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Lokalsport Felix Nolte: „Bin kein zweiter Del-Angelo“
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22:20 20.06.2018
Eine Szene aus dem Frühjahr 2014: Felix Nolte (links) im Zweikampf gegen Fejz Hodaj, den jetzigen Sportlichen Leiter der Eintracht. Nolte, der sieben Jahre lang für den FC Ederbergland aktiv war, hat in Stadtallendorf einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Foto: Nadine Weigel
Eine Szene aus dem Frühjahr 2014: Felix Nolte (links) im Zweikampf gegen Fejz Hodaj, den jetzigen Sportlichen Leiter der Eintracht. Nolte, der sieben Jahre lang für den FC Ederbergland aktiv war, hat in Stadtallendorf einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Quelle: Nadine Weigel
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Bürgeln

Im Sommer 2011 wechselte Felix Nolte vom TSV Bottendorf zum FC Ederbergland – und eben nicht nach Stadtallendorf. Dragan Sicaja hatte den Stürmer damals bereits im Blick. „Ederbergland war ein paar Tage schneller als wir“, berichtet der Eintracht-Coach. Nolte hat seitdem mit dem FCE viel erlebt, stand vor dem Sprung zu einem Proficlub, kämpfte mit Verletzungen. Im Interview mit der Oberhessischen Presse blickt der Stürmer zurück, spricht über seinen Wechsel nach Stadtallendorf – und über seine Ziele mit dem Regionalligisten.

Oberhessische Presse: Felix Nolte, wie gut erinnern Sie sich noch an den 2. November 2011?
Felix Nolte: Sehr gut, darüber habe ich mich auch mit Fejz (Hodaj, damals Spieler und jetzt Sportlicher Leiter von Eintracht Stadtallendorf; Anmerkung der Redaktion) vor kurzem unterhalten. An dem Tag habe ich mit Ederbergland in Wetter das Endspiel im Regionalpokal gegen Stadtallendorf nach 0:2-Rückstand mit 4:3 gewonnen.

OP: Nicht nur, dass Sie gewonnen haben, Sie haben auch alle vier Tore für den FC Ederbergland geschossen.
Nolte: Das stimmt. Danach nahm dann das Ganze seinen Lauf. Dann kamen der HSV und die Bayern, bei deren zweiten Mannschaften ich mittrainiert habe. Auch in Paderborn bin ich gewesen.

Nach Absage in ein Loch gefallen

OP: Mit dem SC Paderborn sind Sie sogar ins Wintertrainingslager gefahren. Viele sind damals fest davon ausgegangen, dass Sie den Sprung zu einem Proficlub schaffen. Warum spielen Sie heute nicht für einen Erst- oder Zweitligisten?
Nolte: Ja, warum hat es nicht geklappt? Das habe ich mich auch oft selbst gefragt. Letztendlich hat mir Paderborn den Sprung von der Verbandsliga in die 
2. Bundesliga nicht zugetraut. Beim Hamburger SV hat es einfach nicht gereicht, da habe ich nicht überzeugt. Bei den Bayern hatte ich das Gefühl, dass ich richtig gut war, das hat mir Hermann Gerland (damals Sportlicher Leiter der zweiten Bayern-Mannschaft) auch bestätigt. Da war ich gut drauf, habe im Training ein Tor nach dem anderen geschossen, und dann sagt mir Michael Tarnat (seinerzeit Sportlicher Leiter der Münchner Nachwuchsabteilung) im Abschlussgespräch, dass ich zu alt sei. So zumindest war die Begründung. Da war ich 21.

OP: War das Thema Profifußball damit für Sie abgehakt?
Nolte: Die Absage der Bayern war für mich ein kleiner Schlag. Man hat immer davon geträumt und steht kurz davor, es zu schaffen – dann klappt es nicht. Ich bin damals in ein Loch gefallen, es war für mich nicht ganz so einfach, das zu verarbeiten. Es gab dann zwar immer mal Anfragen, zum Beispiel von einem österreichischen Zweitligisten und auch vom SV Wehen Wiesbaden. Da war ich dann 22 oder 23 und war mir bewusst, dass es für die ganz große Karriere nicht mehr reichen würde. Mein Betriebswirtschaftsstudium war mir dann wichtiger.

