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Lokalsport Die Geislers – eine schrecklich sportliche Familie
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11:00 04.05.2022
Mirco Geisler spielt bei Eintracht Stadtallendorf Fußball, seine Schwester Kimberly beim BC Marburg Basketball.
Mirco Geisler spielt bei Eintracht Stadtallendorf Fußball, seine Schwester Kimberly beim BC Marburg Basketball. Quelle: Fotos: Tobias Hirsch/Thorsten Richter; Collage: Leonie Rink
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Gladenbach

Der Sport ist gespickt mit erfolgreichen Geschwisterpaaren. Berühmte Beispiele sind etwa die Formel-1-Fahrer Michael und Ralf Schumacher oder die Boxer Wladimir und Vitali Klitschko. Das Besondere an den Gladenbacher Geschwistern Kimberly und Mirco Geisler ist aber, dass sie nicht dieselbe Sportart ausüben.

Die 17-jährige Kimberly ist Basketballerin bei den Young Dolphins Marburg und hat mit dem Team jüngst den Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga gefeiert. Ihr großer Bruder Mirco kämpft aktuell mit dem Fußballverein TSV Eintracht Stadtallendorf in der Hessenliga um den Aufstieg in die Regionalliga Südwest.

„Wir sind eine Kämpferfamilie. Wenn wir Spiele verlieren, sind wir beide jedes Mal sauer. Aber unser Fokus geht dann sofort auf die nächste Partie“, sagt der 22-Jährige und seine Schwester nickt ihm zustimmend zu. Dies habe auch einen familiären Hintergrund: Vater Friedrich ist von Kasachstan nach Deutschland ausgewandert, ohne die Sprache zu beherrschen. „Damals mussten sie sich auch alles selbst erarbeiten. Es liegt uns also schon im Blut, um das zu kämpfen, was wir wollen“, merkt der Fußballspieler an.

Gemeinsames Ziel vor Augen

Der Kampfgeist und der unbedingte Wille zu Siegen sind auch Eigenschaften, die die Zwölftklässlerin der Kaufmännischen Schulen Marburg ausmachen. „Sie ist eine körperlich und mental starke Spielerin. Den Biss und den Willen, unbedingt siegen zu wollen, überträgt sie auf das Team“, sagt Kimberlys WNBL-Trainer und Young-Dolphins-Co-Trainer Florian Portsteffen.

Doch als junge Spielerin in der zweiten Basketball-Bundesliga gibt sich die Schülerin noch nicht zufrieden. Ihr Traum ist es, in der Women’s National Basketball Association (WNBA), der Basketball-Profiliga für Frauen in Nordamerika, zu spielen. „Nach meinem Abitur werde ich schauen, ob ich ein Stipendium bekomme, um in die USA gehen zu können“, sagt die Basketballerin selbstsicher.

Schwere Verletzung kurz vor dem Ziel

Auch Bruder Mirco träumt vom Sprung in den professionellen Bereich in seiner Sportart. „Mein Fokus lag schon immer darauf, Profi zu werden. Ich habe auch überlegt, ein duales Studium zu machen, aber das kann ich immer noch machen“, sagt der Abwehrspieler, der sich vor einem Jahr das vordere Kreuzband des rechten Knies riss.

Damals lagen ihm Angebote unter anderem von Regionalligisten der Südweststaffel und eines Drittligisten vor. „Es war meine erste Saison in der Regionalliga, und es lief richtig gut für mich. Am Tag, als der Scout des Drittligisten beim Spiel war, habe ich mir das Kreuzband gerissen“, erinnert er sich. „Danach habe ich mich gefragt, wieso mir das passiert ist. Vielleicht hätte ich zwei oder drei Tage später meinen Profi-Vertrag unterschrieben“, sagt Mirco weiter. In dieser Zeit habe ihn seine Familie enorm unterstützt und ihm Mut gemacht, dass er wieder auf das fußballerische Niveau zurückkommen wird, das er vor der Verletzung hatte. Bereits nach einem Monat trainierte er wieder mit dem Ball und ließ sich später die Worte „Gods plan“ (Gottes Plan) über das rechte Knie tätowieren. „Ich bin jetzt nicht jemand, der jeden Sonntag in die Kirche geht. Aber ich glaube schon an Gott und bin fest davon überzeugt, dass man für seine harte Arbeit belohnt wird“, erklärt er. Neben diesem Tattoo hat der 22-Jährige noch mehr Farbe unter der Haut. Einen Tiger, der Stärke symbolisieren soll, und ein Kind im „Geisler“-Trikot, das einen Fußballspieler anschaut. Für Mirco hat das Tattoo eine besondere Bedeutung: Es zeigt ihn als Kind, das davon träumte, Profi zu werden.

