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Lokalsport Junge Fußballerinnen suchen ihr Glück in der Ferne
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21:24 29.07.2021
Romy Vollmerhausen (links) und Marie Pietschmann spielen künftig in der B-Juniorinnen-Bundesligamannschaft des FSV Hessen Wetzlar.
Romy Vollmerhausen (links) und Marie Pietschmann spielen künftig in der B-Juniorinnen-Bundesligamannschaft des FSV Hessen Wetzlar. Quelle: Foto: Bodo Ganswindt
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Marburg

Der FSV Hessen Wetzlar grast weiter in den fruchtbaren Gründen des hiesigen Raumes auf der Suche nach talentierten Fußballerinnen. Auch die TSG Hoffenheim ist aufmerksam geworden auf begabte Mädchen und junge Frauen aus dem Raum Biedenkopf-Marburg.

Drei von ihnen haben Angebote angenommen, bereiten sich seit Anfang Juli auf die Saison vor, die am 14. August beginnt, und kicken künftig mit erstem Spielrecht als B-Juniorinnen in der Bundesliga Süd. Die Historie ihres fußballerischen Werdens ist vergleichbar, zumal sie ein großes Stück des Weges gemeinsam beim Jugendförderverein (JFV) Ebsdorfergrund gegangen sind. Die Jüngste von ihnen ist Marie Pietschmann. Die 14-Jährige stammt aus Stausebach und besucht nach den Sommerferien die 9. Klasse des Gymnasiums der Alfred-Wegener-Schule (AWS) in Kirchhain. „Ich spiele Fußball seit meinem vierten Lebensjahr“, sagt sie.

Zweitspielrecht für den JFV Ebsdorfergrund

Durch ihren älteren Bruder Niklas sei sie motiviert worden, hat sich beim TSV Kirchhain angemeldet, spielt dort als einziges Mädchen mit den Jungs und wechselt später in die D-Jugend des TSV Eintracht Stadtallendorf und dann zum JFV Ebsdorfergrund, wo es reine Mädchenmannschaften gibt. Dort hat die Offensivspielerin noch immer ein Zweitspielrecht, nachdem sie sich für Hessen Wetzlar entschieden hat. Insgesamt trainiert sie viermal pro Woche eineinhalb Stunden. Hinzu kommen die Wochenendspiele für Wetzlar, wo sie in einem Probetraining einen guten Eindruck hinterlassen hat.

In der verbleibenden Freizeit trifft sich die Hessenauswahlspielerin gerne mit Freundinnen und Freunden und absolviert stattliche Strecken auf Inlinern. Jetzt locken Spiele gegen große Gegner. Zum Auftakt geht es im Wetzlarer Stadion gegen Eintracht Frankfurt. Es warten überdies Teams wie Bayern München und TSG Hoffenheim. „Mein Ziel ist es, in der Bundesliga zu bleiben“, beschreibt sie ihre Ambitionen. Die 16-jährige Romy Vollmerhausen wohnt in Anzefahr. Auch sie geht auf das Gymnasium der Kirchhainer AWS, wo sie nach dem Sommer die 11. Klasse besucht. Die AWS ist eine Schule mit Schwerpunkt Sport und kooperiert im neuen Schuljahr mit dem JFV Ebsdorfergrund. „Ich wollte schon immer Fußball spielen“, betont Romy. 2010 verdient sie sich beim SV Großseelheim die ersten fußballerischen Sporen, indem sie sich an der Seite der Jungs behauptet. Ab der D-Jugend geht der SV auf in der Jugendfußballvereinigung (JFV) Ohmtal, in der auch der Nachwuchs aus Kirchhain spielt.

Seit 2015 gehört Romy dem JFV Ebsdorfergrund an und erreicht mit dem Verein in der D- und C-Jugend jeweils den Aufstieg in die Gruppenliga. „Dass ich Fußball spiele, ist von meiner Umgebung nie als außergewöhnlich empfunden worden. Es ist halt so“, beschreibt sie die für sie selbstverständliche Situation. Gemeinsam mit Marie spielt die Linksfüßlerin überdies in der Regionalauswahl Gießen-Marburg und in der Kirchhainer Schulmannschaft, die beim Hessen-Entscheid „Jugend trainiert“ den zweiten Platz belegt hinter dem Frankfurter Elite-Internat Carl-von-Wemberg-Schule, das in der Regel auch bundesweit alle Titel abräumt. Romys bevorzugte Spielposition ist die der defensiven Spielerin hinten links. Vom 6. bis 8. August geht sie mit ihren Kolleginnen in ein Trainingslager in Wetzlar, während dem sie im Hotel untergebracht sind. „Dort wird uns auch der neue Trainer vorgestellt“, sagt sie voller Vorfreude. Auch sie gibt den Klassenerhalt als ihr Saisonziel an.

Dritte im Bunde ist die 16-jährige Janna Grimm aus Michelbach. Ihre schulische Ausbildung erfährt sie an der Elisabeth-Schule in Marburg, wo sie jetzt in die 10. Klasse kommt. „Ich habe schon als Kleinkind gerne Fußball gespielt“, sagt sie. Von 2014 bis 2019 geht sie ihrer Neigung bei der JSG Lahntal nach, wechselt dann zum JFV Ebsdorfergrund und spielt ab 2019 beim TSV Stadtallendorf mit Marie in der dortigen B-Jugend. Janna orientiert sich weiter nach oben.

„Ich wollte auf jeden Fall in die U-17-Bundesliga. Meine Eltern haben die TSG Hoffenheim angeschrieben. Dort hätte ich später die Möglichkeit, in der 2. Frauenbundesliga der U 20 zu spielen.“ Ihr Ziel sei es, einmal in der ersten Frauenmannschaft der TSG zu spielen. Auch andere Vereine sind an ihr interessiert. „Aber das Konzept in Hoffenheim passt mir am besten.“ Die Hessenauswahlspielerin wagt den großen Schritt. Ein- bis zweimal pro Woche trainiert sie in Hoffenheim und spielt mit ihrem Team am Wochenende. Weitere Einheiten absolviert sie in Stadtallendorf und am DFB-Stützpunkt Marburg. Das alles geschieht in Absprache mit dem Hoffenheimer Trainer. Sie hat einen durchgetakteten Tagesablauf, der nicht immer einfach zu bewältigen ist. Alle drei Mädchen werden nach Kräften von ihren Eltern unterstützt, die vor allem die mehr oder weniger langen Fahrten zu den jeweiligen Trainings- und Spielorten übernehmen. Überdies erhalten sie Hilfestellung vom JFV Ebsdorfergrund, namentlich durch das Trainerteam bestehend aus Solveig Freitag-Sachwitz, Mark Parson und Rainer Beckmann, die das Potenzial ihrer Schützlinge erkannt und dieses weiterentwickelt haben.

Von Bodo Ganswindt