Zur Person

Felix Nolte begann in seinem Heimatdorf Bottendorf mit dem Fußballspielen, in der Jugend war er zudem in Frankenberg und für den VfB Marburg am Ball. Mit dem TSV Bottendorf stieg er 2010 in die Kreisoberliga auf, 2011 wechselte er zum FC Ederbergland. Seitdem erzielte der inzwischen 27-Jährige, der in der IT-Abteilung von Viessmann arbeitet, trotz mehrerer verletzungsbedingter Pausen rund 120 Tore in der Hessen- und Verbandsliga. Bei der Stadtallendorfer Eintracht hat Nolte, der seit wenigen Wochen in Bürgeln wohnt, einen Drei-Jahres-Vertrag bis zum Juni 2021 unterschrieben.     

OP: Sie haben insgesamt sieben Jahre für den FC Ederbergland gespielt. Warum jetzt der Wechsel nach Stadtallendorf?

Nolte: Ich hatte eine tolle Zeit beim FCE mit zwei Aufstiegen in die Hessenliga (2013 und 2016), dem Sieg im Regionalpokal, dem Finale im Hessenpokal (2012, 0:6-Niederlage im Endspiel beim damaligen Drittligisten Kickers Offenbach). Es war immer cool mit den Jungs, mit denen man nicht nur zusammen gespielt, sondern auch sonst viel unternommen hat. Ich hatte aber auch das Gefühl, mir selbst noch mal etwas beweisen zu wollen und habe mir vor einigen Monaten selbst gesagt: Wenn sich eine attraktive Möglichkeit ergibt, dann möchte ich sie ergreifen. Als mich Dragan und dann auch Fejz angerufen haben, war für mich schnell klar, was ich mache.

OP: Sie haben den Großteil der vergangenen Saison wegen eines Kreuzbandrisses verpasst. Wie fühlen Sie sich jetzt?
Nolte: Ich war auch vorher mehrmals verletzt, hatte zum Beispiel Probleme mit dem Knöchel. Aber ich bin immer wieder zurückgekommen. Ich habe nach meiner Operation am Kreuzband viel Physiotherapie gemacht, habe mir einen persönlichen Trainer in Frankenberg genommen und habe auch viel selbst gemacht, um wieder fit zu werden. Aber natürlich ist es was anderes, im Fitnessstudio Sport zu machen, als auf dem Platz zu stehen, das habe ich am Ende der Saison gemerkt. Deshalb ist es wichtig, dass ich die Vorbereitung voll mitmachen und durchziehen kann. Wenn das klappt, dann bin ich gut gerüstet.

OP: Del-Angelo Williams hat vergangene Saison 14-mal für die Eintracht getroffen, in Zukunft spielt er für Hansa Rostock. Sehen Sie sich als sein Nachfolger?
Nolte: Er ist ein echt guter Stürmer, der sehr wichtig für die Eintracht war. Ich bin neu, ich will spielen und treffen. Aber ich sehe mich trotzdem nicht als sein Nachfolger, ich bin kein zweiter Del-Angelo. Ich bin auch ein anderer Spielertyp. Er ist ein reiner Stürmer, der seine Tore meist aus dem Strafraum erzielt. Ich kann auch aus dem offensiven Mittelfeld kommen oder auf den Flügeln spielen.

Erst mal einen Stammplatz erkämpfen

OP: Als Zuschauer hatte man vergangene Saison hin und wieder gedacht, die Stadtallendorfer würden sich nicht trauen, aus der Distanz abzuschließen …
Nolte: Ich habe ja auch ein paar Spiele gesehen und manchmal den Eindruck gehabt, dass sie den Ball ins Tor tragen wollten. Wenn man aus 20 oder 25 Metern fest und platziert schießt, dann wird’s für den Torwart schwer. Das wird man von mir mit Sicherheit sehen.

OP: Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, wie oft Sie treffen wollen?
Nolte: Nein. Ich will mir erst mal einen Stammplatz erkämpfen, dafür muss ich hart arbeiten. Und dann möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass wir unser großes Ziel erreichen.

OP: Das kann nur der Klassenerhalt sein. Was macht Sie optimistisch, dass es klappt?
Nolte: Leicht wird das nicht, keine Frage. In der ersten Saison war die Eintracht für die meisten Gegner schwer einzuschätzen, das hat natürlich geholfen, die nötigen Punkte zu holen – trotzdem war es eine bemerkenswerte Leistung. Jetzt ist die Situation anders, die Eintracht ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Aber ich glaube, dass Stadtallendorf mit Dragan und Ante (Markesic, Co-Trainer der Eintracht) eines der besten Trainerteams in ganz Hessen und in der Regionalliga hat, das hört man auch immer wieder. Sie stellen die Mannschaft top ein, sie wissen genau, wie der Gegner aufläuft und wo die Schwachpunkte liegen. Und sie machen ihre Spieler besser. Das ist ein großes Plus.

von Stefan Weisbrod