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Lokalsport Durmaz geht weitere Wege in der Showbranche
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20:58 01.01.2021
Mehmet Durmaz in Aktion. Quelle: Privatfoto
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Kirchhain

Als 16-Jähriger wagt Mehmet Durmaz das ganz große Ding. Den Kirchhainer zieht‘s in das Land, in dem sich vermeintlich Träume verwirklichen lassen. Der begabte Tänzer aus dem beschaulichen Kirchhain versucht sein Glück in Los Angeles, lässt sich von bekannten Lehrern weiter ausbilden.

Zurück in Deutschland schlägt er für zwei Jahre in Köln auf. In der Media-City werden die großen Fernsehshows gedreht, etwa „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) oder „Let‘s dance“. Über Nachfragen als Background-Tänzer kann er nicht klagen. Den ersten größeren Auftritt zelebriert er auf der Bühne der Show „Deutschlands Supertalent“. Es läuft! Durmaz erhält eine Anfrage zur sogenannten Audition für die MTV-Awards in Madrid. Er ist schließlich einer der zehn glücklichen Jungs von 500, die das Ausscheidungsprozedere erfolgreich gemeistert haben.

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„Wir lernten vor Ort eine bestimmte Choreografie, die wir dann vorführen mussten“, sagt er. Mehmet ist auf den Punkt fit. „Tanzen allein genügt nicht“, betont er, „du musst auffällig sein, vor allen Dingen im Freestyle-Tanz.“ Er ist auffällig. Die Belohnung folgt auf den Fuß: Das Talent darf für Rihanna und Shakira tanzen. Derartige Auftritte machen sich gut in der künstlerischen Vita. Die Nachfrage steigt. Es folgen Engagements bei verschiedenen Events: DSDS, Eurovision Song Contest, The Voice, Let‘s dance, Brit Awards und andere mehr.

Mehmet Durmaz will Fuß in der Musikbranche fassen. Quelle: Privatfoto

Der Erfolg macht Mehmet nicht bequem. Er feilt weiter an seinen Choreografien. „Es ist kein einfacher Job. Ein bisschen mit der Hüfte wackeln, reicht nicht. Du musst Außergewöhnliches bieten.“ Die Konkurrenz ist groß. Auch andere verfolgen hohe Ziele. „Du musst jeden Tag aufs Neue kämpfen, musst die Bühne füllen mit deiner Vorstellung,“ lautet sein Motto. Er beobachtet die Szene, entwickelt beziehungsweise adaptiert neue Tanzstile. Die Vielfalt macht‘s. Mehmet wird gut gebucht. Verschiedene Agenten vermitteln ihn immer besser. Unter anderem bereichert er mit seinen Künsten Helene Fischers Weihnachtsshow.

Tanzen allein reicht ihm nicht mehr

Dann merkt er, dass ihm das Tanzen alleine nicht genügt. Inzwischen ist er 27 Jahre alt. Er nimmt keine Aufträge mehr an als Tänzer. Es zieht ihn mehr ins Lehrfach als Choreograf, Coach oder Creative Director von Stars der Musikszene. Dieser Job stellt ganz andere Forderungen, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten und – auch das ist ein gewichtiges Argument – ist recht einträglich. Gleichwohl ist der Stress ein nicht unerheblicher Faktor. Oft bleibt gerade mal ein Monat, um für die Show eines Künstlers ein Set zu arrangieren, das den Ansprüchen aller gerecht wird. „Ich entwerfe zunächst ein grobes Bild davon, in welche Richtung es geht“, sagt Durmaz.

Dabei sei die Songauswahl des Künstlers maßgebend. Er schildere dann, wie er sich die Tanzdarbietungen vorstelle. Man komme in der Regel überein und bucht die Tänzer. „Schließlich entwerfe ich eine konkrete Choreografie. Dabei lasse ich mich durchaus davon inspirieren, wie es andere Künstler machen.“ Es folgt eine intensive Übungsphase – auch mit den Künstlern, die in einem separaten Raum trainieren. „Wir setzen gemeinsam alles zusammen, bis die Füße bluten. Manchmal werden Dinge kurzfristig über den Haufen geworfen. Das ist ziemlich stressig.“

Der Job brachte gesundheitliche Probleme

Der Job zehrt auch an Durmaz‘ Gesundheit. „Man setzt sich selbst unter Druck.“ Manchmal habe er schlaflose Nächte, sogar eine Gürtelrose habe ihn bereits heimgesucht. „Aber am Ende ist man stolz darauf, was man in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt hat.“ Und wer gute Arbeit abliefere, bekomme auch gute und viele Anfragen. In diesem Jahr hat er unter anderem eineinhalb Monate für das österreichische Format von „The Masked Singer“ gearbeitet.

Mittlerweile lebt er seit zehn Jahren in Berlin, wo er sich kürzlich eine Wohnung gekauft hat. Dort versucht er auch, ein weiteres seiner Talente gewinnbringend zu vermarkten: Unter dem Künstlernamen „Millon“ hat er als Sänger während einer Europatour drei Monate lang seine Duftmarken gesetzt. „Die gute Stimme habe ich von meinem Vater Ibrahim geerbt. Wir produzieren derzeit neue Songs.“ Auf der Plattform Instagram hat er 49 000 Follower, die seine deutsche Pop- und Hip-Hop-Musik mögen. Er hoffe weiter auf Unterstützung in den „Sozialen Medien“.

Mutter Nese unterstützte Mehmet Durmaz

Auch seinen Eltern Nese und Ibrahim habe er sehr viel zu verdanken. „Sie haben mich nach besten Kräften unterstützt.“ Daher komme er immer gerne nach Kirchhain, wo er zuletzt mit der Familie den 50. Geburtstag seiner Mutter gefeiert habe. „Weil wir in kein Lokal konnten, sind wir in einer Stretchlimo durch die Gegend gefahren und haben auf ihr Wohl angestoßen.“ Die Liebe zum Tanz pflegt er weiterhin. Er arbeitet nebenher als Choreograf, unterrichtet Tanzschüler, die ihm von der Inhaberin einer Tanzschule vermittelt werden. Größere Veranstaltungen mit ihm stehen unmittelbar bevor. Er darf aber nicht sagen, um was es sich handelt. Seine Zuversicht und positive Lebenseinstellung ist unangetastet. „Ich freue mich und bin glücklich mit dem, was ich mache, und möchte noch einiges bewerkstelligen.“

Mehmet Durmaz arbeitet weiter als Choreograf. Quelle: Privatfoto

Von Bodo Ganswindt