Hochzeitsdatum als „Gründungszeichen“

Dass er mal mehrere Tätowierungen haben wird, konnte er sich lange Zeit nicht vorstellen. „Früher wollte ich nie Tattoos, weil Cristiano Ronaldo mein Vorbild war und er keine hatte. Dann habe ich mir das erste mit 18 stechen lassen, und dann kam die Sucht“, erklärt er. Damit hatten seine Eltern kein Problem.

„Aber das Nesthäkchen hier durfte schon mit 17 ein Tattoo haben“, sagt Mirco lachend und schubst seiner Schwester mit der Schulter gegen den Arm. Kimberly hat sich das Hochzeitsdatum ihrer Eltern Friedrich und Nicole stechen lassen. „Es steht quasi als Gründungszeichen unserer Familie. Deswegen war es leicht, meine Eltern zu überreden“, sagt sie und grinst.

Der Zusammenhalt der Familie wird bei den Geislers großgeschrieben. Sie besucht fast jedes Fußballspiel, er fast jede Basketballpartie. Ich kämpfe weiter für mein Ziel, Profifußballer zu werden, und meine Schwester für ihren Traum“, sagt Mirco selbstbewusst.

Die Anfänge der Geislers

Mirco Geisler begann im Alter von fünf Jahren mit dem Fußballspielen beim SC Gladenbach. „Bei uns in der Familie spielt keiner Fußball. Unser Opa und Uropa schon, aber unsere Eltern nicht“, erklärt der 22-Jährige. In seiner Heimatstadt Gladenbach blieb der rechte Verteidiger bis 2009, ehe er in den Nachwuchsmannschaften der JFG Frankfurt, FSV Mainz 05 und Kickers Offenbach spielte. „Nach Frankfurt haben mich meine Eltern immer gefahren. Da bin ich den beiden auch sehr dankbar, weil sie sehr viel Zeit für mich geopfert haben“, sagt Geisler, der auch davon berichtet, dass seine Eltern sich immer wieder rechtfertigen mussten, wieso sie dafür sowohl Zeit als auch Geld investieren. 2018 erfolgte der erste Wechsel zu Eintracht Stadtallendorf. „Ich habe dann vom Trainer (Dragan Sicaja, Anm. d. Red.) gesagt bekommen, dass ich kaum zu Einsätzen kommen werde. Aber als junger Spieler muss man immer spielen, also bin ich zum Verbandsligisten nach Kinzenbach gewechselt“, sagt der Gladenbacher, der dann über den FSV Fernwald seit 2020 wieder beim Team vom Herrenwald spielt.

Die 17-jährige Kimberly spielt in der laufenden Saison beim BC Marburg im Regionalliga-Team, in der Weiblichen Nachwuchs-Basketball-Bundesliga und in der zweiten Bundesliga bei den Young Dolphins Marburg. Mit der zweiten Mannschaft hielt sie die Liga. „Ich habe bei den NiGla Baskets Gladenbach mit dem Sport begonnen. 2017 bin ich zum BC gekommen und habe dann auch noch mit Doppellizenz weiter in Gladenbach gespielt“, sagt Geisler, die zu dieser Zeit neunmal wöchentlich zum Training gegangen ist. Aus diesem Grund sei das Spielpensum in der aktuellen Spielzeit kein Problem für sie: „Ich habe einen Kämpferinstinkt, also ziehe ich das Training durch. Egal wie schwer oder hart es ist.“

Von Leonie Rink