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Lokalsport Eine Geschichte zum Wohlfühlen
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17:30 26.09.2019
Maximilian Stock (rechts, RSV Roßdorf) und der Emsdorfer ­Anton Zitlau kämpfen um den Ball.  Quelle: Archivfoto
Roßdorf

Bekanntlich schreibt das Leben die besten Geschichten. Und da Fußball nun einmal Teil des Lebens ist, fabriziert auch er ab und an fast schon Märchenhaftes, das die Gemüter bewegt. Am vergangenen Sonntag hatte er ganz besondere Tinte in der Feder und wählte Maximilian Stock als Hauptfigur und den Sportplatz des RSV Roßdorf als Bühne aus.

Als der 25-jährige Verteidiger seinen großen Auftritt hatte, donnerte die Stimme des Stadionsprechers Reinhard Ried: „Torschütze, der Spieler mit der Nummer 13: Maximilian Stock, der nach einem Jahr Verletzungspause wieder für uns aufläuft!“

Wie von der Tarantel gestochen und einfach nur „Jaaaaa“ schreiend rannte der Abwehrspieler nach dem Treffer in Richtung Ersatzbank. Seine Mitspieler hinterher. „Das war schon ein sehr emotionaler Moment. Ich bin direkt in die Arme von Robin Weyand gerannt, der mich auch zum Spieler der Woche nominiert hat“, berichtet Stock. Sein Vater, Jörg, war Zeuge des Geschehens.

Im Finalspiel Kreuzband gerissen

Der Treffer, der den 3:0-Sieg gegen die SG Salzböde-Lahn einleitete, war der Epilog einer Geschichte des Leidens. Die Partie war Stocks erstes Spiel für die erste Garde des RSV seit über einem Jahr.

Der studierte Maschinenbauer erinnert sich noch genau an das Datum. „Ich habe mir am 7. Juli 2018 das Kreuzband gerissen. Das passiert, wenn man beim TSV Appelwein spielt“, sagt Stock kichernd. Solche Mannschaftsnamen sind bei Schoppenturnieren keine Seltenheit. Im Finalspiel eines dieser Turniere riss das Kreuzband.

„Ich habe das erst überhaupt nicht so wahrgenommen und war an diesem Abend noch in Marburg zum Feiern. Es hat zwar weh getan, aber auch immer nur bis zum nächsten guten Song“, erinnert sich Stock. Nachdem zwei Ärzte mit Stocks Knieproblemen überfordert gewesen waren, brauchte es einen dritten, bis die Diagnose feststand.

Die Operation folgte am 14. August. „Bei der Diagnose ist mir erst einmal die Kinnlade heruntergekippt“, berichtet Stock. Er habe aber nie daran gedacht, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Zumal ihm das Privileg zuteil wird, den Bierdurst seiner Teamkollegen zu stillen: „Da ich ein Tor geschossen habe, ein Foto von mir in der OP war, dort auch in der Mannschaft des Tages war und auch noch Spieler der Woche geworden bin, sind wir schon bei vier Bierkästen.“ Selten ist die Freude über weniger Geld im Portemonnaie so groß.

von Benjamin Kaiser