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Funktionäre plädieren für Annullierung der Saison
Funktionäre plädieren für Annullierung der Saison
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11:53 11.03.2021
Schönstadts Leonard Raishtaj (vorne) und Cappels Niklas Hönemann kämpfen um den Ball. Ob noch im Frühjahr in der Kreisliga A Marburg wieder der Ball rollt, ist derzeit fraglich.
Schönstadts Leonard Raishtaj (vorne) und Cappels Niklas Hönemann kämpfen um den Ball. Ob noch im Frühjahr in der Kreisliga A Marburg wieder der Ball rollt, ist derzeit fraglich. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Fällt am Donnerstagabend, 11. März, bei der HFV-Vorstandssitzung eine Entscheidung über den Abbruch der Saison im hessischen Amateurfußball?

Möglich ist es, aber ebenso, dass die Verbands- und Kreisfußwarte sowie die Regionalbeauftragten des Hessischen Fußball-Verbands darüber erst in zwei Wochen oder noch später abstimmen. Wie das Ergebnis dann aussieht – egal, ob heute, Ende März oder zu einem anderen Zeitpunkt entschieden wird –, zeichnet sich immer mehr ab: Abbruch und Annullierung.

Dafür spricht sich auch Peter Schmidt aus. Der Marburger Kreisfußballwart hält es für die „beste Lösung“, die Saison nicht zu werten, denn: „Wenn noch nicht einmal die Hinrunde komplett ist, reicht die Aussagekraft der Tabelle nicht, um damit Auf- und Absteiger zu ermitteln. Das ist der Unterschied zur Vorsaison.“

Auch vor einem Jahr wurde die Spielzeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht zu Ende gebracht, damals hatte aber die Rückrunde bereits begonnen – mittels Quotientenregelung (durchschnittliche Punktzahl pro gewertetem Spiel) wurden Abschlusstabellen erstellt. Es gab zwar Auf-, aber keine Absteiger. Kommt es, wie von Schmidt favorisiert, „würde die Liga-Saison komplett gestrichen, als hätte sie nie stattgefunden“ – so formuliert es der Bauerbacher.

Weichen für die nächste Saison

Dies wäre eine Entscheidung, mit der laut dem Biedenkopfer Kreisfußballwart Diether Achenbach auch sehr viele Hinterländer Vereine leben könnten. „Die Rückmeldung aus unseren Vereinen ist ziemlich eindeutig – und zwar dahingehend, die Spielrunde zu annullieren“, sagt Achenbach, der klarmacht: „Ich würde diesen Schritt auch begrüßen.“

Allerdings glaubt er nicht, dass es an diesem Donnerstag schon eine Entscheidung geben wird – „was ich etwas bedauere, weil die Vereine eine Marschrichtung haben wollen, wie es weitergeht. Zum jetzigen Zeitpunkt werden schon die Weichen für die kommende Saison gestellt“, gibt Achenbach zu bedenken.

Mit der neuen Spielzeit würden die Teams weitgehend in den Klassen wieder beginnen, in denen sie auch in der dann annullierten Saison 2020/2021 gestartet sind. Ausnahmen könnte es bei Rückzügen geben, außerdem in der Hessenliga durch Absteiger aus der beziehungsweise möglicherweise einen Aufsteiger in die Regionalliga Südwest (siehe Infobox).

Wunsch: Nächste Saison früher beginnen

Aus Sicht von Schmidt ist es denkbar, in den Ligen – sofern es die Pandemie-Lage zulässt – bereits im Juli statt wie in den meisten Klassen üblich im August in die Saison 2021/2022 zu starten, wenn spätestens im Juni eine Vorbereitung beginnen kann – dafür hatten sich gegenüber der OP bereits mehrere Vereinsvertreter ausgesprochen. „Ob dann direkt am ersten Juli-Wochenende ein Spieltag angesetzt würde, oder erst am zweiten oder dritten, müsste man sehen“, sagt der Marburger Kreiswart, der zudem an den Kreispokal der Saison 2020/2021 denkt: „Vielleicht könnte man die ausstehenden Runden im Juli unter der Woche austragen.“

Jörg Wolf, Beauftragter für die Region Gießen / Marburg, ist sich „ganz sicher“, dass viele der „großen Ligen“ spätestens Mitte oder Ende Juli wieder loslegen würden. Auch im Fußballkreis Biedenkopf, lässt Achenbach durchblicken, sei es „der Wunsch vieler Vereine, wieder früher in den Spielbetrieb einzusteigen, damit man nicht schon wieder Gefahr läuft, eine solche Runde wie die aktuelle spielen zu müssen“, sagt der Wiesenbacher. „Ich halte das für eine ganz sinnige Lösung, auch weil dann die nötige Vorbereitungszeit gegeben wäre“, begründet Achenbach.

