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Lokalsport Durch Staub und Matsch
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09:00 23.11.2019
Ein Rennen in der Enduro-Klasse dauert bis zu acht Stunden – bei jedem Wetter. Dabei kommt es  auf Geschwindigkeit und Geschicklichkeit an. Quelle: Peter Teichmann
Marburg

Rundenlängen von knapp 80 Kilometern. Eine Dauer von bis zu acht Stunden. Dazu noch eine Strecke, die von Überraschungen und Herausforderungen gespickt ist. Und jede kleine Unachtsamkeit kann das zuvor Erarbeitete zunichte machen: Endurofahrer werden in ihrem Rennalltag auf ­eine harte Probe gestellt.

Wie man diese Probe meistern kann zeigt der heimische Nachwuchsfahrer Noah Wenz. Kürzlich erst sicherte er sich einerseits im Rahmen der Deutschen Enduromeisterschaft den Titel in der E3-Klasse und andererseits klassenübergreifend den Titel in der B-Lizenz, der Klasse der Nachwuchsfahrer.

Doch damit nicht genug. Mit seinen Teamkollegen David Wagner (Wolfshausen) und Maximilian Wills (Waldkappel) gewann er zudem noch den Deutschen Mannschaftspokal für den ADAC Hessen-Thüringen, und auch beim „German Cross Country“ belegte er in der Sportfahrerklasse den ersten Rang.

Erstes Rennen mit neun Jahren gefahren

Die ersten Schritte zu diesen Erfolgen machte der 20-Jährige bereits im frühen Alter. „Motorrad fahre ich schon, seitdem ich vier Jahre alt bin. Das kam alles durch meine Eltern und meine Großeltern. Mit neun Jahren habe ich angefangen, Rennen zu fahren und seit dem Jahr 2017 bin ich im Enduro aktiv“, beschreibt er seinen sportlichen Werdegang.

Dem Wechsel lag insbesondere die Enduro-Vergangenheit seines Vaters zugrunde. „Ich wollte das schon immer mal machen“, berichtet Wenz. Enduro unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom üblichen Motocross: „Beim Motocross gibt es zwei Läufe à 20 oder 25 Minuten. In dieser Zeit muss man auch gegeneinander alles geben. Beim Enduro sitzt man acht Stunden auf dem Motorrad, von denen aber nur knapp eineinhalb Stunden mit vollen 100 Prozent gefahren wird“, erklärt Wenz.

Zudem werde in sogenannten Verbindungsetappen sowie zwei bis drei Sonderprüfungen gefahren, in denen die Fahrer auch gegen die Uhr arbeiten müssen. Dass der Endurosport vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhält, fällt ihm auf.

„Ich finde es schon sehr schade, denn der Sport ist sehr spannend und attraktiv. Zudem sind die Rennen öffentlich, die Zuschauer können problemlos zuschauen. Unser Verein bietet auch Kindertraining an“, sagt Wenz.

"Eine Mischung aus Geschwindigkeit und Geschicklichkeit"

Spätestens mit den vergangenen Erfolgen lässt er sein Potenzial aufblitzen. Dafür trainiert der Bürgelner zwei bis drei Tage in der Woche über eineinhalb Stunden. „Im Training sind zwar mehrere Fahrer unterwegs, wir trainieren aber für uns alleine und versuchen, so schnell wie möglich Zeiten auf den jeweiligen Strecken zu setzen“, schildert Wenz.

Während eines Rennens sitzt der Viessmann-Auszubildende auch mal knappe acht Stunden auf dem Motorrad. Worauf es dabei ankommt, weiß er genau: „Enduro ist eine Mischung aus Geschwindigkeit und Geschicklichkeit. Auch vorausschauendes Fahren ist wichtig, denn die Spur und die Strecke verändert sich mit der Zeit. Deshalb muss man mit Auge fahren.“

Weitere Aspekte müssen indes auch noch beachtet werden. „Körperliche Fitness ist sehr wichtig für den Sport. Zudem rauben acht Stunden Fahrt auch eine Menge Konzentration“, stellt Wenz fest. 

Er erinnert sich an seine ersten beiden Läufe zurück: „Die waren schon sehr hart. Mittlerweile weiß ich aber, was auf mich zukommt und bereite mich dementsprechend darauf vor“, berichtet der 20-Jährige.

Fahrer tragen hohes Maß an Eigenverantwortung

Durch seine Erfahrung hat er mittlerweile einen eigenen Ablauf vor dem Rennwochenende. „Wenn sonntags gefahren wird, kommen wir bereits am Freitag an. Samstags laufen wir den halben Tag die Strecke mit den Sonderprüfungen ab und bauen über die restliche Zeit die Zelte auf.“

Enduro-Fahrer tragen ein hohes Maß an Eigenverantwortung mit sich. „Bis auf Tanken darf vom Service keine Hilfe kommen. Die Fahrer sind ansonsten mit der Maschine auf sich allein gestellt und müssen das Motorrad zur Not selbst reparieren“, sagt der Bürgelner.

Dadurch, dass alles vor dem Rennen gut vorbereitet wird, würden außergewöhnliche Vorfälle wiederum „sehr selten“ vorkommen. Und das, obwohl „bei jedem Wetter gefahren wird“. Sowohl bei heftigen Regenfällen als auch bei brütender Hitze. „Wenn ich mich entscheiden müsste, fahre ich lieber bei Sonne und 40 Grad“, sagt er nach kurzer Überlegung.

Seit diesem Jahr fährt Noah Wenz für das Wills Racing Team auf einer Husqvarna. „Ich verstehe mich mit dem Teamchef sehr gut und dann haben wir dieses Jahr etwas ausgemacht“, sagt Wenz, der aber nach wie vor bei seinem Heimatverein, dem MSV Lahnberge, Mitglied ist und dort auch trainiert.

23 Rennläufe standen auf dem Programm

Der Schritt zum neuen Team hat sich direkt im ersten Jahr bezahlt gemacht, war aber auch mit viel Arbeit verbunden. „Ich habe Anfang Januar intensiv mit dem Training angefangen und es bis Ende Oktober hochgehalten“, erinnert sich Wenz.

Ganze 23 Rennläufe standen auf dem Programm, häufig auch an aufeinanderfolgenden Wochenenden. „Das ist schon ein strammes Programm, wenn man sonntagabends heim kommt und am Montag in die Berufsschule geht“, gesteht der junge Mann ein.

An den dritten Lauf der vergangenen Saison denkt er besonders gerne zurück. „Ich hatte den zweiten Lauf in Folge gewonnen und stand ganz vorne. Ich merkte, dass ich Deutscher Enduropokalsieger werden konnte und das gab mir noch mehr Ansporn“, sagt Wenz und lächelt.

Dieses Niveau hielt er bis zum Ende hoch – fünf von sechs Läufen entschied er letztlich für sich. „Ich hatte vor der Saison nicht damit gerechnet, so weit vorne zu stehen. Das wurde mir erst ab Mitte der Saison klar“, betont er.

Stellt sich nun noch die Frage, wie es für den vielversprechenden Fahrer in der Zukunft weitergehen soll. „Wohin es für mich geht, steht noch in den Sternen. Ich möchte auf jeden Fall an die Ergebnisse aus diesem Jahr anknüpfen“, hält Wenz sich noch etwas bedeckt.

von Yann Ruppersberg