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Lokalsport Masih Saighani will wieder in Bangladesch spielen
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15:42 09.11.2020
Masih Saighani (am Ball) in der Saison 2018/2019 im Trikot von Abahani Limited Dhaka. Läuft es, wie es sich der 34-Jährige wünscht, kehrt er bald zum Club aus der Hauptstadt Bangladeschs zurück. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Die Corona-Pandemie hat auch die Pläne von Masih Saighani durcheinandergewirbelt, für eine ungewollt lange Fußballpause gesorgt. Im März war er aus Indien nach Deutschland zurückgekehrt. Gern hätte er schon bald eine neue Herausforderung gesucht, sich irgendwo in der Welt einem Verein angeschlossen. Ein Club aus Thailand wollte ihn verpflichten, er wäre gern hingegangen. Es kam nicht dazu, Corona-bedingt gab es keine Arbeitserlaubnis. Einige Wochen genoss der Fußballprofi die eigentlich unerwünschte Ruhe, hatte viel Zeit für Angehörige und Freunde, traf sich mit ihnen, „soweit das bei der Lage möglich war“. Jetzt sieht’s aber so aus, dass der 34-Jährige, der in und um Marburg aufwuchs, bald wieder auf den Platz zurückkehrt. „Es wird Zeit!“

Saighani fühlt sich wohl – und fit. Und solange das so ist, solange er das Gefühl hat, seinen Sport und damit seinen Beruf auf hohem Niveau ausüben zu können, will er das auch machen. Deshalb, sagt er im Gespräch mit der OP, sei es für ihn auch „gar kein Thema“ gewesen, jetzt – im für einen Profisportler doch schon höheren Alter – einen Schlussstrich zu ziehen, etwas anderes zu machen. „Irgendwann“, weiß er, wird es soweit sein. Auch dann will er dem Fußball verbunden bleiben, Trainer werden. Noch aber ist für ihn „irgendwann“ weit weg. Und deshalb freut es sich auf sein zweites Engagement in Bangladesch, wieder bei Abahani Limited Dhaka.

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Vor Vertragsunterschrift sind noch Formalitäten zu klären

Beim Topclub aus der Hauptstadt des südasiatischen 165-Millionen-Einwohner-Landes ist der zwölfmalige afghanische Nationalspieler, der in Kabul geboren wurde, als Kind nach Deutschland kam und in Niederweimar mit dem Vereinsfußball begann (siehe Infobox), bereits in der Saison 2018/2019 aktiv gewesen – überaus erfolgreich: Er gewann mit der Mannschaft den Ligapokal und holte den zweiten Platz in der nationalen Meisterschaft. Dazu drang er mit dem Team bis ins Halbfinale des AFC-Cups, des asiatischen Gegenstücks zur Europa League, vor – eine Premiere für einen Club aus Bangladesch. Saighani überzeugte als Innenverteidiger, der sich offensiv immer wieder einbrachte, auch Tore erzielte.

„Ich habe mich in Dhaka und im Club immer wohl gefühlt“, erzählt er. Der Kontakt zu Trainer Mario Lemos riss nie komplett ab, in den vergangenen Monaten wurde er intensiver. „Er hat immer gesagt, dass er gerne hätte, dass ich wieder für seine Mannschaft spiele“, berichtet Saighani. „Und er wusste, dass ich gerne wieder für ihn spielen würde.“ Spieler und Coach sind sich einig, ein paar Formalitäten seien jedoch noch zu klären: „Noch ist es nicht fix. Aber ich hoffe, dass bald alles klar ist.“ Saighani jedenfalls ist optimistisch, dass der Vertrag bald vorliegt, er ihn unterschreiben kann – so optimistisch jedenfalls, dass er kein Problem hat, offen über den Stand der Dinge, seinen Wunsch der Rückkehr nach Bangladesch zu reden. Ende November, so sein Plan, will er zur Mannschaft stoßen. Die Saison soll Mitte Dezember mit dem Ligapokal beginnen, die ersten Meisterschaftsspiele sind für Januar geplant.

Teams aus Bangladesch in einer „Blase“ abgeschirmt

Wenn es losgeht, will Saighani „voll drin“ sein, wenigstens ein paar Wochen Vorbereitung mit der Mannschaft absolviert haben. Die fehlte ihm bei seiner vorherigen Station in Indien aufgrund von Visa-Schwierigkeiten. „Wenn die Saison läuft, kannst du das nicht aufholen“, nennt er einen der Gründe, warum es für ihn beim Chennaiyin FC nicht ganz so lief, wie er es sich erhofft hatte. Auch zwei Verletzungen – ein Bänderriss, später ein Muskelfaserriss – bremsten ihn. So kam er nur in rund der Hälfte der Partien in der Indian Super League zum Einsatz, spielte in den Playoffs, beim überraschenden Einzug ins Endspiel, keine Hauptrolle, stand auch bei der 1:3-Finalniederlage Mitte März gegen Atletico Kalkutta nicht auf dem Platz. Trotzdem: Saighani möchte die Zeit in Chennai nicht missen, spricht von „schönen Erfahrungen“.

Die will er auch in Dhaka erneut machen – trotz neuer Situation aufgrund der Corona-Krise. Vorgesehen ist, dass vorerst alle Partien des Ligapokals und der Bangladesh Premier League in Dhaka ausgetragen werden. Die Mannschaften würden abgeschirmt, Saighani spricht von einer „Blase“. Die dürfte er nicht verlassen – nicht einfach für einen kontaktfreudigen Menschen. „Ich hoffe, die Situation entspannt sich bald“, sagt er. Und wenn nicht? „Fußball zu spielen ist mein Beruf. Ich bin bereit, dafür Einschränkungen auf mich zu nehmen, wenn sie nötig sind.“

Zur Person

Masih Saighani wurde am 22. September 1986 in der afghanischen Hauptstadt Kabul geboren. Als Zweijähriger kam er mit seiner Familie nach Deutschland und schließlich nach Marburg. Saighani begann in Niederweimar mit dem Vereinsfußball, spielte später für den VfB Marburg, den SC Waldgirmes, den Bonner SC, Eintracht Wetzlar, die Sportfreunde Siegen, den TSV Steinbach, Eintracht Stadtallendorf, den FC Ederbergland und Türk Gücü Friedberg, ehe er 2017 entschied, einen großen Schritt zu wagen, als Profi seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nach einer Saison beim Aizawl FC aus der indischen I-League zog es den früheren Nationalspieler Afghanistans erstmals nach Dhaka, nun nach einer Spielzeit in Chennai zum zweiten Mal.

Von Stefan Weisbrod