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Lokalsport Für Lena Rasenat „genau der richtige Sport“
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10:00 08.10.2021
Lena Rasenat vor dem Training am Dienstag. Morgen will die Kapitänin mit dem Team Rugby-Union Marburg beim Heimturnier auf den Afföllerwiesen möglichst erfolgreich sein.
Lena Rasenat vor dem Training am Dienstag. Morgen will die Kapitänin mit dem Team Rugby-Union Marburg beim Heimturnier auf den Afföllerwiesen möglichst erfolgreich sein. Quelle: Foto: Stefan Weisbrod
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Marburg

Mit Versuchen und Kicks Punkte machen und gewinnen – klingt simpel. Tatsächlich ist Rugby alles andere als einfach, es gibt eine Vielzahl von Regeln. Allein der Versuch, die wichtigsten in diesem Artikel zu schildern, würde den Rahmen sprengen. Lena Rasenat hat einen Tipp für alle, die wissen – und sehen – wollen, wie es läuft: An diesem Samstag richtet die Rugby-Union Marburg (RUM) auf ihrem Platz auf den Afföllerwiesen im Norden der Stadt ein Turnier der Siebener-Frauenliga aus. „Wir freuen uns über alle, die zuschauen möchten“, sagt die Marburger Kapitänin.

Seit fast sechs Jahren spielt die 25-Jährige Rugby. Ein Kommilitone, ihr heutiger Teamtrainer Ulf Schacht, hatte immer wieder versucht, sie und drei Freundinnen zu überreden, das Training des Frauenteams zu besuchen, es auszuprobieren. „Das hat er ein halbes Jahr gemacht. Wir sind dann einfach mal hingegangen, vor allem damit er die Klappe hält“, erzählt Rasenat und lacht. Ergebnis: Alle Vier blieben dabei.

Warum? Für sie sei es „genau der richtige Sport“, sagt die Doktorandin. „Klick gemacht“ habe es bei einem Tacklespiel mit speziellen Figuren. „Mit denen übt man, bevor man tatsächlich Menschen tackelt“, erklärt Rasenat. „Als ich zum ersten Mal in so eine hineingelaufen bin, habe ich gemerkt, okay, das macht mir Spaß.“ Vorher hatte sie Kampfsport ausprobiert, auch verschiedene Teamsportarten wie Handball und Fußball. Rugby sei für sie die „perfekte Mischung“. Eines ist ihr wichtig zu betonen: „Es ist ein harter Sport, aber kein brutaler oder unfairer. Auf dem Spielfeld schenkt man sich im Rahmen der Regeln nichts, aber sobald das Spiel vorbei ist, sind alle cool miteinander.“ Die „Kultur dahinter“, sagt sie, gefalle ihr.

Lernen, Entscheidungen zu treffen

Mehr Mädchen und Frauen sollten Rugby spielen, meint sie, wirbt dafür – alles andere würde auch überraschen. Was sind ihre Argumente? „Man lernt viel über den eigenen Körper, lernt Dankbarkeit für das, was er aushält und was er leisten kann.“ Auch lerne man, Entscheidungen zu treffen, „weil es ein Spiel ist, bei dem jeder auf dem Platz Verantwortung hat“. Zudem übe man „einen tollen Sport“ aus, „bei dem man als Team zusammenwächst. Bei uns wird jede so genommen, wie sie ist.“ Wer in Marburg mitmachen will, „soll einfach mal zum Training kommen“. Das ist dienstags und donnerstags jeweils um 19 Uhr auf dem Rugbyfeld auf den Afföllerwiesen, direkt neben dem Fußballplatz des FC Waldtal.

Gespielt wird Siebener-Rugby, die olympische Variante des Sports mit sieben statt 15 Aktiven pro Team auf dem Feld. Grob beschrieben: Es gibt drei Stürmerinnen, die im sogenannten „Gedränge“ stehen – für Rasenat nicht das Richtige: „Dafür bin ich nicht stark genug.“ Drei Spielerinnen bilden die „Reihe“, sie werden angespielt, sollen Punkte machen. Rasenat ist meist die Person in der Mitte, „Nummer neun“ genannt: „Ich spiele den Ball ins Gedränge, hole ihn auch wieder raus, passe auf die Reihe“, beschreibt sie ihre Hauptaufgabe.

Gut ein Dutzend Spielerinnen mit Turniererfahrung gehören zum RUM-Team, ein paar weitere haben mittrainiert, sind aber bislang noch nicht im Wettbewerb zum Einsatz gekommen. „Wenn alle da sind, wären wir fast 20“, erklärt Rasenat. Es sind aber nie alle da. Deshalb spielen Marburgerinnen und Gießenerinnen in einer Spielgemeinschaft. Sie treten in der Nordwest-Staffel der deutschen Liga an. Die wird seit Jahren vom RSV Köln dominiert, auch in dieser Saison der Favorit. „Dann kommt Eintracht Frankfurt und dann kommen wir“, sagt die Kapitänin des mittelhessischen Teams zur Leistungsfähigkeit. Platz drei beim Heimturnier ist daher das Minimalziel – etwas mehr darf es aber gern werden.

Los geht es am Samstag um 11 Uhr. Das erste Spiel der SG Marburg/Gießen ist für 12.10 Uhr geplant.

Marburger Männer holen "Handkäscup"

Nicht nur Frauen spielen bei der Rugby-Union Marburg, es gibt auch eine 15er-Männermannschaft – die ist mit einem Sieg in die aktuelle Saison gestartet und hat dabei den „Handkäscup“ zum ersten Mal seit März 2012 nach Marburg geholt. Den gibt es für den Gewinner des Derbys gegen Gießen. Mit 36:31 setzte sich das RUM-Team durch.

Dabei lagen die Gießener zu Beginn in Führung, Robin Nostadt antwortete aber mit einem Versuch, der fünf Punkte einbrachte. Nachwuchsspieler Akim Schmidt, der später nach einem Schlag medizinisch behandelt werden musste, sowie Steve Landow legten nach. Gießen kam nach der Pause wieder heran, Ulf Schacht und Fabian Lieberum machten es erneut deutlicher. Weil Lieberum zudem ein Strafkick und insgesamt vier Erhöhungen gelangen, nutzte den Gießenern ihre Aufholjagd in der Schlussphase nichts mehr.

Von Stefan Weisbrod