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Lokalsport „Henner“ Auffarth lebt fürs Ehrenamt
Sport Lokalsport Lokalsport „Henner“ Auffarth lebt fürs Ehrenamt
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09:00 19.09.2020
Henner Auffarth in seinem Garten in Wehrda. Der Sport hat das Leben des 82-Jährigen stark geprägt. Quelle: Nadine Weigel
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Wehrda

Nein, Langeweile kommt bei Karl-Heinrich Auffarth auch im Alter von 82 Jahren nicht auf. Schließlich gibt es da den kleinen Garten, den Henner, wie ihn viele nennen, sein Eigen nennt und den er hegt und pflegt.

Und wenn er davon mal Abstand braucht, dann zieht es ihn zu ausgedehnten Spaziergängen in die Natur rund um seinen Wohnort Wehrda. „Zwei Stunden kommen da schon mal zusammen“, erzählt Auffahrt stolz.

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Dass er jenseits der 80 Lenze nicht nur geistig, sondern auch körperlich richtig fit ist, mag angesichts seiner Vita nicht verwundern. Denn der Sport hat sein Leben geprägt (siehe nebenstehender Infokasten).

Am 16. September wird Auffarth im Schloss Biebrich durch den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier der Hessische Verdienstorden verliehen – eine besondere Auszeichnung, wenn auch eine von vielen, mit der der ehemalige Sportamtsleiter der Stadt Marburg bereits dekoriert ist (siehe unten stehender Infokasten).

Sieben Jahrzehnte im Sportgeschehen

„Besonders freut es mich, dass diese Ehrung allein vom Ministerpräsidenten vorgeschlagen wurde“, verrät Auffarth, der erst beim Kreisfußballtag Marburg Ende Februar in Roßdorf als die erst sechste Person mit der Sportplakette des Landes Hessen, der höchsten Auszeichnung im Sportland Hessen, ausgezeichnet wurde. „Das hatte mich wirklich überrascht“, gesteht Auffarth.

In Rolf Hocke, Ehrenpräsident des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), überreichte ein ehemaliger Weggefährte die Auszeichnung an Auffarth, der 1977 ein Relegationsspiel als Schiedsrichter pfiff, in dem Hocke als Torwart mit Hessen Kassel gegen Bayreuth spielte. „Das war eines der interessantesten Spiele, das ich je geleitet habe“, erinnert sich Auffarth, der sein Amt als Ehrenamtsbeauftragter im Kreisfußballausschuss inzwischen in andere Hände gegeben hat.

Nach sieben Jahrzehnten im Sportgeschehen wollte er kürzertreten. „Für mich war es an der Zeit. Denn wenn du heute als Referent an die Sportschulen kommst, sagen andere, die meine Kinder sein könnten: ,Aha, da kommt der Opa und will uns wieder was erzählen.’ Das ist nicht sehr angenehm. Das war für mich die Initialzündung, zu sagen: ,Geh’ in dich – auch wenn du noch körperlich fit bist’“, sagt der gebürtige Unnaer.

Individuelle Beratung liegt ihm

Für Vereine hat er dennoch weiter ein offenes Ohr – getreu dem Motto, das das Leben des Familienvaters geprägt hat und da lautet: „Erst kommt die Familie, dann der Verein.“ Erst vor wenigen Monaten beriet er einen Fußball-Verein, dessen drei Vorstandsmitglieder zurücktreten wollten. Der Klub stand deshalb vor dem Kollaps. Beim Helfen beschreitet Auffarth auch gerne mal ungewöhnliche Wege. „Ich habe dabei auch das Gespräch mit den Ehefrauen der Vorstände gesucht und sie miteinbezogen.“ Und siehe da: Das Aus war abgewendet.

Auffarth versteht sich seit jeher als Kümmerer. Als jemand, dem immer wichtig ist, bei Vereinen als eine Person wahrgenommen zu werden, die „das Ohr am Mann hat und ihnen vermittelt, dass jemand da ist, der sich für sie einsetzt. Dabei habe ich aber auch immer klargemacht, was geht und was nicht geht“. Die individuelle Beratung – etwa bei der Beantragung von Fördermitteln – ist etwas, was dem Verwaltungsfachmann besonders liegt.

„Neuer Lockdown wäre ein schwerer Schlag“

Auch das aktuelle Sportgeschehen, insbesondere im regionalen wie internationalen Fußball, verfolgt er mit großem Interesse – und durchaus kritisch. Aktuelles Beispiel: Zuschauer in den Stadien. „Aus meiner Sicht muss die Deutsche Fußball Liga stärker auf die kommunalen Gesundheitsämter eingehen, damit es einheitliche Corona-Regeln gibt.

