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10:58 30.03.2022
Marcel Berlin zeigt am Brunnen beim Rudolphsplatz sein Können im Parkour.
Marcel Berlin zeigt am Brunnen beim Rudolphsplatz sein Können im Parkour. Quelle: Leonie Rink
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Marburg

Sie springen an Wänden herauf, klettern über Mauern, kommen federleicht auf der anderen Seite wieder zum Stehen: Die Rede ist von Parkour-Läufern. Ein Marburger, der diesen Sport ausübt, ist Marcel Berlin. Der Erzieher begann im Alter von 15 Jahren „zufällig“ mit dem Parkour. „Ein Freund hat Parkour-Videos im Internet gesehen und dadurch Lust bekommen, das auszuprobieren. Dann hat er mir das gezeigt, und wir haben es ausprobiert“, sagt Berlin. Aus dem Probieren wurde eine Leidenschaft, die sich bis heute hält.

Damit das aber nicht auf die Knochen schlägt, macht sich der 26-Jährige vor jedem Training kurz warm. „In elf Jahren bin ich zweimal umgeknickt, da hatte ich ein Bänderriss. Einmal bin ich blöd auf eine Ecke gefallen und hatte einen Mittelfußbruch. Aber das war alles“, berichtet der gebürtige Marburger und ergänzt: „Aufwärmen ist super wichtig. Man hat eine Belastung für die Gelenke. Gerade für die Handgelenke, wenn ich die vorher mal durchbewege. Also in alle Richtungen dehne, dann sind die Gelenke vorbereitet.“

Drei Trainingsgruppen beim TSV

Zudem sieht der Fachbereichsleiter für Allgemeines Turnen vom TSV Ockershausen einen Vorteil am Sport: „Wenn wir hinfallen, wissen wir, wie wir uns abrollen können, damit wir uns nicht verletzen.“ Zudem werde Parkour in den eigenen Alltag eingebaut. Wenn zum Beispiel ein Geländer vor ihm sei, dann springe er drüber und laufe nicht drum herum.

Beim TSV Ockershausen, bei dem Berlin seit 2016 Übungsleiter ist, bringt er drei Gruppen, deren Teilnehmenden zwischen sechs Jahren und im Erwachsenenalter sind, Parkour bei. „Die Kids bei mir in der Gruppe sind auch nicht gezwungen, jede Woche am Training teilzunehmen – liegt aber auch daran, dass wir keinen Wettkampfbetrieb haben“, erklärt er.

Sport soll Spaß machen

Dies folgt auch einer Philosophie des Trainers selbst: Der Sport soll Spaß machen. „Hauptsächlich geht es beim Parkour darum, sich zu treffen oder auch alleine zu trainieren. Dabei Spaß an Bewegung zu haben und neue Sachen zu lernen. Vor allem aber auch das Überwinden von Hindernissen, was überall geht“, sagt Berlin. Das geht wirklich fast überall. Egal, ob in der Stadt oder in der Sporthalle.

„Ob jemand lieber in einer Halle oder im urbanen Raum Parkour ausübt, ist eine Geschmackssache. Ich trainiere viel lieber draußen, auch wenn das Wetter nicht super sein sollte oder es mal nass ist. Es ist aber auch schön, die Möglichkeit zu haben, in eine Turnhalle zu gehen“, sagt der Erzieher und erinnert an den Corona-Lockdown, als die Sporthallen geschlossen waren.

Trainingsmöglichkeiten für Parkour in Marburg

Nichtsdestotrotz ist er selbst durchschnittlich drei- bis viermal in der Woche draußen. „Im Sommer ist es teilweise jeden Tag, auch wenn es nur mal kurz ist. Wenn es Winter ist, dann ist es nur zwei- oder dreimal die Woche“, sagt Berlin.

In diesem Zusammenhang sei der im August des vergangenen Jahres eröffnete Parkour am Stadtwald ein Meilenstein. „Dort trainieren wir gerne, weil es dort Stangen gibt, die man in der Stadt sonst nicht findet. Sonst trainiere ich auch gerne am Brunnen beim Rudolphsplatz, weil es einige Mauern und viele Möglichkeiten gibt. Man kann hier viel hin und her springen“, sagt der 26-Jährige und räumt in diesem Zuge auch mit dem Irrglauben auf, dass kleine Menschen Schwierigkeiten bei diesem Sport haben.

Keine Ausreden!

„Ich habe einen Freund, der ungefähr 1,60 Meter groß ist. Der kommt einige Mauern besser hoch als ich, weil er eine bessere Technik hat. Er hat mehr Power im Bein, und Größe wird bei uns gerne als Ausrede genommen. Selbstverständlich gibt es gewisse Vor- und Nachteile, aber das macht keinen großen Unterschied“, sagt Berlin.

Denn in einer Sache ist sich der Marburger sicher: Parkour ist für jeden Menschen da.

Von Leonie Rink