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Matthias Hahn erreicht Ziel nach Ansage
Matthias Hahn erreicht Ziel nach Ansage
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15:00 14.01.2022
Matthias Hahn spielt für den Marburger TC in der Regionalliga.
Matthias Hahn spielt für den Marburger TC in der Regionalliga. Quelle: Philip von Geyr
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Marburg/München

Mit 16 wurde er Hessenmeister, 2018 im Alter von 41 Jahren schließlich Ü-40-Europameister. Das ist nicht genug, dachte sich Matthias Hahn und strebte vor vier Jahren nach dem EM-Titel weitere große Ziele an: Der inzwischen zweifache Familienvater wollte unbedingt eine Nominierung des Deutschen Tennisbundes erhalten, um bei den Team-Weltmeisterschaften teilnehmen zu dürfen und für Deutschland spielen zu können. Zudem wollte er einmal an der Spitze der deutschen Rangliste stehen.

Großen Worten folgten schließlich auch große Taten. Der Wahl-Münchner, der im Jahr 1998 sein Abitur an der Elisabethschule gemacht hatte, hat beide Ziele erreicht – und ist immer noch nicht satt. „Der Traum war sicherlich die WM-Teilnahme“, sagt Hahn. Das war in Miami im Oktober 2019. Das deutsche Team mit seinen beiden Mitstreitern Mirco Heinzinger aus Essen und Bastian Bohlen aus Hannover wurde schließlich Vierter. Insgesamt nahmen mehr als 30 Nationen an der WM teil. „Leider sind wir im Halbfinale nur denkbar knapp am späteren Weltmeister Spanien gescheitert. Ich persönlich hatte direkt ein unglaubliches Match gegen Mexiko beim ersten Gruppenspiel. Das Spiel dauerte mit zwei Regenunterbrechungen über fünf Stunden und wurde erst um 21 Uhr unter Flutlicht beendet“, erinnert sich Hahn. Er konnte es nach „unglaublichem Kampf – auch gegen die eigenen Nerven“ 6:4 im dritten Satz gewinnen und damit den Sieg für das Team klar machen.

„Als ich vom Platz ging, hat mir eine Handvoll mexikanischer Fans applaudiert, weil die auch gesehen haben, dass ich wie um mein Leben für das Match gekämpft habe. Bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Hahn.

Direkt auf die Spitzenposition

Nach diesem grandiosen Erlebnis ging es um das zweite Ziel: Nummer eins in Deutschland in seiner Altersklasse. Auch das hat er geschafft. Mit dem Jahreswechsel hat er als Jahrgang 1977 auch die Altersklasse gewechselt und ist jetzt in der quartalsweise erscheinenden deutschen Rangliste erstmals bei den 45+ gelistet. Da hat es dann direkt auch mit der Spitzenposition geklappt. „Gerade in Corona-Zeiten war es nicht einfach, überhaupt so viele Turniere zu spielen und dann auch zu gewinnen, um die Nummer eins zu werden. Zum Glück habe ich eine super verständnisvolle Frau, die meine Tennisverrücktheit unterstützt.“

Unterstützung erhält auch der Marburger TC durch Matthias Hahn. Im Sommer vergangenen Jahres hat er wieder in der Regionalliga-Mannschaft Männer 40 für den TC gespielt – an Position eins, versteht sich.

„Ich habe dabei fast nur gegen Ex-Profis gespielt. Da gibt es einige Mannschaften mit hohen Budgets. Nicolas Kiefer spielt zum Beispiel in Berlin und Alexander Waske in Bohlsbach. Gleich im ersten Match gegen Bad Ems spielte ich gegen Frantisek Cermak, French-Open-Champion im Mixed 2013 und Gewinner von 31 ATP-Titeln im Doppel. Da habe ich leider 9:11 im Champions-Tiebreak verloren. Auch gegen andere Ex-Profis war es knapp. Mir fehlte, denke ich, der letzte Glaube, solche Leute schlagen zu können. Ich war ja selbst nie Profi“, erzählt er und war selbst überrascht, dass er auf diesem Niveau nun mithalten kann.

Der Tennissport wird ihn auch in Zukunft begleiten. Nächster Höhepunkt ist die WM-Teilnahme mit dem deutschen Team und im Einzel im August in Portugal. Freilich hat er sich dabei auch wieder Ziele gesetzt: „Mit dem Team eine Medaille, das wäre einfach super“, sagt Hahn, der nach 14 Jahren in leitender Position beim Bezahlsender Sky auch beruflich eine neue Herausforderung sucht. Sie wird in jedem Fall etwas mit Tennis zu tun zu haben.

Von Michael E. Schmidt