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Lokalsport Schiri Christof Günsch pfeift wieder
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08:57 06.06.2020
Gelbe Karte mit Abstand und vor leeren Rängen: Schiedsrichter Christof Günsch verwarnt Aues Dennis Kempe. Quelle: Sven Sonntag/Imago
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Marburg

Er tritt mit seinen Assistenten aufs Spielfeld, links und rechts von ihnen folgen die beiden Mannschaften: elf Spieler von Gastgeber Erzgebirge Aue, elf Spieler aus Darmstadt.

Dass Christof Günsch in einem Zweitliga-Spiel überhaupt den SV 98 und damit ein hessisches Team pfeifen darf, ist bereits der außergewöhnlichen Situation geschuldet. Wirklich offenbart wird die aktuelle Lage aber auf den Tribünen: Wo sonst Tausende sitzen und stehen, ist alles verwaist.

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Für Schiedsrichter Günsch „schon ein bisschen komisch“, wie er im Gespräch mit der OP schildert. Trotzdem: „Es ist ein richtig gutes Gefühl, wieder zurück im Stadion zu sein.“

Mehr als zwei Monate lang hatte in Deutschland aufgrund der Corona-Pandemie kein einziges Fußballspiel stattgefunden – weder im Profi- noch im Amateurbereich. Inzwischen rollt der Ball seit ein paar Wochen wieder in erster und zweiter Liga, seit vergangenem Wochenende auch in der dritten Liga.

Lange Sommerpause vorverlegt

Dort pfiff Günsch, der aus Battenberg stammt, in Marburg gelebt und studiert hat und inzwischen mit seiner Freundin Janine in Berlin wohnt, am 31. Mai die Partie von Eintracht Braunschweig gegen Viktoria Köln (4:2). Das Zweitliga-Spiel in Aue vier Tage zuvor, das die Gäste aus Darmstadt nach Rückstand mit 3:1 für sich entschieden, war Günschs erster Einsatz als Spielleiter nach fast genau drei Monaten.

Zuvor war er bereits beim Dortmunder 2:0-Sieg in Wolfsburg als Schiedsrichterassistent und am Neustart-Spieltag Mitte Mai als Vierter Offizieller beim Freiburger 1:1 in Leipzig dabei. Die vielen Ansetzungen binnen kurzer Zeit stören ihn nicht – im Gegenteil: „Ich hatte ja meine Sommerpause quasi schon. Und die war sehr lang.“

Die Unterbrechung habe auch ihr Gutes gehabt, erzählt er. So habe er viel Zeit mit seiner Freundin verbringen können. Aber der Fußball hat ihm gefehlt.

Auch Schiris werden regelmäßig getestet

Günsch hielt sich individuell fit – auch wenn das manchmal gar nicht so einfach war: Weil in den Parks in Berlin tagsüber trotz der Pandemie oft viel los war, ging er meist erst spät abends laufen, um den nötigen Sicherheitsabstand einhalten zu können. „In Marburg und vor allem in Battenberg wäre das sicherlich einfacher zu machen gewesen“, der 34-Jährige, der recht zentral in Friedrichshain wohnt, mit einem Schmunzeln.

Wie die Spieler und Verantwortlichen der Clubs werden auch die Referees regelmäßig auf das Coronavirus getestet. Einige Tage vor dem ersten Spieltag nach der Pause fand ein erster Test statt, seitdem wird jeweils am Tag vor einem Einsatz ein Abstrich genommen. „Das dauert ein paar Sekunden“, erklärt Günsch.

Änderungen für die Ansetzungen

„Wenn man am Spieltag dann in der offiziellen Ansetzung steht, weiß man, dass alles in Ordnung ist.“ Bislang veröffentlichte der DFB bereits einige Tage vor einem Spiel, welche Referees wo zum Einsatz kommen. Nun werden die Ansetzungen erst am jeweiligen Spieltag, wenn der negative Test-Befund vorliegt, bestätigt und kommuniziert.

Auch ansonsten bringen die von der Politik bewilligten Konzepte der DFL und des DFB ein paar Änderungen für die Schiedsrichter mit sich: Günsch, der nach wie vor für den SV Reddighausen aktiv ist, der der Schiedsrichtervereinigung Frankenberg und damit dem Hessischen Fußball-Verband angehört, darf nun eben ausnahmsweise auch hessische Clubs in überregionalen Ligaspielen pfeifen – so wie Darmstadt in Aue, was für ihn „auf dem Platz gar keinen Unterschied macht“.

Anreise in den „Video-Keller“ denkbar

Ein weiterer Punkt: Es ist nicht mehr zwingend nötig, dass die Unparteiischen bereits am Vortag eines Spiels anreisen. Dafür werden sie nun möglichst wohnortnah angesetzt – im Fall von Günsch bisher für die Spiele in Leipzig, Wolfsburg, Aue und Braunschweig.

Für Partien etwa in Freiburg oder in München dürfte der Wahl-Berliner zurzeit nicht infrage kommen. Aber als Video-Assistent könnte er angesetzt werden, müsste dafür nach Köln reisen. „Dann wäre auch eine Anreise am Vortag denkbar“, sagt der studierte Politikwissenschaftler.

Mit dem Anpfiff macht’s keinen Unterschied

Vorerst sind auch die festen Gespanne – der Cölber Julius Martenstein ist normalerweise meist einer von Günschs Assistenten bei Zweitliga-Spielen – aufgehoben. „Natürlich“, meint Günsch, „ist es ein Vorteil, wenn man sich gut kennt.“ Probleme gebe es dadurch aktuell aber nicht: „Wir wissen alle, was wir zutun haben.“ Und sobald die Partie angepfiffen ist, mache es für ihn auch keinen Unterschied, ob Zuschauer im Stadion sind oder nicht.

„Dann ist man komplett auf das Geschehen auf dem Platz fokussiert.“ Am sportlichen Niveau, so sein bisheriger Eindruck, hat sich auch nichts Gravierendes geändert: „Vielleicht gab es an den ersten Spieltagen den ein oder anderen Abstimmungsfehler zwischen Spielern, der sonst nicht passiert wäre“, mutmaßt er. „Aber das Tempo und das spielerische Niveau sind genauso hoch wie vor der Pause.“

Von Stefan Weisbrod

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