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17:59 12.08.2020
Versbachtals Christopher Horst (rechts) kämpft in einem Spiel in der Vorsaison gegen Hartenrods Tobias Weil um den Ball. Die Spielgemeinschaft aus Altenvers und Weipoltshausen ist eine der Marburger „Leihgaben“ in den Biedenkopfer Kreisligen. Archivfoto: Michael Hoffsteter
Versbachtals Christopher Horst (rechts) kämpft in einem Spiel in der Vorsaison gegen Hartenrods Tobias Weil um den Ball. Die Spielgemeinschaft aus Altenvers und Weipoltshausen ist eine der Marburger „Leihgaben“ in den Biedenkopfer Kreisligen. Quelle: Michael Hoffsteter/Archiv
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Biedenkopf

Seit rund anderthalb Wochen ist Diether Achenbach im Amt. Der 59-Jährige hat die Nachfolge von Heinz Schmidt als Biedenkopfer Kreisfußballwart übernommen (die OP berichtete).

Zunächst hofft er mit Blick auf die Corona-Situation, dass die Amateurfußball-Saison 2020/2021 wie geplant durchgezogen werden kann. Er blickt aber auch weiter voraus und spricht über ...

... die Eigenständigkeit des Fußballkreises Biedenkopf: Aus Sicht des Wiesenbachers sollte diese weiterhin das Ziel sein, denn: „Wir sind ein kleiner, dafür aber feiner Fußballkreis“, nutzt er ein Zitat seines Vorgängers und meint damit: Solange die Strukturen aufrecht erhalten werden können, etwa die relevanten Positionen im Kreisausschuss besetzt werden können, sei es für die Vereine von Vorteil, Ansprechpartner möglichst nah bei sich zu haben. Es gebe daher keine eigenen Bestrebungen für einen Zusammenschluss mit einem anderen Fußballkreis.

Überhaupt müssten Überlegungen für Fusionen von Fußballkreisen vom Hessischen Fußball-Verband (HFV) ausgehen, dazu nehme er aktuell aber „keine Zeichen“ wahr, sagt der neue Kreisfußballwart. In der Vergangenheit war mehrfach die Diskussion aufgekommen, ob die Fußballkreise Marburg und Biedenkopf zusammengeschlossen werden sollten.

Diether Achenbach ist neuer Biedenkopfer Kreisfußballwart. Quelle: Sascha Valentin

... die Aufrechterhaltung eines eigenständigen Spielbetriebs im Seniorenbereich: Die Kreisliga A Biedenkopf ist mit 16 Mannschaften ordentlich bestückt, in der Kreisliga B ist es mit 13 Teams bereits knapper. Unter diesen 29 Mannschaften sind fünf „Leihgaben“ aus dem Nachbarkreis Marburg: SG Versbachtal in der A-Liga, VfB Lohra und FSV Sterzhausen sowie die zweiten Mannschaften des TSV Michelbach und der SG Lahnfels in der B-Liga.

Er sei dankbar, sagt Achenbach, dass der Marburger Kreisfußballwart Peter Schmidt nicht nur angekündigt habe, nach eigenen Möglichkeiten zu helfen, sondern dies auch umgesetzt worden sei. „Wir profitieren von den Gastvereinen“, sagt er, meint aber auch, dass „sie sich bei uns bestimmt wohlfühlen“. Für die Zukunft wünscht sich Achenbach, „dass das Spielgeschehen mehr auf Ebene der Region Gießen/Marburg betrachtet wird“, sprich: den Zuschnitt von Ligen weniger an Kreisgrenzen festzumachen. „Wir hoffen dabei auf die Kooperationsbereitschaft unserer Nachbarn.“

... die Reservespielklasse der Kreisliga A: Gerade einmal in drei Fußballkreisen – Wiesbaden, Büdingen und eben Biedenkopf – gab es in der vergangenen Spielzeit noch eine Reservespielklasse für die zweiten Mannschaften der A-Ligisten, in der diese sich außer Konkurrenz begegneten. Auch in der neuen Saison halten die Verantwortlichen des Kreises Biedenkopf daran fest. „Natürlich kann man darüber streiten, ob das der richtige Weg ist. Wir sind dieser Meinung und deshalb erst mal dabei geblieben, dass die Reserven nicht in Konkurrenz spielen“, sagt Achenbach.

Insgesamt umfasst diese Klasse laut der Vereinsmeldungen 15 Mannschaften. „Wenn wir alle zu B-Ligisten machen würden, hätten wir auch ohne die Marburger Teams zu viele für eine Staffel. Für zwei Gruppen wäre es sehr knapp. Und wenn wir eine C-Liga mit diesen Mannschaften neu schaffen, hätte es für die B-Liga auch erst einmal keinen Vorteil“, begründet er die aktuelle Entscheidung und ergänzt: „Vielleicht ist die Einschätzung im nächsten Jahr eine andere.“

Einwurf von Marcello Di Cicco

Der Blick über den Tellerrand

Das Verhältnis der Fußballkreise Marburg und Biedenkopf war in vergangenen Jahren nicht immer das beste – vor allem, weil Diskussionen um eine Fusion beider Kreise den Funktionären im Hinterland bitter aufstießen. In Diether Achenbach bemüht sich der neue Fußball-Chef der Biedenkopfer um ein gutes Verhältnis.

Artig dankte er seinem Amtskollegen Peter Schmidt jüngst beim Kreisfußballtag, dass die Marburger Teams ins Hinterland „verleihen“, um dort die Ligen aufzufüllen. Auch wenn für Achenbach eine Zusammenlegung beider Kreise kein Thema ist, so hat er recht, wenn er sagt, dass Kreisgrenzen künftig nicht darüber entscheiden dürfen, wer in welcher Liga spielt.

Nicht nur im Jugendbereich, sondern auch bei den Senioren helfen sich Kreise durch Abstellen von Teams schon seit Jahren aus, um Spielklasse aufrechtzuerhalten. Das funktioniert aber nur so lange, wie es noch abstellfähige Kreise gibt – im ländlichen Raum keineswegs selbstverständlich. Für die kleineren Fußballkreise heißt es deshalb: Lösungen suchen. Und den Mut haben, innovativ zu sein. Einzig an Bewährtem festzuhalten, ist selten die Lösung.

Von Stefan Weisbrod