Pokalspiele alle an einem Wochenende?

Im Hinterland müsste noch das Halbfinale und Endspiel des Kreispokals ausgetragen werden. „Wünschenswert wäre es, wenn diese Partien noch in dieser Saison stattfinden könnten“, sagt Achenbach, „wenn dies nicht geht, wäre es aber nicht dramatisch.“ Aufgrund der geringen Anzahl von nur noch drei Partien sei es möglich, den Wettbewerb zu einem frühen Zeitpunkt in der neuen Spielzeit zu beenden. „Eventuell könnte man die Pokalspiele sogar in Turnierform an einem Wochenende über die Bühne bringen. Aber das sind Gedankenspiele“, sagt Achenbach.

Sind also alle gleicher Meinung, wie es nun weitergehen soll? Nein. Vor allem aus dem Norden und Osten Hessens gibt es Stimmen, weiter auf eine Saisonfortsetzung zu setzen. Auch Matthias Bausch, stellvertretender Verbandsfußballwart und Wiesbadener Regionalbeauftragter, spricht sich dafür aus, einen Abbruch nur dann zu beschließen, „wenn komplett ausgeschlossen ist, dass im Frühjahr noch mal gespielt werden kann. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit von Tag zu Tag sinkt, sehe ich das aktuell noch nicht.“

Bausch: Annullierung nur allerletztes Mittel

Wolf gibt überdies zu bedenken, dass eine Entscheidung hinsichtlich des weiteren Spielgeschehens „stimmig sein“ müsse. Schließlich sei nicht nur der Senioren-, sondern auch der Frauen- und Jugendbereich betroffen – und sie hätte Auswirkungen auf die dem HFV übergeordneten Spielklassen, insbesondere die Regionalliga. „Es muss eine Entscheidung geben, die für alle Bereiche gilt“, fasst Wolf zusammen – doch er sagt offen: „Mein Gefühl ist es, dass wir nicht umhinkommen, die Saison zu annullieren. Zu mir hat noch keiner gesagt: ,Wir müssen unbedingt weiterspielen’.“

Auch Bausch sagt, er nehme wahr, „dass es eine Mehrheit für eine Annullierung geben könnte. Die sollte aber nur ein allerletztes Mittel sein.“ Sollte es doch dazu kommen, ist auch für ihn „grundsätzlich vorstellbar“, den ersten Spieltag in allen oder den meisten hessischen Ligen in den Juli zu legen, denn: „Je früher begonnen wird, umso größer ist nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr die Chance, dass zumindest die Hinserie ausgetragen werden kann. Keiner kann wissen, wie sich die Pandemie entwickelt und ob womöglich im Herbst wieder Schluss mit Mannschaftssport ist.“

Wird die Hessenliga zweigeteilt?

Gibt es in der höchsten hessischen Fußball-Spielklasse in der kommenden Saison zwei Staffeln? Wenn es nach Matthias Bausch geht, möglichst nicht. „Ich bin absolut kein Freund davon“, sagt der stellvertretende Verbandsfußballwart, der als Klassenleiter für die Hessenliga zuständig ist, auf entsprechende Anfrage der OP. Der Waldbrunner will aber nicht ausschließen, dass es nötig werden könnte.

Aktuell spielen 20 Mannschaften in der Liga, ob es im Falle eines Saisonabbruchs ein Aufsteiger in die Regionalliga Südwest geben würde, müsse „geklärt werden“, sagt Bausch. Aktuell führt die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz die Tabelle mit 33 Punkten aus zwölf Spielen knapp vor dem SC Hessen Dreieich (31) an.

Sicher scheint hingegen, dass Absteiger aus der Regionalliga in die Hessenliga kommen: Eintracht Stadtallendorf ist mit Abstand Schlusslicht, der dem Hessischen Fußball-Verband angehörende FC Bayern Alzenau ist Vorletzter. Auch der FC Gießen und Hessen Kassel stecken im Abstiegskampf.

Mit maximal 22 Mannschaften, erklärt Bausch, könnte in einer Staffel gespielt werden – so viele Teams sind es aktuell in der Regionalliga Südwest. „Wenn es tatsächlich mehr sind, kämen wir um eine Teilung wohl nicht herum.“ Wie dann der Modus wäre, ob es etwa zur Ermittlung des Meisters Playoffs geben könnte, „wäre ein Thema, mit dem wir uns dann beschäftigen müssten“, sagt der Klassenleiter.

Von Stefan Weisbrodund Marcello Di Cicco