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19:58 17.09.2021
Erik Sindermann nimmt in seinem Rallyefahrzeug die Kurve.
Erik Sindermann nimmt in seinem Rallyefahrzeug die Kurve. Quelle: Privatfoto
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Wallau

Was für andere Sportlerinnen und Sportler normal ist, bedeutet für Erik Sindermann schon mal einen großen Aufwand. Nein, als Rallyefahrer einem geregelten Trainingsbetrieb nachzugehen, ist nahezu unmöglich. „Tatsächlich werde ich häufiger gefragt, wie ich überhaupt trainiere“, gesteht der 48-Jährige aus Wallau im Gespräch mit der OP.

Manchmal, so erklärt Sindermann, fährt er zu Vorbereitungszwecken mit Beifahrer oder Beifahrerin eine bestimmte Strecke ab, sagt dabei an, welche Notizen sich die Begleitperson für ihn im sogenannten „Gebetbuch“ machen muss. Dann fährt Sindermann die Strecke erneut ab, lässt sich die zuvor bei der Erkundungsfahrt protokollierten Aufzeichnungen – etwa über Geschwindigkeit und Kurvenradius – geben, um zu überprüfen, ob sie wirklich passen könnten, wenn es später zur Sache geht. Gerade diese Art des Teamwork ist es, was Sindermann so begeistert am Rallyesport.

Wichtig ist der Beifahrer

„Man muss sich blind aufeinander verlassen können. Ohne einen guten Beifahrer bist du aufgeschmissen. Er sagt dir die Strecke an – etwa ob eine Kurve mit vollem Tempo gefahren wird“, erklärt der vierfache Familienvater, der am Samstag (18. September) wieder mit seinem 275-PS-starken Renault Megane RS für den MSC Holzhausen dabei ist, wenn zig Fahrzeuge bei der Rallye Hinterland an den Start gehen (siehe Infobox).

Los geht’s am Samstag ab 13 Uhr

Auf eine mehr als 40-jährige Tradition blickt die Rallye Hinterland zurück. In der aktuellen Form steigt die Motorsportveranstaltung an diesem Samstag zum neunten Mal. Knapp 450 Helfer, davon allein 150 Streckenposten, sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Rallye, die seit 2015 vom MSC Holzhausen und dem MSC Salzbödetal als Veranstaltergemeinschaft ausgerichtet wird.

In der Gemeinde Dautphetal befindet sich auch in diesem Jahr wieder das Rallyezentrum. Vor der Hinterlandhalle erfolgt um 13.01 Uhr der Start des ersten von rund 110 Fahrzeugen. Von dort werden vier Strecken, die je zweimal zu befahren sind, angesteuert. Die Zielankunft des ersten Rallyeautos ist für 19.15 Uhr vorgesehen.

Wegen der aktuellen Corona-Verordnung weist die Veranstaltergemeinschaft keine Zuschauerplätze aus. Der dafür zu betreibende Aufwand sei angesichts der Infektionsschutzauflagen schlichtweg nicht leistbar, begründete Rallyeleiter Tim Scheckel jüngst gegenüber der OP.

Seinen Anfang nahm alles vor etwas mehr als 30 Jahren: Sein zwei Jahre älterer Bruder Stefan, gelernter Kfz-Mechaniker, half einem Bekannten bei einer Rallye in Melsungen bei technischen Problemen. 1991 fuhr Erik Sindermann erstmals als Beifahrer bei seinem Bruder bei einer Rallye mit. Bereits ein Jahr später saß er erstmals selbst hinter dem Steuer. „Die Leidenschaft für den Motorsport war bei mir schon immer vorhanden“, sagt Erik Sindermann. Kein Wunder, schließlich hatte sein Vater ein Renault-Autohaus in Breidenstein, die Söhne übernahmen es 2005.

„Es begann alles damit, dass wir uns mit einfachsten Mitteln ein Fahrzeug beschafft haben“, erinnert sich Sindermann. Es war ein Auto mit Motorschaden, das sie in Eigenleistung reparierten. Am Ende stand ein fertiges Rallyeauto für kleines Geld, knapp 3.000 D-Mark, heute wäre dies undenkbar. Sein Bruder hörte bereits Anfang der 2000er-Jahre mit dem Rallyesport auf, doch Erik Sindermann blieb bei der Stange, fuhr mal mit seiner Ehefrau als Beifahrerin, seit 2013 mit Matthias Pätzold.

Hinterland-Rallye Quelle: Privatfotos

Für Sindermann und Pätzold ist die Rallye Hinterland das erste Rennen des Jahres, im vergangenen Jahr fiel das Event, zu deren Sponsoren er auch gehört, der Pandemie zum Opfer. Einmal schaffte es Sindermann schon auf Rang zwei im Gesamtklassement, einmal wurde er Gesamtdritter. Und dieses Jahr?

„Mit einem Platz unter den Top 15 in meiner Klasse wäre ich schon zufrieden. Den Gesamtsieg zu holen, ist schwer, weil viele mit Allrad-Fahrzeugen antreten“, erklärt der gelernte Bürokaufmann, der sich mit knapp 80 anderen Konkurrenten messen wird. Vier Sonderprüfungen, die je zweimal gefahren werden müssen, also insgesamt acht Wertungsprüfungen, stehen für den Lokalmatador auf dem Programm. Nervenkitzel ist in jedem Fall programmiert.

Die Verkehrsbehinderungen

In der Gemeinde Dautphetal befindet sich auch in diesem Jahr wieder das Rallyezentrum. Vor der Hinterlandhalle erfolgt um 13.01 Uhr der Start. Die Zielankunft des ersten Rallyeautos ist für 19.15 Uhr vorgesehen.

In der Gemeinde Dautphetal befindet sich eine Wertungsprüfung, die rund 5,7 Kilometer lang ist. Der Start befindet sich am Ortsrand von Herzhausen. Die Strecke endet nördlich von Holzhausen. Zwischen 12 und 20 Uhr sind deshalb die Kreisstraße 74 zwischen Holzhausen und der Amelose sowie der Verbindungsweg zwischen Herzhausen und Holzhausen voll gesperrt.

In der Gemeinde Breidenbach befindet sich eine weitere Wertungsprüfung, dessen Start sich südlich Ortsrand von Wiesenbach befindet. Die Rallyefahrzeuge verlassen die abgesperrte Wertungsprüfung über das Gewerbegebiet in Breidenbach. Der Verbindungsweg zwischen Wiesenbach und Kleingladenbach ist von 12.30 bis 20.30 Uhr voll gesperrt.

In der Gemeinde Bad Endbach befindet eine Wertungsprüfung, dessen Start in Hartenrod erfolgt. Das Ziel befindet sich nördlich von Bad Endbach. Die Landesstraße zwischen Bottenhorn und Wommelshausen ist zwischen 13 und 21 Uhr voll gesperrt. In dieser Zeit sind auch die Verbindungswege Schlierbach/Botenhorn, Wommelshausen/Schlierbach und Bad Endbach/Wommelshausen nicht befahrbar.

In der Gemeinde Lohra und auf dem Gebiet der Stadt Gladenbach befindet sich weitere Wertungsprüfungen, die über die Kreisstraße 51 von Rodenhausen nach Erdhausen führen. Wegen der Rallye ist diese Strecke zwischen 14 und 22 Uhr voll gesperrt.

Von Marcello Di Cicco