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Lokalsport Mirco Geisler lässt sich nicht unterkriegen
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15:00 10.06.2021
Stadtallendorfs Mirco Geisler (rechts, hier gegen Aalens Kristjan Arh Cesen) kämpft sich aktuell nach einem Kreuzbandriss zurück auf den Platz.
Stadtallendorfs Mirco Geisler (rechts, hier gegen Aalens Kristjan Arh Cesen) kämpft sich aktuell nach einem Kreuzbandriss zurück auf den Platz. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

Ob es für Sportler „günstige“ Zeitpunkte für Verletzungen gibt, darüber lässt sich streiten. Klar ist aber: Es gibt besonders ungünstige Momente, um sich eine Verletzung zuzuziehen, die eine mehrmonatige Zwangspause nach sich zieht. Mirco Geisler kann davon ein Lied singen. Der Mittelfeldspieler des in dieser Fußballsaison von zahlreichen Verletzungen und Corona-Infektionen geplagten Regionalligisten Eintracht Stadtallendorf riss sich am 1. Mai das vordere Kreuzband im rechten Knie.

Die Diagnose ist deshalb so bitter für den gebürtigen Gladenbacher, weil für den 21-Jährigen die Chance bestand, den nächsten Karriereschritt zu machen. „Ich hatte mich noch nicht zu 100 Prozent entschieden“, sagt Geisler im Gespräch mit der OP, „aber ich wollte den nächsten Stepp machen. Ich hatte ein paar Angebote von Regionalligisten aus der Südweststaffel sowie von einem Verein aus dem Raum Hamburg. Mein Berater Marko Rujevic hat zudem einen Drittligisten auf mich aufmerksam gemacht. Da sah es sehr gut für mich aus. Der Verein hatte mich zwei Wochen vor meiner Verletzung beobachtet.“

Vonseiten des Drittligisten habe man ihm in Gesprächen versichert, „dass ich einiges mitbringe, um im Profigeschäft zu spielen“, erzählt Geisler. Umso bitterer ist die Verletzung, denn: „Als kleines Kind träumt man davon, einen Profivertrag zu unterschreiben. Dann kämpft man sich nach Rückschlägen heran, steht gefühlte Zentimeter vor dem großen Ziel, und dann passiert sowas.“ Statt ab Sommer in der 3. Liga zu spielen, wird er nun wohl beim künftigen Hessenligisten bleiben. Die Eintracht habe ihm ihre Unterstützung zugesagt. „Das finde ich sehr korrekt“, freut sich der 28-fache Regional­ligaspieler nicht nur über die Unterstützung des TSV, sondern auch über jene seitens seiner Familie, seines Beraters und seines Physiotherapeuten Michael Ruppersberg.

Fast auf den Tag genau einen Monat nach seiner Verletzung wurde Geisler operiert, inzwischen absolviert er eine Reha, es gehe ihm schon besser. „Anfangs war das alles schwer zu realisieren“, räumt der Gladenbacher ein. An seinem Traum vom Profifußball will er weiter festhalten – kein Wunder: Zwischen 2009 und 2018 ließ sich Geisler als Jugendlicher beim JFV Frankfurt, FSV Mainz 05 und bei Kickers Offenbach ausbilden, betrieb für seinen Sport einen großen Aufwand, ehe er im Sommer 2018 zur Eintracht kam, dort aber nach nur zwei Monaten wieder zu Mitte-Verbandsligist SG Kinzenbach wechselte.

„Meinen Traum habe ich nicht aufgegeben“

„Dragan (Sicaja, Trainer) hatte mich nicht weggeschickt, aber mir offen gesagt, dass ich wenig spielen würde. Daraufhin habe ich mir gesagt: Das macht keinen Sinn!“, erzählt Geisler, der sich in der Folge weiterentwickelte und schon Ende Januar 2020 vom FSV Fernwald zurückkehrte und sich zusehends mehr Einsatzzeiten erarbeitete – bis zum Saisonabbruch 2019/20 in der Hessenliga, ab vergangenem Spätsommer in der Regional­liga Südwest. „Ich bin froh, die Chance bekommen zu haben“, sagt der Flügelspieler.

Geht es nach dem Offensivspieler, steht er – je nach Heilungsverlauf – schon Ende des Jahres wieder auf dem Platz. „Mein Ziel ist es, im Dezember ins Training einzusteigen. Zur Rückrunde will ich dann bei 100 Prozent sein“, sagt Geisler. In welcher Konstellation die kommende Hessenliga-Runde über die Bühne geht, steht zwar noch nicht fest. Im Wissen, dass einige Leistungsträger fehlen werden, meint der Gladenbacher dennoch: „Ich denke schon, dass wir personell so aufgestellt sein werden, dass wir um den Aufstieg mitspielen können.“

An seinem langfristigen persönlichen Ziel will Geisler unabhängig davon weiterarbeiten. „Ich will erst mal wieder fit werden. Meinen Traum habe ich wegen dieser Verletzung nicht aufgegeben, davon lasse ich mich nicht unterkriegen.“

Von Marcello Di Cicco