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Lokalsport Olympische Spiele? Dafür muss alles passen!
Sport Lokalsport Lokalsport Olympische Spiele? Dafür muss alles passen!
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14:18 15.06.2022
Reiter David Will mit dem zehnjährigen Hengst Caracho.
Reiter David Will mit dem zehnjährigen Hengst Caracho. Quelle: Stefan Weisbrod
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Dagobertshausen

Gibt es auch mal Momente, in denen er Pferde nicht mehr sehen kann, in denen er Abstand braucht? „Nein, nie.“ David Will liebt, was er macht. „Das muss man auch, sonst ist das nicht der richtige Beruf“, sagt der 34-Jährige im Gespräch mit der OP. Allein 30 bis 40 Stunden pro Woche sitzt der Wahl-Marburger im Sattel, das ist schon ein Vollzeitjob. Damit ist es längst nicht getan: Dazu kommen unter anderen die Arbeit rund ums Pferd, Unterricht von Schülerinnen und Schülern, nötige Büroarbeit und nicht zuletzt auch Reisen. Unterwegs ist er regelmäßig, an diesem Mittwoch (15. Juni) etwa geht’s ins polnische Posen.

Einst mit dem Vater, jetzt mit der Tochter erfolgreich

Der Reitsport ist dem gebürtigen Bayer in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern hatten eine Reitschule, er selbst saß schon als Baby auf dem Pferd. Seit er neun Jahre alt ist, reitet er regelmäßig, auf dem höchsten Niveau kam er aber recht spät an, gewann erst mit 23 Jahren seine erste Springprüfung der Klasse S: „Was das angeht, bin ich ein Spätzünder gewesen.“

Weitere Erfolge, sogar Siege bei Fünf-Sterne-Springen ließen nicht lange auf sich warten. Der Große Preis jüngst beim Pfingstturnier in Wiesbaden gehörte zwar „nur“ zur Vier-Sterne-Kategorie, „aber das ist die herausragende Prüfung bei einem der herausragenden Turniere in Deutschland“, macht Will deutlich, welchen Stellenwert der Sieg in der hessischen Landeshauptstadt für ihn hat.

Errungen hat er ihn mit Concordia, einer Tochter von Colorit, auf dem er 2013 seine erste Fünf-Sterne-Prüfung gewonnen hatte und der später von Christian Ahlmann geritten wurde. „Da hat sich ein Kreis geschlossen“, sagt Will, der mit der zehnjährigen Stute noch einige Erfolge feiern möchte – das ist auch, was der Eigentümer des Pferdes will.

Für ein anderes Land reiten möchte er nicht

Nicht immer ist das so: Vor wenigen Wochen ist C Vier, das vorherige Toppferd Wills, verkauft worden. Der Reiter sollte den Wallach ausbilden, ein Verkauf ist von Beginn an das Ziel des Eigentümers gewesen. „Es kam also nicht überraschend“, sagt Will, macht aber keinen Hehl daraus: „Es tut trotzdem weh.“

Ist Concordia jetzt die „Nummer eins“ im Stall? „Sie gehört zu den Top drei.“ Ob sie, ob vielleicht eines der anderen Pferde vom Hofgut in Dagobertshausen 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris dabei ist? Ob Will dann im Sattel sitzt? „Natürlich ist das eines der höchsten Ziele, die man haben kann“, antwortet er. Und natürlich ist es der Traum, den er gern wahrmachen würde. Im vergangenen Jahr wäre er der erste Nachrücker gewesen, wäre vor den Spielen in Tokio jemand aus dem deutschen Quartett ausgefallen. Dazu kam es nicht.

Um in gut zwei Jahren selbst zum Quartett zu gehören, sagt er, „muss wahnsinnig viel zusammenpassen. Ich bin ja nicht alleine. Es geht immer um ein Paar“ – aus Reiter und Pferd. Und die Konkurrenz ist groß: „Deutschland ist nach wie vor eine Reitsportnation.“ Ihm ist schon angeboten worden, für ein anderes Land zu starten. „Aber das ist nichts für mich. Wenn, dann will ich es hier schaffen.“

Olympia ist aber ohnehin auch zeitlich noch weit weg. David Wills Fokus liegt daher auf den nächsten Turnieren, jetzt auf dem in Posen, das am Donnerstag beginnt. Und nächste Woche geht es dann in Mailand weiter.

Von Stefan Weisbrod