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12:55 03.12.2020
Fährt im nächsten Jahr in der Formel 1: Mick Schumacher.
Fährt im nächsten Jahr in der Formel 1: Mick Schumacher. Quelle: Luca Bruno/AP/dpa
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Sakhir/Marburg

Selten macht die Bekanntgabe eines neuen Formel-1-Fahrers so große Schlagzeilen, vor allem dann nicht, wenn sie eigentlich keine große Überraschung mehr ist.

Doch dass Mick Schumacher ab dem kommenden Jahr für das amerikanisch-italienische Haas-Team antreten wird, das ist gleich einmal zum großen Medienereignis geworden. Ein Vorgeschmack darauf, was den Sohn des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher auch in der Zukunft erwarten dürfte.

Der Formel-3-Meister von 2018 und der Führende der Formel 2 in dieser Saison, der sich an diesem Wochenende in Bahrain den Titel holen will, tritt ein schweres Erbe an.

Doch Mick Schumacher hat in seiner bisherigen Karriere gezeigt, dass er mit dieser Aufmerksamkeit und dem damit verbundenen Druck gut umgehen kann. Er hat seinen eigenen Weg gefunden, hat sich durch Leistung nach oben gekämpft – gegen viele Zweifel von außen gerade zu Beginn seiner Karriere.

„Was für eine tolle Leistung!“

Sehr reif für einen 21-Jährigen ist er sicherlich, auch geprägt durch die familiären Umstände in den Jahren seines Aufstiegs. Das betont auch sein neuer Teamchef Günther Steiner. „Mick ist für sein Alter schon sehr weit, dabei auch ein sehr netter, höflicher junger Mann.“ Die Formel 2 habe in dieser Saison „eines der besten Teilnehmerfelder überhaupt in ihrer Geschichte. Mick hat dort Rennen gewonnen, Podestplätze eingefahren und einige ziemlich große Talente ausgestochen“, macht er deutlich, dass Schumacher sich den Platz in der Formel 1 auf jeden Fall verdient hat.

Das steht auch für den Marburger Robert Peil außer Frage. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) und seine Familie sind – ebenso wie die DVAG-Gründerfamilie Pohl – seit vielen Jahren mit den Schumachers befreundet, kennen Mick von Kindesbeinen an. Er freue sich sehr für Mick Schumacher, „dass er den Sprung in die Formel 1 geschafft hat“, sagt Peil, „was für eine tolle Leistung! Wir sind sehr stolz auf ihn und wünschen ihm nur das Beste!“

Was bisher in der Schumacher-Karriere auffiel: In jeder Nachwuchskategorie kamen die großen Erfolge immer erst im zweiten Jahr. Für den Ex-GP-Piloten Marc Surer ein Zeichen dafür, „das Mick vielleicht nicht das absolute große Naturtalent ist, das sofort als der absolute Überflieger auffällt. Dafür aber jemand, der besser lernt als viele andere. Jemand, der alle verfügbaren Informationen aufsaugen und dann entsprechend umsetzen kann. Und das ist in der heutigen Formel 1 vielleicht sogar wichtiger.“

„Ich will mich als Fahrer weiterentwickeln“

Dass das auch jetzt in der Königsklasse so sein wird, will Mick zwar nicht als gegeben ansehen, aber er gibt sich trotzdem Zeit. Der Vertrag bei Haas läuft über mehrere Jahre, was im Formel-1-Jargon meist mindestens zwei Plusoptionen bedeutet.

„Ich will mich als Fahrer weiterentwickeln. Ich will die ganzen Abläufe verinnerlichen. Ich bin einer, der gerne so viele Informationen wie möglich haben will. Ich arbeite intensiv mit den Technikern zusammen.“ Die wahrscheinlich größten Schwierigkeiten? „Die Formel 1 ist eine ganz andere Umgebung, mit erheblich mehr Fachkräften, das wird ungewohnt sein. Ich hoffe, ich kann mich schnell einarbeiten.“

Mit dem Druck, der auf jeden neuen Formel-1-Piloten zukommt, könne er vielleicht sogar leichter umgehen als andere, weil er das ja aus der Vergangenheit durch seinen Namen bestens kenne. Speziell in Deutschland müsse man aber wohl Erwartungshaltungen dämpfen: „Wir werden nächstes Jahr sicher nicht um Siege mitfahren.“

„Er wird es schwer haben“

Die Realität ist, dass das Haas-Team zu den Hinterbänklern gehört. Der zweite Abschnitt im Qualifying und gelegentlich mal ein Punkt – das wären schon große Erfolge für Schumacher. Für Claus Lixfeld, seit 50 Jahren Vorsitzender des MSC Salzbödetal, ist dies absolut realistisch.

„Warum soll er nicht in die Punkte fahren? Schlecht ist das Team nicht“, sagt der 74-jährige Bottenhorner, der dem 21-Jährigen den Aufstieg gönnt, denn: „Er hat sich dorthin gearbeitet, wo er jetzt ist, allerdings auch die Last des Namens zu tragen. Er wird es schwer haben, kann aber auch beweisen, wozu er fähig ist.“

Auch Tim Scheckel, Vorsitzender des MSC Holzhausen/Hünstein, freut sich auf den Youngster. „Für den deutschen Motorsport ist es immer gut, wenn es mehr als nur ein Aushängeschild gibt“, gibt Scheckel zu bedenken, „und für die jungen deutschen Fahrer ist es gut, jemanden zu haben, mit dem sie sich identifizieren können.“

Russell sitzt in Hamiltons Auto

George Russell wird beim kommenden Formel-1-Rennen in Bahrain Weltmeister Lewis Hamilton bei Mercedes ersetzen. Der 22 Jahre alte Brite stammt aus der Silberpfeil-Schmiede und fährt aktuell eigentlich für Mercedes-Partner Williams.

Das britische Team machte den Weg aber frei für Russell, nachdem Superstar Lewis Hamilton zweimal positiv auf Corona getestet worden war und das vorletzte Saisonrennen nicht bestreiten kann.

Von Karin Sturm, Marcello Di Cicco und Stefan Weisbrod