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Lokalsport Unger will mit Umbruch zu neuen Ufern
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00:18 28.10.2018
Patrick Unger gibt die Richtung vor – seit September auch als Bundestrainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Bundestrainer Unger, der auch das Bundesligateam BC Pharmaserv Marburg trainiert, hat ein kurzfristiges Ziel: Er will die beiden noch anstehenden EM-Qualifikationsspiele am 17. November (19.30 Uhr) in Marburg gegen Belgien und vier Tage später in Wolfenbüttel gegen die Schweiz gewinnen – und damit einen Schub mitnehmen in seine Tätigkeit als Bundestrainer, die zunächst befristet ist bis März 2019.

Unger ist sich bewusst, dass selbst zwei Siege mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht reichen werden, um die EM-Qualifikation zu überstehen. Deutschland ist in der Gruppe C (insgesamt gibt es acht Gruppen) derzeit hinter Tschechien und Belgien nur Gruppendritter.

Neben allen Gruppensiegern kommen nur noch die besten sechs Gruppenzweiten weiter. Deutschland kann nach Punkten mit Belgien nur noch gleichziehen und müsste schon den direkten Vergleich gewinnen, um die Belgierinnen zu überflügeln. Das dürfte kaum zu schaffen sein. Das Hinspiel endete 60:103 aus deutscher Sicht.

Unger setzt auf jüngere Spielerinnen

Patrick Unger geht es freilich um mehr als nur um einen erfolgreichen Start als Bundestrainer. Er will das Team herausführen aus dem Schattendasein. Die Frauen des deutschen Basketball-Bundes belegen in der Weltrangliste lediglich Platz 58 (Stand: 1. Oktober), in der europäischen Rangliste nur Rang 21. Hinter den USA ist Spanien Weltranglisten-Zweiter, Frankreich folgt auf Rang vier, Serbien ist Achter.

„Ich will nicht an alten Gewohnheiten festhalten, sondern vielmehr mit ihnen brechen“, sagt Unger. Dies bedeutet im Kern: Unger setzt künftig vorrangig auf jüngere Spielerinnen. Er kann sich durchaus vorstellen, das Amt des Bundestrainers auch über März 2019 hinaus auszuüben.
Schließlich ist sein geplanter Umbruch nicht kurzfristig zu bewerkstelligen.

Spielerin aus WNBA-Kader im Team

„Da geht es um Kontinuität, um eine mittelfristige Entwicklung. Das geht nicht von heute auf morgen“, sagt Unger, der optimistisch ist, dass sich nach und nach auch mehr Erfolge einstellen werden. Mit zu diesem Optimismus trägt der jüngste Erfolg der U-18-­Nationalmannschaft bei. Sie wurde in diesem Jahr erstmals Europameister. Zunächst geht es jedoch darum, sein Team auf die beiden Spiele gegen Belgien und die Schweiz einzustellen.

Die Vorbereitungen laufen – zunächst am Schreibtisch und am Telefon. Da sich Unger erst eine Woche vor dem Belgien-Spiel mit dem Team trifft, gibt es derzeit vorrangig viele Gespräche mit den Spielerinnen und Bundesliga-Trainern. Darüber­ hinaus werden Ideen innerhalb des deutschen Coaching-Teams ausgetauscht und entwickelt. Als erste Amtshandlung gab er nun seinen Kader für die beiden EM-Qualifikationsspiele bekannt.
Mit dabei sind selbstverständlich auch Spielerinnen „seiner“ Blue Dolphins. Im Kader steht auch Maria Gülich. Sie ist nach Linda Fröhlich erst die zweite deutsche Spielerin, die den Sprung in die WNBA der USA geschafft hatte.

von Michael E. Schmidt

Der deutsche Kader

Marie Bertholdt (BC Pharmaserv Marburg), Levke Brodersen (Sheffield Hatters/ENG), Svenja Brunckhorst (TSV Wasserburg), Ama Degbeon (Basket Umea/SWE), Leonie Fiebich (TSV Wasserburg), Sonja Greinacher (Basket 90 Arka Gdynia/POL), Svenja Greunke (Toulouse Metropole Basket/FRA), Marie Gülich (Reyer Venezia/ITA), Laura Hebecker (TSV Wasserburg), Finja Schaake (BC Pharmaserv Marburg), Emma Stach (Rutronik Stars Keltern), Stephanie Wagner (BC Pharmaserv Marburg), Alexandra Wilke (BC Pharmaserv Marburg).