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Lokalsport Olympia bleibt ihr großes Ziel
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16:35 28.10.2020
Armzug um Armzug und Beinschlag um Beinschlag soll es für Chiara Klein (irgendwann) zu Olympia gehen. Quelle: thesportpicturepage
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Marburg

Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate: Für viele Sportler ging nach dem Lockdown aufgrund der Coronavirus-Pandemie ab Mitte März erst einmal gar nichts – nicht so für Chiara Klein. „Ab dem 13. März hatten wir eine Woche lang kein Training, weil die Sportstätten geschlossen waren“, erzählt die gebürtige Schwabendorferin im Gespräch mit der OP.

Doch danach ging es für die 16-Jährige schon wieder weiter – was vor allem darin begründet liegt, dass sie zu den besten deutschen Schwimmerinnen gehört. „Weil ich mich im vergangenen November bei den Deutschen Meisterschaften auf der Kurzbahn auf die Olympia-Longlist geschwommen habe, durfte ich schon früher wieder trainieren“, begründet die Athletin. Auf jener erweiterten Liste sind die Sportler verzeichnet, die Aussichten auf eine Olympia-Teilnahme haben.

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Seit drei Jahren lebt die Elfklässlerin mit ihren zwei Brüdern, Eltern und Großeltern in der Nähe von Potsdam, wo sie am dortigen Olympia-Stützpunkt trainiert und die Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportschule besucht.

„Hierher zu gehen, war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. An meiner Schule bin ich eine von vielen, die das Bestmögliche erreichen will“, sagt Chiara Klein, die früher unter anderem für den TSV Kirchhain Medaillen und Titel einheimste – nun für den Potsdamer SV, bei dem sie mit dem deutschen Spitzenschwimmer Christian Diener in einer Trainingsgruppe ist.

Fünf bis sechs Stunden trainiert sie täglich in normalen Zeiten, ihr Lehrplan ist auf Leistungssport ausgerichtet. „Ich habe auch schon einige Klausuren im Trainingslager geschrieben“, erzählt die Schülerin, die nun ihr Abitur auf eine Zeitspanne von vier bis fünf Jahren streckt, damit sie den Leistungssport besser mit ihrer schulischen Ausbildung kombinieren kann. „Das können diejenigen machen, die das sportliche Potenzial dazu haben“, erklärt Chiara Klein, die sich schon seit geraumer Zeit ein großes Ziel gesetzt hat, das da heißt: Olympische Spiele.

„Die Absage der Spiele in Tokio in diesem Jahr hatte keine großen Auswirkungen für mich“, sagt die Sportlerin. Die kurz vorher angesetzte Jugend-EM im schottischen Aberdeen „wäre für mich interessant gewesen“. Doch auch dieser internationale Wettkampf fiel Corona zum Opfer. Also heißt es für die gebürtige Schwabendorferin: einen neuen Anlauf nehmen. „Ob Olympia im kommenden Jahr schon realistisch ist, weiß ich nicht – auch wegen der Ungewissheit wegen Corona“, sagt Chiara Klein, die – sollte es nicht klappen – bereits die Teilnahme bei den Spielen 2024 in Paris anpeilt. „Für mich gilt es nun, noch mehr internationale Erfahrung zu sammeln.“

In diesem Jahr war dies für die Spitzenschwimmerin kaum möglich. Nahm sie im Vorjahr noch an Wettkämpfen etwa in Edinburgh (Schottland), Stockholm (Schweden) oder Baku (Aserbaidschan) teil, standen bisher nur eine Art Kaderwettkampf in Berlin und ein interner Stützpunkt-Wettkampf in Potsdam in den vergangenen Wochen in ihrem Plan – allerdings ohne Zuschauer. „Deren Fehlen macht die ganze Atmosphäre zunichte – auch aus Athletensicht“, bedauert die 16-Jährige.

Auf einen großen Wettkampf in diesem Jahr hatte sie noch gehofft: In Berlin sollten am kommenden Wochenende die Deutschen Meisterschaften auf der 50-Meter-Bahn stattfinden. In ihrer Paradedisziplin Kraul wollte sie über 50, 100 und 200 Meter Bestzeiten aufstellen. Corona-bedingt sind jedoch auch die Meisterschaften abgesagt worden.

Von Marcello Di Cicco

28.10.2020
26.10.2020