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Lokalsport Erst zum Arzt, dann in die Halle
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18:59 12.09.2020
Ungewohntes Terrain: Megan Mullings vor ihrem Belastungs-EKG auf dem Ergometer. Quelle: Leonie Rink
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Biedenkopf

Wie ist das, wenn neue Spielerinnen zum BC Marburg kommen? Die OP war beim Medizincheck zweier Neuzugänge dabei: Rachel Arthur und Megan Mullings.

Das Thermometer zeigt mehr als 20 Grad – und trotzdem betritt Megan Mullings, Neuzugang des Marburger Frauenbasketball-Bundesligisten Blue Dolphins, die Arztpraxis in einer Daunenjacke.

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Darauf angesprochen erklärt sie lachend: „Ich komme aus Arizona, deshalb finde ich es in Deutschland jetzt schon kalt.“ Die 27-Jährige ist am 3. September am Flughafen angekommen und musste daher die Zeit bis zum Ergebnis des Corona-Tests zunächst einmal in Quarantäne. Der zweite Neuzugang, Rachel Arthur, wechselte vom USC Heidelberg an die Lahn.

Nach kurzer Einweisung durch Professor Dr. Axel Hegele vom Urologischen Zentrum Mittelhessen folgt ein Urin-Test und ein Ultraschall der Nieren. „Das ist total verrückt zu sehen, wie die eigene Niere aussieht und wie sie sich anhört“, sagt Arthur während der Untersuchung.

„Alles wird gut werden“

Nach dem zweiten bestandenen Test des Tages trinkt Mullings einen Kaffee im Wartezimmer und summt dabei ein Lied: „It’s Gonna Be Alright“ von Regi und Lester Williams. „Das Lied lief heute morgen in der Praxis und seitdem bekomme ich es nicht mehr aus dem Kopf“, sagt Mullings.

Nach der zehnminütigen urologischen Untersuchung geht es für die beiden Basketballerinnen zum internistischen Check. Auf dem Weg in die zweite Praxis – eine Türe weiter – erklärt Dr. Alexander Sattler vom internistischen Zentrum Mittelhessen die Untersuchungen des Herzens und der Lunge.

In der ersten Untersuchung wird das Lungenvolumen der Spielerinnen untersucht. Dabei müssen sich die Spielerinnen in eine Kabine setzen. Darin hängt ein Rohr, in das ein- und ausgeatmet wird. Dazu wird die Nase mit einer Nasenklammer zugehalten, damit die Luft nicht durch die Nase entweicht. Im Raum vermischen sich die Geräusche von vorbeifahrenden Autos und dem Piepen der Geräte. „Es ist ein merkwürdiges Gefühl, so lange ausatmen zu müssen. Vor allem weil man nicht durch die Nase Luft holen kann. Das macht alles noch komischer“, berichtet Mullings.

Rachel Arthur in der Kabine zur Lungenvolumen-Messung. Foto: Leonie Rink

Zum Schluss wird noch das Herz untersucht. In einer ersten Untersuchung macht Sattler einen Ultraschall des Herzens. Die Stille des Moments wird durch ein Geräusch gestört, das vergleichbar ist mit dem, das entsteht, wenn eine halb gefüllte Wasserflasche geschüttelt wird. „Und das ist das Geräusch des Herzens“, erklärt Sattler.

In der letzten Untersuchung sitzen die beiden US-Amerikanerinnen auf einem Ergometer und müssen Fahrrad fahren, um die Aktivität des Herzens zu testen. Die Begeisterung dafür hält sich im Vorfeld in Grenzen. „Das letzte Mal bin ich Fahrrad in der High School gefahren. Ich hoffe, ich habe das nicht verlernt“, sagt die 26-jährige Arthur.

Doch die anfängliche Angst ist unbegründet: ruhig und gleichmäßig tritt Arthur in die Pedale, bis Sattler den Test für beendet erklärt. Nach zweieinhalb Stunden haben die Basketballerinnen ihre Medizin-Checks bestanden.

Ärzte haben Affinität zum Club

Die medizinische Untersuchung sei in den vorherigen Teams der Spielerinnen nicht so umfangreich gewesen. Aber Mullings findet das nicht schlimm. „Es war ganz interessant, mal meine Niere zu sehen. Ich denke auch, dass Marburg seine Gründe hat, wieso alles getestet wird. Nach den vielen Verletzungen in der vergangenen Saison ist das wahrscheinlich sogar ein logischer Schritt“, resümiert Mullings. Die Ärzte sind sich einig: Es ist alles in Ordnung!

Die Kosten für die medizinische Untersuchung muss der Club eigentlich selbst tragen. Aufgrund der „BC-Affinität“ machen Professor Dr. Axel Sattler, Dr. Gerrit Bonacker und Dr. Alexander Sattler die Untersuchungen jedoch kostenlos. Auch vorherige Verletzungen oder Krankheiten liegen den Ärzten nicht vor, sondern werden im Gespräch erfragt. Der Verein gibt – zumindest im Fall der Blue Dolphins – nicht vor, was untersucht werden muss. Nur bei deutschen Nationalspielern wird vom Verband ein Untersuchungsumfang vorgegeben.

Von Leonie Rink

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