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Lokalsport Noemi Ristau hat noch nicht genug
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11:00 17.03.2022
Noemi Ristau (hier beim paralympischen Slalomrennen) ist zufrieden mit ihrer Leistung bei den Spielen in Peking.
Noemi Ristau (hier beim paralympischen Slalomrennen) ist zufrieden mit ihrer Leistung bei den Spielen in Peking. Quelle: Christoph Soeder/DPA
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Marburg

Fünfte im Super-G, Neunte im Slalom, Zehnte im Riesenslalom – der ganz große Wurf ist der sehgeschädigten Skifahrerin Noemi Ristau jüngst bei den Paralympischen Winterspielen in Peking nicht gelungen, wollte sich die 30-jährige Marburgerin mit ihrer Guidin Paula Brenzel (Bad Hersfeld) bei ihrer zweiten Paralympics-Teilnahme doch unbedingt den ersehnten Medaillentraum erfüllen. Es hat nicht sollen sein – womit Ristau rückblickend jedoch keineswegs hadert. Im Gegenteil.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagt Ristau im Gespräch mit der OP. Diese Zufriedenheit kommt nicht von ungefähr, schließlich gilt es, die Begleitumstände zu berücksichtigen, die es Ristau schon in der Vorbereitung nicht leicht gemacht hatten und die es ihr auch in China nicht leicht machten. Wegen eines Kreuzbandrisses im Knie konnte sie seit Ende September vergangenen Jahres nur eingeschränkt trainieren, musste zur Stabilisierung des Gelenks mit einer Orthese fahren (die OP berichtete). In Peking habe ihr Knie nun „ganz schön herumgesponnen“, sagt Ristau.

Beim Aussteigen aus einem Taxi hatte sich die Para-Sportlerin bereits kurz vor dem letzten Trainingslehrgang ihr Knie verdreht, es schwoll daraufhin an. Dank physiotherapeutischer Behandlungen und leichtem Training auf dem Fahrradergometer gab der Mannschaftsarzt Ristau kurz vor der Abreise ins Reich der Mitte schließlich das Okay. Doch noch im Flieger „wurde das Knie richtig, richtig dick, sodass es vor Ort weiterbehandelt werden musste“, erzählt Ristau, die – im paralympischen Dorf angekommen – also wieder in die Pedale trat.

Kurzzeitig sei sogar eine Cortisonbehandlung erwogen worden. „Dafür hätte ich aber eine Ausnahmegenehmigung gebraucht“, sagt Ristau, die sich schließlich mit Kühlen und der Einnahme von Schmerzmitteln aushalf. „Vor diesem Hintergrund bin ich hochzufrieden mit meinem Abschneiden. Schließlich war es eine große Belastung fürs Knie“, sagt die Para-Sportlerin, die nicht nur ihr Wegrutschen und damit ihr Ausscheiden zum Auftakt in der Abfahrt auf die Verletzung zurückführte.

Wenn das Knie mitgemacht hätte

„Wenn das Knie in einem super Zustand gewesen wäre, hätte ich im Super-G locker eine Medaille geholt“, meint Ristau, der in dieser Disziplin in der Endabrechnung drei Sekunden zur Drittplatzierten Daqing Zhu aus China fehlten. Auch in der Super-Kombination hatte sich Ristau Medaillenhoffnungen gemacht – doch dort fuhr sie in ein Tor und zog sich Verletzungen an Schulter und Handgelenk zu, die sich nach einer Röntgen- und MRT-Untersuchung als Prellungen herausstellten. Dennoch fuhr sie danach noch den Riesenslalom und Slalom – jedoch ohne in Medaillennähe zu kommen.

Dennoch hadert Ristau nicht mit dem Erreichten. „Wir haben das Beste gegeben, das ging. Zumal Paula am Tag vor dem Slalom noch eine Erkältung bekommen hat und deshalb fast ein Ersatzguide einspringen musste. Vier Stunden nach dem zweiten Lauf bekam sie sogar noch Fieber, es war aber kein Corona“, erzählt Ristau.

Resultat als Anreiz weiterzumachen

Letztlich sieht die ambitionierte Skisportlerin ihre Resultate „vielleicht doch als Anreiz, noch mal vier Jahre weiterzumachen und in Cortina eine Medaille zu holen“, sagt Ristau schmunzelnd und wagt damit also schon einen vorsichtigen Blick auf 2026, wenn in den italienischen Städten Mailand und Cortina d’Ampezzo die nächsten Winter-Paralympics stattfinden.

Noch diese Woche unterzieht die gebürtige Großostheimerin ihr Knie einer MRT-Untersuchung. „Danach bespreche ich mich mit meinem Mannschaftsarzt, ob das Knie erneut operiert werden muss.“ Stand jetzt denke sie schon daran, bei den nächsten Spielen noch mal angreifen zu wollen – „aber grundsätzlich schauen wir von Saison zu Saison“, sagt Ristau.

Für dieses Jahr steht zunächst die Regeneration im Vordergrund, weitere Rennen planen Ristau und Brenzel nicht. Das nächste große Highlight ist die WM im schwedischen Åre im kommenden Jahr. „Dort sind wir auf jeden Fall dabei“, sagt Ristau. Den Ehrgeiz hat sie also nicht verloren – ganz im Gegenteil.

Von Marcello Di Cicco