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23:00 22.04.2022
Maxi Schäfer von den Marburg Saints bereitet sich auf das letzte Heimspiel der Saison an diesem Samstag vor.
Maxi Schäfer von den Marburg Saints bereitet sich auf das letzte Heimspiel der Saison an diesem Samstag vor. Quelle: Leonie Rink
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Marburg

Welche Eltern würden sich nicht freuen, wenn sie sich über die neuste Sportart ihres Kindes informieren kommen und dann lesen, dass bei der Ausübung früher Menschen gestorben sind? Die Rede ist von Lacrosse, auch wenn diese Darstellung ziemlich überspitzt dargestellt ist. Denn früher wurde der Sport zur Vorbereitung auf Kriege gespielt. „Wir tragen wie eine Art Brille, die sich ,Goggle’ nennt. Die schützt die Augen sowie das Joch- und Nasenbein. Meistens hat man nur blaue Flecken an den Armen oder die normalen Verletzungen am Knie oder Fuß, wie in jeder anderen Sportart auch“, erklärt Maxi Schäfer von den Marburg Saints vom VfL Marburg. Mit der früheren Version des Lacrosse, die auch „kleiner Bruder des Krieges“ genannt wurde, hat es also nur noch wenig gemein.

Aber wie kommt man als Frau zu diesem Sport? Mit einer Freundin zusammen schaute Schäfer einen Film namens „Wild Child“, in dem es um ein verzogenes Mädchen geht, das auf ein Elite-Internat geschickt wird, um dort zu sich selbst zu finden. Auf der Schule tritt sie dann in die Fußstapfen ihrer Mutter, die dort eine erfolgreiche Lacrosse-Spielerin war. „Wir sind wegen des Films zusammen zum Probetraining in Lübeck gegangen. Da war ich dann zweimal und bin dann vor vier Jahren nach Marburg gezogen“, sagt Schäfer, die in Lübeck eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin machte. In diesem Job arbeitet die Studentin auch heute noch.

„Manchmal würde ich mir wünschen, dass der Tag mehr Stunden hat. Vor allem dann, wenn ich Uni, Arbeit, Lacrosse und Freunde sowie Familie unter einen Hut bekommen möchte“, sagt Schäfer, die im sechsten Semester Psychologie studiert. Vor allem aber für den Sport, der ein wichtiger Teil ihres Lebens darstellt, nimmt sie sich Zeit.

Lacrosse an der Uni

Neben den Trainingseinheiten im Verein, trainiert sie mit einer Mannschaftskameradin der Saints zusammen Lacrosse im Uni-Sport. „Ich habe durch das Coaching eine andere Sicht auf den Sport bekommen. Ich muss mir mehr Gedanken machen. Also was zum Beispiel wichtig ist, wie ich etwas einfach erklären kann, aber auch wie die Leute bei der Stange bleiben“, sagt Schäfer, der es Spaß macht, wenn sie anderen „ihren“ Sport näher bringen kann. Denn auf neue Spielerinnen sind auch die Saints angewiesen. Deutschlandweit gibt es nur wenige Ligen, in denen Frauen Lacrosse spielen können. Die zweite Bundesliga, in der die Marburgerinnen an den Start gehen, besteht aus einer Nord- und einer West-Staffel.

In Letzterer treten die Saints als Spielgemeinschaft mit Kassel und seit dieser Saison auch mit Paderborn an. Ein ungewöhnliches Team, denn allein die Strecke von Marburg nach Paderborn beträgt 137 Kilometer, von Kassel nach Marburg immerhin 90 Kilometer. Gemeinsame Übungseinheiten vor Spieltagen sind also nicht möglich. „Wir treffen uns mehrmals im Jahr für Trainingswochenenden. Ansonsten hat jedes Team eine Übungsleiterin und jede Mannschaft übt Spielzüge für sich. Beim Aufwärmen vor einer Partie probieren wir das dann gemeinsam aus“, sagt Schäfer, die anmerkt, dass sich der Start in die Saison schwierig gestaltete. „An Paderborn mussten wir uns erst noch gewöhnen, aber mittlerweile klappt alles super“, findet die Studentin.

Dies spiegelt sich auch in der Tabelle wieder, wo die SG Kassel/Marburg/Paderborn aktuell den zweiten Rang mit acht Siegen und zwei Niederlagen belegt. An diesem Samstag (23. April, 12 Uhr) empfängt das Team im Georg-Gaßmann-Stadion Mainz im letzten Heimspiel dieser Saison und zeigt, dass Lacrosse heute nichts mehr mit der Brutalität von früher zu tun hat.

Ist „Maxi“ nicht eigentlich ein Jungenname?

Kommen wir nun zu einem anderen Aspekt – ihrem Vornamen. Um keine Verwirrungen aufkommen zu lassen: Ja, sie heißt Maxi und das ist keine Abkürzung. „Es wird oft davon ausgegangen, dass ich ein Mann bin. Letztens beim Arzt wurde auch wieder ,Herr Schäfer’ aufgerufen. Das passiert häufiger“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. „Das ist eben so. Aber ich mag meinen Namen“, fügt Schäfer an. Die 25-Jährige kommt gebürtig aus Sachsen-Anhalt, dort ist der Name keine Seltenheit, wie sie erzählt. „Ein Mädchen, das kurz vor mir geboren wurde, brauchte noch einen geschlechtsdefinierenden Zweitnamen. Sie heißt Maxie Sophie. Aber ich bin einfach nur Maxi“, sagt sie.

Von Leonie Rink