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Lokalsport Zwei Schicksalsschläge und ein Siegtor
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20:05 01.11.2019
Emsdorfs Martin Engelhardt jubelt über einen Treffer gegen Kirchhain. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Als Martin Engelhardt den Ball in der 91. Minute zum Siegtreffer über die Torlinie beförderte, kam er kaum zum Jubeln, da Teamkollege Daniel Marczoch in bester Football-Manier das Tackle setzte und den 23-Jährigen zu Boden riss. Augenblicke später war Engelhardt unter einem Haufen von Mitspielern, Trainern und sogar Zuschauern begraben. Die Ekstase lag aber nicht nur daran, dass es das 1:0 im Topspiel gegen den SC Gladenbach am vergangenen Sonntag war.

Alle Emsdorfer wussten, dass es um mehr ging, weil es ausgerechnet Engelhardt war. Ein junger Mann, der es in den vergangenen Monaten nicht leicht hatte und Stärke zeigen musste. Vor drei Monaten verstarb seine Mutter, vergangene Woche verlor er seinen Vater. Dass das Leben ihm zwei Tiefschläge hintereinander verpasst hat, will er aber nicht in der Öffentlichkeit breit getreten sehen. „Ich hoffe, er hat es ‚von oben‘ gesehen. Vielleicht hat er ja auch in der Situation ein bisschen eingegriffen. Ich widme ihm dieses Tor“, sagt Engelhardt über seinen Vater.

Er ist sich sicher: Solche Geschichten schreibe nur der Fußball. Zwischen Vater und Sohn drehte sich viel um Deutschlands Sport Nummer eins – zwei Fußballverrückte. „Das hört sich vielleicht blöd an, aber ich vermisse die Gespräche über den Sport“, sagt der gelernte Raumausstatter.

Vielleicht wird es ja in dieser Saison etwas mit einer grün-weißen Meisterfeier und dem Aufstieg in die Gruppenliga. Der SVE dürfte nämlich erneut ein gewichtiges Wort im Aufstiegskampf mitreden und dank Engelhardts spätem Treffer blickt Emsdorf in der Tabelle auf den Rest der Kreisoberliga hinab.

„Wer ambitionierter Sportler ist, der will natürlich den Platz an der Sonne verteidigen“, versichert der 23-Jährige aus Bürgeln. Vor allem deshalb, weil Grün-Weiß in den vergangenen Jahren mehrmals knapp scheiterte.

Engelhardt spielt aber nicht nur, sondern er lässt auch spielen. Als Teil eines Duos trainiert er die B-Junioren des FV Wehrda. Dort kann er etwas bewegen und trotz seines jungen Alters viel Wissen weitergeben: „Es macht mir Spaß, Menschen wachsen zu sehen – fußballerisch und charakterlich.“ Dazu gehört auch die nötige Wesensfestigkeit, Tiefschläge ertragen zu können und nicht k.o. auf die Bretter zu gehen. Denn für Engelhardt ist Fußball auch Erwachsenenbildung.

von Benjamin Kaiser