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Lokalsport Michael Metternich-Kircher will auch mit 50 spielen
Sport Lokalsport Lokalsport Michael Metternich-Kircher will auch mit 50 spielen
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14:58 03.02.2021
Arbeitet als Stürmer auch nach hinten: Michael Metternich-Kircher (weißes Trikot) im Zweikampf gegen Jannik Schuster vom TSV Elnhausen.
Arbeitet als Stürmer auch nach hinten: Michael Metternich-Kircher (weißes Trikot) im Zweikampf gegen Jannik Schuster vom TSV Elnhausen. Quelle: Michael Hahn
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Beltershausen

Corona legt den Amateursport nach wie vor weitgehend lahm, auch die Fußballer unterhalb der Regionalliga pausieren zwangsläufig. Michael Metternich-Kircher stünde aktuell am liebsten fast jeden Abend unter der Woche auf dem Sportplatz, würde selbst mit dem B-Liga-Team des SV Beltershausen trainieren oder die B-Junioren des JFV Ebsdorfergrund coachen. Geht eben nicht. Aber auf dem Sofa zu hocken, „dafür bin ich auch nicht der Typ. Ich muss raus, gehe joggen oder mache Kraft- und Athletikübungen“, erzählt der sechsfache Familienvater im Gespräch mit der OP. Er hält sich fit. Sobald wieder gespielt werden kann, will er dabei sein – in einem Team mit teils 30 Jahre jüngeren Mitspielern. An diesem Mittwoch wird er 50.

Als willensstark, ehrgeizig, loyal, herzlich und emphatisch beschreibt Andreas Wisker, stellvertretender Vorsitzender des SV Beltershausen, den Angreifer. „Joar, stimmt schon“, sagt der selbst. Wisker nennt aber eine weitere Eigenschaft: ekelhaft. „Mitch“, wie er im Verein genannt wird, lacht darauf angesprochen. „Es ist auch richtig“, sagt er, führt aus: „Wenn auf dem Platz etwas nicht gut läuft, können mir schon mal die Gäule durchgehen. Dann kann ich ekelhaft werden.“

Team hat „fußballerisch einen großen Schritt nach vorn gemacht“

Was er dann – oder auch in ruhigeren Momenten – sagt, wird von seinen Mitspielern angenommen, so sein Eindruck: „Alle wissen ja, dass ich nicht nur ein gewisses Alter sondern auch viel Erfahrung habe.“ Er freut sich, „wenn ich den jungen Spielern ein bisschen was beibringen kann“. Darin liegt auch eine Motivation für den Physiotherapeuten mit eigener Praxis in Ebsdorf, weiterzumachen: „Ich spiele einfach gern Fußball. Aber mit dieser Mannschaft macht es besonders viel Spaß. Die Chemie im Team passt und ich habe das Gefühl, dass die Jüngeren sehr lernwillig sind und sich verbessern wollen.“

Das stimmt ihn auch zuversichtlich, was die sportliche Zukunft des Clubs aus dem rund 1 100 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund angeht: „Wir haben zuletzt fußballerisch einen großen Schritt nach vorn gemacht. Ich denke, dass der Aufstieg in naher Zukunft möglich ist und dass wir dann zumindest in der A-Liga mithalten können.“ Nicht zuletzt setzt er dabei auf weitere Nachwuchsspieler, die derzeit noch im Jugendbereich aktiv sind und in den nächsten Jahren in den Beltershäuser Seniorenkader aufrücken könnten: „Da sind einige talentierte Jungs dabei, die uns sicher weiterhelfen würden.“

Ein treffsicherer Angreifer, der auch nach hinten mitarbeitet

In der derzeit pausierten Saison belegt der SV nach sieben Partien mit fünf Siegen und zwei Unentschieden den zweiten Tabellenplatz in der Kreisliga B Marburg II, zwei Punkte hinter dem TSV Moischt. Ob’s bereits in dieser Spielzeit „hoch“ gehen könnte? Schwer zu sagen, zumal aktuell aufgrund der Pandemie-Lage völlig offen ist, ob und wie weitergespielt werden kann. „Man braucht für einen Aufstieg auch ein Quäntchen Glück“, sagt Metternich-Kircher, der in seinem Heimat- und Wohnort Leidenhofen mit dem Fußballspielen angefangen hatte, in den 1990ern bei den damaligen Bezirksoberligisten VfL Dreihausen und RSV Roßdorf sowie beim TSV Münchhausen gespielt hatte, mit 27 Jahren nach Beltershausen gewechselt war und dort seitdem – mit einer Unterbrechung, in denen er Trainer der SG Ebsdorfergrund und des SV Hachborn war – gegen den Ball tritt.

Er ist „kein Angreifer, der vorn rumsteht und wartet, bis die Bälle kommen“, beschreibt der „Oldie“, der auch die Kapitänsbinde trägt, sich selbst. Er arbeitet nach hinten, hat kein Problem damit, am Mittelkreis zur Grätsche anzusetzen, „wenn es sein muss“. Tore schießt er dennoch, fünf waren es in den bisherigen sieben Saisonspielen, was ihn selbst etwas überrascht: „Hätte ich nicht gedacht, dass es noch so gut klappt und ich so regelmäßig treffe.“ Er will weiter spielen, weiter treffen. Wie lange? „In dem Alter denkt man maximal von Jahr zu Jahr. Im Moment geht es mir trotz der Pause gut. Wie das in einem halben Jahr aussieht, muss man dann sehen.“

Von Stefan Weisbrod