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Lokalsport Mercenaries feiern dramatischen Sieg
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08:01 22.05.2018
Marburgs Running Back Silas Nacita (mit Ball, gegen Münchens John Jürgensen) avancierte am Sonntag trotz Verletzung zum Matchwinner. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Es gibt Spieler, die härter im Nehmen sind als andere und sich durch einen unbändigen Siegeswillen auszeichnen, der seinesgleichen sucht. Silas Nacita, Running Back und Wide Receiver der Marburg Mercenaries, ist ein Spieler von diesem Kaliber. Vor seiner Leistung am Sonntag gilt es sich zu verneigen. Das Fundament eines dramatischen Sieges.

Knapp 90 Sekunden vor Spielende und beim Stand von 30:27 für die Munich Cowboys begann die Marburger Offensive ihr letztes Angriffsrecht der Partie tief in der eigenen Hälfte und marschierte bis kurz vor und arbeitete sich innerhalb 60 Sekunden bis an die Drei-Yards-Linie der Münchener. Beim letzten Spielzug dieser Sequenz verletzte sich Nacita, hielt sich das Sprunggelenk. Er stieß mehrere Schmerzensschreie aus und musste von zwei Teamkollgen vom Feld gehievt werden.

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Dezibel-Rekord

Mit schmerzerfülltem Gesicht bestand er allerdings gleich darauf, wieder ins Spielgeschehen einzugreifen, hinkte aufs Feld und fing Sekunden später einen kurzen Pass von Quarterback Alexander Thury zum 33:30-Endstand. „Er schafft es einfach immer wieder“, zollte Offensive Coordinator Patrick Griesheimer seinem talentiertesten Spieler Tribut. Dieser Ausnahmespieler musste nach seiner Heldentat wieder vom Feld getragen werden. Die 965 Zuschauer im Georg-Gaßmann-Stadion stellten kurz darauf den Dezibel-Rekord bei Heimspielen in dieser Saison auf. Aus fast 1 000 Kehlen schallte es „Defense go!“ Die Defensive ließ nichts mehr anbrennen.

Nach dem Spiel war Coach Dale Heffron nicht nur patschnass geschwitzt, sondern auch sichtlich emotional und schien fast schon ausgelaugt wegen der nervlichen Achterbahnfahrt: „Ich bin stolz auf mein Team. Wir haben gekämpft. Das sind die schönen Momente als Trainer!“ Besonders von Siegen wie diesem könne das Selbstvertrauen zehren. Dabei hatte sich in der Anfangsphase des Spiels kein Sieg zum Fingernägelkauen abgezeichnet. Nachdem sich die Münchener eine 10:7-Führung ergattert hatten, erzielten die Hausherren zwei weitere Touchdowns. Beim ersten fand Thury Running Back und Wide Receiver Silas Nacita per Pass, beim darauffolgenden warf Nacita höchstpersönlich in die Arme von Phil Lanieri – 21:7. Nacita war somit an allen Punkten seines Teams beteiligt.

Doch im zweiten Viertel funktionierte die Marburger Offensive kaum, im dritten Viertel überhaupt nicht. „Vielleicht hat die Konzentration nachgelassen, oder wir haben gedacht, dass es zu einfach wird. Und dann steht man schnell mit dem Hintern an der Wand“, sagte Griesheimer und fuhr fort:„Wir haben eben einige Spieler, die aus einem kurzen Pass viel Raumgewinn machen können“, sagte der Offensive Coordinator. Das war gegen die Cowboys mehrmals der Fall. Dabei war eine lobenswerte Eigenschaft Thurys phasenweise eine seiner Schwächen. Denn er neigte manchmal dazu, die für erste Versuche nötigen Yards bereits mit seinem Pass überbrücken zu wollen. Erst im letzten Viertel punkteten die Hausherren wieder – zum zwischenzeitlichen 27:27.

„Er muss nicht immer alles alleine machen. Wir wollen die Last in der Offensive auf mehrere Schultern verteilen“, erklärte Griesheimer. Hinzu kam, dass im zweiten und dritten Viertel der gesamte Angriff, aber besonders die Offensive Line nicht mit genug Härte gespielt habe.

Karriereende für Vanucci

Auf der anderen Seite spielte die Münchener Offensive im zweiten Viertel solide, ohne außergewöhnlich kreativ zu sein. Marburgs Personalsorgen spielten den Gästen in die Karten. Vor der Partie hatte Dale Heffron bezüglich vier verletzungsbedingt ausfallenden Stammspielern keine Angaben machen wollen. Wie sich herausstellte, aus gutem Grund. Besonders in der Passverteidigung waren die Marburger personell unterbesetzt.

Schwerwiegendster Ausfall war jedoch Linebacker und Mercenaries-Urgestein Cesare Vanucci, der sich am vergangenen Spieltag einen Kreuzband‑riss zugezogen hatte und seine Spielerkarriere beendet hat. Die personellen Sorgen und die damit verbundenen Einsätze von Spielern aus der zweiten Reihe, denen es an Erfahrung in der Bundesliga mangelt, waren einer der Gründe für die mäßige Defensivleistung in Hälfte eins. „Wir haben in der Halbzeit umgestellt. Daher hatten wir in Hälfte zwei weniger tiefe Bälle gegen uns“, sagte Defensive Coordinator Sam Weiss. Im dritten Viertel kassierte seine Verteidigung keine Punkte, im Schlussabschnitt ließ sie nur zwei Field Goals zur zwischenzeitlichen 30:27 Gästeführung zu. Doch letztlich wurden die Cowboys zum dritten Mal in dieser Saison vom Pferd geholt, während die „Söldner“ zum zweiten Saisonsieg marschierten.

von Benjamin Kaiser