Es kann doch nicht sein, dass – wie jüngst im DFB-Pokal – dort 50 und woanders 8.000 Zuschauer zugelassen sind“, sagt Auffarth und mahnt, egal wo, zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln, denn: „Ein neuer Lockdown wäre ein schwerer Schlag für den Sport. Dann bricht alles zusammen.“

Bezüglich des Marburger Fußballgeschehens hält der ehemalige Sportamtsleiter die Fusion der beiden Stadtrivalen VfB und Sportfreunde Blau-Gelb „so wichtig wie nur etwas“ – nicht nur vor dem Hintergrund struktureller Aspekte wie der aktuellen Diskussion um den Bau eigener Vereinsheime, sondern auch hinsichtlich der Verbesserung der Jugendarbeit.

„Weiter fürs Land tätig bleiben“

Nach mehr als fünf Jahrzehnten in zahlreichen Ämtern im heimischen Sportgeschehen lässt es der 82-Jährige nun etwas ruhiger angehen. Seine Posten hat er nunmehr abgegeben – bis auf einen: „Ich bleibe Ehrenamtsbeauftragter des Landes Hessen, weil mich Volker Bouffier darum gebeten hat“, verrät Auffarth.

„Seine Begründung ist damals wie heute, dass er nicht möchte, dass politische Amtsträger wie Ortsvorsteher und Stadtverordnete das immer machen. Manche Leute, die eine Ehrung verdient hätten, würden dann komplett übersehen. Aufgrund meiner Beziehungen soll ich weiter fürs Land tätig bleiben.“ Gewünscht. Getan.

Auf Initiative Auffarths wurden bereits weit mehr als 150 Hessen ausgezeichnet – mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Bundesverdienstorden, dem Ehrenbrief des Landes Hessen und dem historischen Stadtsiegel der Stadt Marburg. Nun steht der, der andere für ihre ehrenamtliche Arbeit ins Rampenlicht hebt, aber selbst im Rampenlicht. Im Schloss Biebrich, wo Auffarth den Hessischen Verdienstorden erhält.

Zur Person

Karl-Heinrich Auffarth wurde 1938 im westfälischen Unna geboren. Von Leipe (Ostpreußen), wo sein Vater Amtsarzt war, floh die Familie im 2. Weltkrieg über Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) nach Marburg zu den Großeltern des Vaters. Danach lebte Auffarth zunächst in Rauschenberg. Nach der mittleren Reife sowie einer Ausbildung zum Verwaltungssachbearbeiter und Maurer war Auffarth acht Jahre beim Bundesgrenzschutz. Ab 1965 arbeitete er im Sport- und Verkehrsamt der Stadt Marburg. 1973 baute er das Sportamt der Stadt auf, dessen Leiter Auffarth bis zu seinem Ausscheiden im März 2001 war.

Zu seiner aktiven Zeit spielte Auffarth Fußball für diverse hiesige Vereine als Torwart und Stürmer und machte sich einen Namen als Schiedsrichter in der höchsten hessischen Spielklasse sowie Linienrichter in der 2. Bundesliga. Zudem arbeitete er als Trainer (TSV Michelbach) sowie Funktionär in zahlreichen Vereinen und Verbänden – auch abseits des Sports.

Unter anderem war er Kreislehrwart der Schiedsrichtervereinigung Marburg, Geschäftsführer des VfL Marburg, Referent des Deutschen Fußball-Bundes, im Festausschuss Marburger Karneval (Mitbegründer des Vereins) und Geschäftsführer und Schatzmeister des Verkehrsvereins Marburg. Bis heute ist er Ehrenamtsbeauftragter des Landes Hessen.

Auszeichnungen

Seit 1970 hat Henner Auffarth eine Vielzahl an Auszeichnungen erhalten. Diese sind:

Ehrenbrief des Landes Hessen.

Stadtnadel in Gold.

Ehrungen für Engagement im Sport der Stadt Marburg: Stadtsportnadel in Gold, Silber und Bronze, Stadtsiegel sowie fünf Silberteller für besondere Verdienste

Goldene, silberne und bronzene Nadel sowie Verdienstnadel des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV).

Goldene, silberne und bronzene Nadel sowie Verdienstnadel des Deutschen Fußball-Verbandes (DFB).

Goldene, silberne und bronzene Nadel sowie Turn-Vater-Jahn-Medaille des Landessportbundes Hessen (LSBH).

15 verschiedene Ehrungen durch Marburger Sportvereine.

Bundesverdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland.

Sportplakette des Landes Hessen (höchste Auszeichnung des Sportlandes Hessen).

Ehrenmitgliedschaft in zwölf Vereinen.

Am 16. September: Hessischer Verdienstorden.

Von Marcello Di Cicco