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Lokalsport Noemi Ristau bleibt ohne Medaille
Sport Lokalsport Lokalsport Noemi Ristau bleibt ohne Medaille
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15:32 18.03.2018
Noemi Ristau belegte im Slalom den fünften Platz. Quelle: Jan Woitas
Pyeongchang

„Ich kann mit einem Lachen gehen", sagte Noemi Ristau unmittelbar nach dem Slalom. Auch wenn es bei ihrer paralympischen Premiere für die Skifahrerin der SF BG Marburg und SSG Blista nicht zu Edelmetall gereicht hat, überwog der Stolz. In fünf Rennen startete die 26-Jährige, die nur noch über ein Restsehvermögen von etwa zwei Prozent verfügt. Fünfmal kam Ristau, die erst vor drei Jahren zusammen mit ihrem Guide Gerkau mit dem Leistungssport angefangen hat, ins Ziel. Viermal war das Duo unter den besten Fünf.

Auf eine Medaille hatte Ristau beim Slalom insgeheim gehofft, ist der Torlauf doch ihre stärkste Disziplin, die sie am längsten fährt. „Über den Lauf bin ich nicht enttäuscht", erklärte Ristau im Ziel. „Klar war es meine allerletzte Chance. Aber es waren auch meine ersten Paralympics.“

Nach dem ersten Lauf lagen Ristau und Gerkau auf dem vierten Rang, mit 1,84 Sekunden Rückstand auf die drittplatzierte Britin Millie Knight. Eine Position, die den beiden eigentlich liegt, um noch einmal anzugreifen. Der Angriff war allerdings eher verhalten. Die Australierin Melissa Perrine, auf Platz fünf liegend, hatte eine gute Fahrt vorgelegt und die Marburger unter Druck gesetzt. Das schien Wirkung zu zeigen.

Im oberen Bereich verlieren Ristau/Gerkau Zeit

Mit einem motivierenden „Auf geht’s – hopp“ ging Lucien Gerkau zwar aus dem Starthäuschen auf die Piste. Doch schon zu Beginn des Laufs fand Ristau nicht in ihren Rhythmus, hatte Probleme im Steilhang. „Im zweiten Lauf waren wir oben schwach“, gestand Gerkau ein. „Der Kurs war sehr drehend und hart. Das haben wir so noch nicht trainiert.“

Im Ziel war Ristau zunächst auf Platz zwei zurückgefallen, 1,14 Sekunden hinter Perrine. Damit war klar: Mindestens zwei der drei oben stehenden Fahrerinnen hätten schwächeln oder ausscheiden müssen. Doch als die beiden Britinnen Knight und Menna Fitzpatrick im Ziel waren und beide sogar die Australierin verdrängt hatten, stand fest, dass Ristau ohne Medaille bleiben würde. Letztlich wurde es der fünfte Rang, weil auch Henrieta Farkasova ins Ziel kam. Die slowakische Dominatorin der Wettbewerbe der Sehbehinderten verpasste allerdings bei ihrem fünften Start ihre fünfte Goldmedaille. Ihren Vorsprung auf Fitzpatrick büßte sie mit einer zu vorsichtigen Fahrt ein. Mit 0,66 Sekunden Rückstand blieb Farkasova „nur“ Silber, Fitzpatrick jubelte über Gold.

Und Ristau? Die war nicht entttäuscht oder ließ sich die Enttäuschung zumindest nicht anmerken. Die 26-Jährige richtete den Blick sogleich nach vorne: „Da ist noch einiges zu holen in der Zukunft.“ Peking 2022 dürfte das nächste große Fernziel sein. Mit der Erfahrung von Pyeongchang ist dann vielleicht auch eine Medaille drin.

von Holger Schmidt