephan Krüger am Start. Ergebnis: elfter Platz. Enttäuschend für Weber. „Ich war dabei, das hat mich gefreut. Aber man muss ganz klar sagen, es war nicht erfolgreich.“ Er übt aber seinen Sport aus, um erfolgreich zu sein. Das ist auch ein Grund, warum der U-23-Weltmeister im Einer von 2019 seine neue sportliche Heimat in Marburg gefunden, sich Rudern und Sport (RuS) Steinmühle angeschlossen hat. „Wenn ein Verein auf dich zukommt und du merkst, der hat so Bock auf Sport, der hat so Bock auf Leistungssport, der hat Bock auf dich ...“, gerät er geradezu ins Schwärmen. Er habe nicht lange überlegen müssen. „Das ist spitze. Das passt“, ist er überzeugt, hat sich deshalb für den Wechsel von Hassia Gießen zum Verein aus dem Marburger Süden entschieden.

Mit 13 Jahren begann Marc Weber mit dem Rudern. Sein Fußballteam hatte sich zuvor aufgelöst. „Meine Eltern meinten, ich solle etwas Sportliches machen“, erzählt er. „Ehrlich gesagt hat es mir am Anfang aber überhaupt keinen Spaß gemacht.“ Er ging zunächst lieber zu den Pfadfindern. Doch seine erste Jugendliebe ruderte in Gießen – „dann war ich drei Mal die Woche da“. Die Beziehung hielt nicht, doch die Ruder-Begeisterung beim Teenager, der zu dieser Zeit in Butzbach lebte, war geweckt. Mit 16 lernte er Trainer Martin Strohmenger kennen. „Ich bin durch ihn in den Leistungssport gerutscht und irgendwie nicht wieder da rausgekommen“, sagt er und lacht.

Der „Neuzugang“ will mit dem Nachwuchs trainieren

Strohmenger ist Trainer an der Steinmühle – was für Weber „natürlich eine Rolle“ bei seinem Wechsel zum Marburger Verein gespielt hat. Es ist nicht der einzige Grund, der für RuS gesprochen hat: „Ich brauche keinen Verein, wo alles so unpersönlich ist, sondern einen, wo man zusammensteht und das Gefühl hat, alle feuern einen an, man ist ein Team.“ Das sei bei seinem alten Club so gewesen, das wird auch einige Kilometer Lahn-aufwärts so sein, ist er sich sicher. Großvereine aus anderen Regionen kamen für ihn nicht infrage. Nicht zuletzt geht es auch ums Finanzielle: „Leistungssport ist teuer. Nicht jeder Verein kann oder will sich das leisten“, erklärt Weber, lässt durchblicken, dass es in Gießen an Unterstützung gemangelt habe. In Marburg stimmen die Rahmenbedingungen, dafür wurden eigens Sponsoren gesucht und gefunden. Strohmenger spricht von „Unterstützung, für die wir sehr dankbar sind“.

16 Einheiten, jede 90 bis 120 Minuten lang, stehen wöchentlich im Trainingsplan, verteilt auf sechs Tage. An zwei bis drei davon will er künftig in Marburg sein, an den anderen in Frankfurt und in Gießen. Es sei Wunsch der Steinmühle gewesen, dass ein Teil des Trainings vor Ort stattfindet, „es war aber auch mein eigener Wunsch. Ich will die Leute dort kennen und nicht der sein, der auf dem Papier dazu gehört aber nie da ist“, sagt er. Teilweise möchte er mit dem Nachwuchs des Vereins zusammen trainieren, die Jugendlichen auch anleiten. „Ich freue mich drauf“, sagt der 24-Jährige, der „zeitlich ist es auf jeden Fall ein Vollzeitjob“ ausübt, „finanziell aber leider nicht“. Er habe für sich die Entscheidung getroffen, den Aufwand betreiben zu wollen, parallel zu seinem Psychologie-Studium an der Gießener Justus-Liebig-Universität und seinen Verpflichtungen als Sportsoldat. „Wir konkurrieren zum Beispiel mit Sportlern aus England. Dort ist Rudern fast ein Volkssport, dort gibt es deutlich mehr Geld und es kann anders trainiert werden.“

Weber setzt auf die Methoden Strohmengers. Mit den Verantwortlichen des nationalen Verbands, das wird im Gespräch deutlich, sind beide in den vergangenen Jahren nicht immer einer Meinung gewesen. „Da sind einige Fehlentscheidungen getroffen worden“, sagt der Sportler, erklärt: „Es ist sehr viel in das Individualtraining hineingegrätscht worden.“ Strohmenger, auch sein Schützling, sind der Meinung, dass im Winter physische Grundvoraussetzung geschaffen und im Sommer fast ausschließlich auf dem Wasser trainiert werden sollte. „Ich bin damit U-23-Weltmeister im Einer geworden, das kann also so falsch nicht sein“, sagt Weber, berichtet: „Bei Olympia waren andere Trainer, die alles gleichzeitig und möglichst viel machen wollten. Das hat nicht funktioniert.“

Kampfansage an den aktuellen Einer-Fahrer

Im Dezember stehen erste Testwettkämpfe mit Blick auf die neue Saison auf dem Programm. Weber will so schnell sein, dass im Verband niemand an ihm vorbeikommt, wenn es um die Nationalmannschaft im neuen Jahr geht. Er will zumindest mittelfristig so schnell sein, dass er künftig für Deutschland im Einer starten darf. „Ich war im U-23-Bereich der Einer-Fahrer, im A-Bereich ist das momentan ein anderer. Aber es wäre ja langweilig für ihn, wenn er nicht angegriffen würde“, spricht Weber eine Kampfansage in Richtung Oliver Zeidler aus – an Motivation mangelt es dem Marburger „Neuzugang“ ganz sicher nicht.

Von Stefan Weisbrod

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