Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Ein unerschütterlicher Krieger in der Defensive
Sport Lokalsport Lokalsport Ein unerschütterlicher Krieger in der Defensive
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 05.09.2021
Wenn es auf dem Spielfeld zur Sache geht, ist Marburgs Nico Koch (Nummer 61, hier im Spiel gegen die Allgäu Comets) meist nicht weit entfernt.
Wenn es auf dem Spielfeld zur Sache geht, ist Marburgs Nico Koch (Nummer 61, hier im Spiel gegen die Allgäu Comets) meist nicht weit entfernt. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Nico Koch gehört wahrlich nicht zu der Kategorie von Sportlern, die zu großen zeitlichen Aufwand scheuen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen – im Gegenteil: Fünf Stunden ist der 29-Jährige zweimal pro Woche unterwegs, um mit den Footballern der Marburg Mercenaries zu trainieren. Der Defense-Line-Spieler lebt und arbeitet in Paderborn, stammt gebürtig von dort und nimmt auf seinem Weg zum Training seine Teamkollegen Martin Aab, Odin Detroy, Matthias Koch und Joshua Engel mit.

Bereits 2018 spielte er erstmals beim Team aus der German Football League Süd, das an diesem Sonntag (16 Uhr) im letzten Heimspiel der Saison auf Frankfurt Universe trifft. „Schon da hatte ich eine sehr gute Saison mit Marburg“, erinnert sich der gelernte Schlosser, den es 2019 zu den Braunschweig Lions zog, wo er zusammen mit dem Marburger Quarterback Sonny Weishaupt den German Bowl gewann, also Deutscher Meister wurde.

Für ihn und das Team der Niedersachsen glich der Titel einer Genugtuung nach bitteren Niederlagen in den Jahren davor. „Alles war auf dieses eine Ziel ausgerichtet“, erzählt Koch, für den der sportliche Erfolg überschattet war von Verletzungen – nicht unüblich für Spieler aus der ersten Verteidigungslinie. Bandscheibenvorfall, Risse des vierten und fünften Lendenwirbels, Syndesmosebandverletzung – all dies hielt die GFL-Saison mit den Lions für Koch bereit. Unterkriegen ließ er sich von all dem jedoch nicht.

In der Corona-Saison 2020 absolvierte der 29-Jährige zwei Testspiele bei seinem Heimatverein, den Paderborn Dolphins, bei denen er aktuell D-Line-Coach und Jugendkoordinator ist, zur Spielzeit 2021 kehrte er an die Lahn zurück – auch dank reger Kontakte zu Weishaupt, Sportdirektor Michael Dalkowski und Ruben De Ruyter, der – wie Kochs Vater – Belgier ist. „Man kennt sich eben“, sagt Koch. Und man schätzt sich. Als „Krieger“ bezeichnete Michael Dalkowski den D-Liner kürzlich gegenüber der OP – nicht ohne Grund. Denn auf Koch ist nicht nur Verlass, er steckt einiges weg. Bereits im Saisonauftaktspiel gegen die Allgäu Comets zog er sich einen Außenbandriss im Sprunggelenk zu und spielte auch trotz Kniebeschwerden in der Folge weiter – und er stellte sogar einen neuen persönlichen Rekord auf: 21 Tackles in 14 Spielen war seine bisherige Bestmarke, in den bisherigen neun Partien brachte der Paderborner bereits 26 Ballträger zu Boden.

Nico Koch (Mercenaries) Quelle: Thorsten Richter

Solche Statistiken sind für die Marburger keineswegs selbstverständlich, schließlich musste sich auch die Defensive nach sieben Niederlagen in neun Spielen Kritik gefallen lassen. Koch gibt aber zu bedenken: „Wir hatten aus Defense-Sicht keine großen Probleme, waren allerdings immer wieder von Verletzungen gebeutelt“, sagt Koch und nennt exemplarisch den Ausfall von Defensive Back De Ruyter. „Wenn man diesem Umstand etwas Gutes abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass so immer wieder viele junge Spieler reingeschmissen wurden, die Erfahrung gesammelt und ihre ersten Schritte gemacht haben“, meint Koch, der durch seine jüngere Schwester zum American Football kam. Sie war Cheerleaderin, er bis zu seinem 16. Lebensjahr Fußballer. Als sich zwei Vereine nicht über eines Wechsels Kochs einigen konnten, wurde er ein halbes Jahr gesperrt – genug Zeit, um sich nach etwas Neuem umzuschauen.

13 Jahre später hat sich der D-Liner komplett Beruf und Sport verschrieben. Fast jede freie Minute verbringt er beim Football – oder im Kraftraum, den sich Koch zu Hause eingerichtet hat, um sich das Rüstzeug für die Duelle auf dem Spielfeld zu holen. Eine Einstellung, die auch Headcoach Joe Tricario am 29-Jährigen sehr schätzt.

Eigentlich hatte sich Koch das Erreichen der Playoffs mit den Mercenaries auf die Fahnen geschrieben. Daraus wurde jedoch nichts. Nun will er gegen den Tabellenletzten der Südgruppe wenigstens den ersten Heimsieg einfahren. „Nach diesem Spiel steht eine lange Pause an, deshalb werden wir noch mal Vollgas geben“, verspricht Koch. Halbe Sachen zu machen, ist ohnehin nicht sein Ding.

German Football League Süd: Stuttgart Scorpions – Schwäbisch Hall Unicorns, Munich Cowboys – Allgäu Comets (beide Sa., 17 Uhr), Saarland Hurricanes – Ravensburg Razorbacks (So., 15 Uhr), Marburg Mercenaries – Frankfurt Universe (So., 16 Uhr).

Von Marcello Di Cicco