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Lokalsport Bausch wirft hin – und rechnet ab
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10:58 12.05.2021
Nicht nur auf dem Fußballplatz wird zuweilen mit harten Bandagen gekämpft – laut Matthias Bausch auch unter einigen HFV-Verantwortlichen.
Nicht nur auf dem Fußballplatz wird zuweilen mit harten Bandagen gekämpft – laut Matthias Bausch auch unter einigen HFV-Verantwortlichen. Quelle: Themenfoto: Miriam Prüßner
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Frankfurt

Der organisierte Fußball gibt derzeit ein verheerendes Bild ab: Erst der Machtkampf beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nun der personelle Paukenschlag beim Hessischen Fußball-Verband (HFV). In Matthias Bausch ist nicht nur der stellvertretende Verbandsfußballwart, Klassenleiter der Hessenliga und Spielleiter des Hessenpokals zurückgetreten, sondern auch der Funktionär, der auf den scheidenden Verbandsfußballwart Jürgen Radeck folgen sollte.

Wenn es um die Gründe seines Rücktritts geht, will Bausch auf OP-Nachfrage nicht ins Detail gehen, obwohl er eigentlich dafür bekannt ist, auch in der Öffentlichkeit seine Ansichten kundzutun. Doch der 51-Jährige wolle „keine schmutzige Wäsche waschen“, betont er. Es sei „die Summe der Vorfälle“, die ihn zu diesem Schritt veranlasst hätten.

„Es gibt einige wenige Funktionäre, die taktieren, intrigieren, beleidigen“, wird der Waldbrunner aber dann doch deutlich – auch wenn er die Personen, die er damit meint, nicht näher benennen möchte. Doch klar ist: Ein Großteil kommt aus der Fußballregion Wiesbaden, Bauschs Heimatregion. „Die Art des Umgangs beim DFB, HFV und in anderen Landesverbänden ist nicht in Ordnung. Es muss ein Umdenken im gegenseitigen Umgang stattfinden“, fordert Bausch.

Das Fass zum Überlaufen brachte für ihn die Wahl eines neuen Beauftragten für die Region Wiesbaden Ende vergangener Woche. Diesen Posten hatte Bausch bisher inne. Weil er auf dem – wegen Corona seit Juni 2020 verschobenen – Verbandstag zum Nachfolger von Radeck gewählt werden sollte, war ursprünglich geplant, die Wahl des Regionalbeauftragten Wiesbaden kurz vor dem Verbandstag stattfinden zu lassen. Doch die Wahl wurde vorgezogen – ohne Bausch dazu einzuladen.

Dies bedeutet gleichzeitig, dass Bausch nicht nur dieses Amt – das er ohnehin abgegeben hätte –, sondern zugleich die Klassenleitung der Gruppenliga Wiesbaden vorzeitig los ist. Der 51-Jährige spricht von „Machtspielen“, die er nicht weiter mitmachen wolle und fühlt sich „seit Einführung der Reserven in Konkurrenz einer Hetzjagd ausgesetzt“ – wenngleich er nach seinem Rücktritt auch viel Solidarität von Funktionären und Vereinsvertretern erfahren habe.

Radeck gehört zu jenem Personenkreis, der Bauschs Abgang bedauert, denn: „Matthias hat unwahrscheinlich viel für die Entwicklung des Hessenpokals getan“, sagt der Ortenberger über seinen früheren Stellvertreter, der nun also nicht auf Radeck folgt. Dass Radeck trotz seines schon vor der Pandemie angekündigten Rücktritts aus privaten Gründen nun weitermacht – ausgeschlossen. „Es bleibt alles beim Alten“, macht der scheidende Verbandsfußballwart auf Nachfrage deutlich: „Ich habe das Amt 15 Monate länger ausgeübt als geplant, weil ich den Verband nicht hängenlassen wollte.“

Am kommenden Mittwoch steht eine Videokonferenz mit Radeck und den Regionalbeauftragten an. Dabei soll es nicht nur um die Planung des Hessenpokals gehen, der während der Austragung der heutigen Halbfinals und kurz vor dem Endspiel am 29. Mai plötzlich ohne Spielleiter dasteht; auch soll erörtert werden, wie die Vergabe der vakant gewordenen Ämter aussehen könnte. „Eventuell fühlt sich ja jemand berufen“, sagt Radeck.

Jörg Wolf, Beauftragter für die Region Gießen / Marburg, geht davon aus, dass bei dieser Sitzung zumindest ein neuer Stellvertreter Radecks gewählt wird. Der 64-jährige Cölber macht klar, dass er selbst keine Ambitionen auf ein weiteres Amt hegt. Er sagt aber auch: „Ich scheue mich nicht vor Verantwortung. Wenn man mich vorschlagen würde, könnte ich mir vorstellen, bis zum Verbandstag, der im September stattfinden soll, das Amt des stellvertretenden Verbandsfußballwartes auszuüben.“

Als neuen Verbandsfußballwart sieht Wolf aber eine jüngere Person, „die das Amt in den nächsten acht bis zwölf Jahren innehat“, sagt Wolf mit Blick auf wichtige Projekte wie Spielklassen- oder Strukturreform, die umgesetzt werden müssten.

Von Marcello Di Cicco