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Lokalsport Ein unbekannter Sport in Neustadt
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14:59 27.10.2021
Reiterinnen und Reiter des Reit- und Fahrvereins Mengsberg sowie Reitvereins Marburg-Marbach bilden die Raccoons Neustadt, ein Team für Mounted Games.
Reiterinnen und Reiter des Reit- und Fahrvereins Mengsberg sowie Reitvereins Marburg-Marbach bilden die Raccoons Neustadt, ein Team für Mounted Games. Quelle: Privatfoto
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Neustadt

Musik tönt aus einer Box neben der Weide. Junge Reiterinnen und Reiter galoppieren mit ihren Ponys eine Linie entlang, werfen einen Tennisball in ein Netz am Ende und heben dann im Reiten einen weiteren Tennisball von einem Hüttchen auf, der an den nächsten Reiter übergeben wird.

Der Sport, den die zwischen zehn- und vierzehnjährigen ausüben, nennt sich ,Mounted Games’. Dazu taten sich Reiterinnen und Reiter des Reit- und Fahrvereins Mengsberg sowie des Reitvereins Marburg-Marbach zusammen. „Wir haben kein festes Mounted-Games-Training im Verein, sondern trainieren es am Wochenende“, sagt die 14-jährige Maya, die mit zwei weiteren Reitern dem Reitverein Marburg-Marbach angehört. Die andere Hälfte der sechs Reiterinnen und Reiter gehört dem Reit- und Fahrverein Mengsberg an. Sollte sich das Team namens Raccoons Neustadt (also Waschbären Neustadt) entschließen, an Wettkämpfen teilzunehmen, müssen beide Reitvereine Mitglied des Verbands für Reiterspiele Mounted Games Deutschland werden.

Aber was muss man mitbringen, um den Sport ausüben zu können? „Zwischen acht und zehn Jahren sollte das Kind alt sein und frei reiten können. Das bedeutet, dass die drei Gangarten beim Reiten beherrscht werden müssen“, erklärt der Sprecher des Teams, Martin Holland-Letz. Noch wichtiger sei es aber, dass die Reiterin oder der Reiter Spaß am Sport habe. Vor 15 Monaten haben die Raccoons Neustadt angefangen zu trainieren. „Dabei hatten wir aber aufgrund der Corona-Pandemie einige Unterbrechungen. Der ursprüngliche Plan war es, bereits in diesem Jahr an Wettkämpfen teilzunehmen“, sagt Holland-Letz, deren Ziel es nun ist, den Sport im Landkreis und in Hessen bekannter zu machen.

Beim Training werden die Kleinpferde auch an neue Geräusche, wie das Aufheben von Dosen, gewöhnt. Zudem lernen die Tiere, wann sie anhalten müssen, damit die Reiterin oder der Reiter etwas in einen Behälter legen oder einen Gegenstand aufheben kann. „Wir wollen außerdem zeigen, dass das ein exotischer Sport ist und auch Ponys echte Sportskanonen sind“, sagt Holland-Letz, während ein Schimmel an ihm vorbei galoppiert.

Was sind Mounted Games?

Mounted Games wird auf einer Grasfläche ausgetragen, die größer ist als ein Fußballfeld. Die Flächen werden für jedes der fünf startenden Mannschaften in Bahnen eingeteilt, auf denen die Spiele stattfinden. Die vier Reiterinnen und Reiter einer Mannschaft müssen zeitgleich mit den anderen Teams ihre Spiele austragen. Geritten wird auf Kleinpferden, die ungefähr 1,50 Meter groß sind. Wichtig sind für die Spiele, dass die Schnelligkeit und die Athletik der Reiterin und des Reiters stimmen, sowie das Zusammenspiel von Pferd und Mensch. Dabei sind sowohl Gerte als auch Sporen verboten. Zudem führt jedes unsportliche Verhalten der Reiterin oder des Reiters gegenüber dem Pferd zu einem Ausschluss des gesamten Teams.

Das Ziel der Mounted Games ist es, möglichst schnell und fehlerfrei die Aufgaben zu meistern. Dabei gibt es insgesamt 20 Spiele, die ausgetragen werden können. Sollte dabei ein Fehler passieren, muss der Fehler von der Reiterin oder dem Reiter selbst korrigiert werden. Bei den Mounted Games gibt es vier Altersklassen: die U 14, die U 16 und die U 18. Ab einem Alter von 18 Jahren muss die Reiterin oder der Reiter in der offenen Klasse bei den Spielen an den Start gehen.  

Von Leonie Rink