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Lokalsport Neue Plattform soll Amateuren und Vereinen helfen
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11:00 30.03.2021
Calvin Weide (links, im Laufduell gegen Michelbachs Ezoua Stephane Kouame) wechselte 2020 vom FC Ederbergland zum VfB Wetter – dafür brauchte kein Kontakt über eine Online-Plattform hergestellt werden. Eine solche könnte aber genutzt werden, wenn Fußballer in die Region ziehen und einen Verein suchen.
Calvin Weide (links, im Laufduell gegen Michelbachs Ezoua Stephane Kouame) wechselte 2020 vom FC Ederbergland zum VfB Wetter – dafür brauchte kein Kontakt über eine Online-Plattform hergestellt werden. Eine solche könnte aber genutzt werden, wenn Fußballer in die Region ziehen und einen Verein suchen. Quelle: Thorsten Richter
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Gesperrte Sportplätze und Spielverbot haben Yannik Jaeschke nicht aufgehalten. Als der Sport vor rund einem Jahr Corona-bedingt erstmals komplett ruhte, nutzten der Regionalliga-Spieler und drei Kollegen die Zeit, um ihr ganz eigenes Fußball-Projekt voranzutreiben. Die Plattform „Poacher“ soll Spielern und Clubs abseits des millionenschweren Profi-Transfermarktes helfen, zueinanderzufinden. Vereine suchen, Kontakte knüpfen, Fußballspielen: So könnte man das Motto beschreiben. „Es soll ein bisschen funktionieren, wie man es bei Social Media kennt“, sagt Jaeschke. „Beispielsweise wie Facebook nur auf Fußball gemünzt.“

Die Idee ist recht simple: Fußballer legen sich ein Profil an, laden Bilder und Videos hoch, listen ihre Stärken und bisherigen Clubs auf. Vereine können dann gezielt nach Spielern auf bestimmten Positionen und mit bestimmten Fähigkeiten suchen. Das Angebot richtet sich an Fußballer von der Kreisklasse bis zur vierten Liga. Die Basisvariante ist kostenlos, eine Premium-Version gibt es für Spieler ab etwa vier Euro monatlich.

Die Grundidee stammt vom Mitgründer und Viertliga-erfahrenen Noél Below. Dem 27-Jährigen habe bei der Vereinssuche eine Anlaufstelle gefehlt, erzählt Jaeschke. Auf der anderen Seite wüssten Amateurvereine mangels Zeit und einer Scoutingabteilung oft nicht, welche Spieler überhaupt verfügbar seien. Ist „Poacher“, was übersetzt unter anderem „Wilderer“ bedeutet, also eine Win-win-Situation?

Trainer Drescher: „Könnte die Arbeit etwas erleichtern“

Clemens Drescher, gemeinsam mit Steffen Schäfer Trainer und Sportlicher Leiter beim VfB Wetter, könnte sich einen Einsatz einer solchen Plattform durchaus vorstellen – gerade wenn es um Spieler geht, die in der Region nicht bekannt sind. „Wenn jemand herzieht, egal ob zum Studieren oder aus anderen Gründen, kann so was sicherlich beiden Seiten helfen, zusammenzufinden“, sagt Drescher im Gespräch mit der OP. „Es könnte die Arbeit etwas erleichtern, zumindest in Einzelfällen.“ Wichtiger, ist der Coach des Gruppenligisten überzeugt, würden Kontakte und Scouting auch in unteren Klassen bleiben – „gerade für Vereine wie unseren, die nicht über größere finanzielle Mittel verfügen“.

Hendrik Weydandt kann sich in die Situation vieler Amateurfußballer hineinversetzen – auch wenn er längst Profi ist. Anders als heutzutage häufig üblich, nahm die Karriere des Mittelstürmers von Zweitligist Hannover 96 nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum eines großen Clubs Fahrt auf, sondern in kleineren Vereinen der Region. „Ich finde, dass es mit Poacher deutlich erleichtert wird, Kontakt aufzunehmen und vielleicht auch Situationen zu schaffen, die sonst nie zustande gekommen wären“, sagt der 25-Jährige. Er unterstützt die Plattform und hätte sich eine solche nach eigenen Angaben auch zu seiner Zeit als Amateurfußballer gewünscht, sagt er.

DFB sieht Namen der Plattform „sehr kritisch“

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist mit einer Bewertung des Projekts vorsichtig. Der Ansatz sei spannend heißt es auf Anfrage. Ob „Poacher“ gerade auch den Großteil der Amateurfußballer und -fußballerinnen auf Kreisebene erreicht, müsse sich jedoch noch zeigen. „Sehr kritisch sehen wir die Namensgebung der App“, äußert der Dachverband zudem. „Wilderer und Wildern entsprechen nicht der Auffassung des DFB und seiner Mitgliedsverbände vom Amateurfußball, ganz im Gegenteil. Sollte es bedeuten, dass die Plattform in erster Linie den „Marktwert“ von Amateurfußballerinnen und Amateurfußballern steigern soll, wäre dies für den Amateurfußball weder förderlich noch zielführend.“

Im Dezember ist die Plattform fertig geworden – „vorläufig“, wie Jaeschke betont. Nach Angaben des 27-Jährigen vom TSV Havelse haben sich in der Startphase rund 250 Vereine und 750 Spieler registriert – noch sehr wenige in Anbetracht von fast 25 000 Fußballclubs mit etwa 170 000 Mannschaften und rund drei Millionen Aktiven in Deutschland. Wie so viele Sportler hofft auch Jaeschke, dass in den unterklassigen Ligen in wenigen Monaten wieder gespielt wird, denn auch „Poacher“ leide unter der Krise: „Uns fehlt natürlich Mundpropaganda, der Austausch in der Kabine.“

Von Thomas Esser und Stefan Weisbrod