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Wer holt sich den EM-Titel?
Wer holt sich den EM-Titel?
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14:49 11.07.2021
Die englische Nationalmannschaft bejubelt den Einzug ins Finale der EM.
Die englische Nationalmannschaft bejubelt den Einzug ins Finale der EM. Quelle: Laurence Griffiths/dpa
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Marburg / Kirchhain

Jubel auf der einen, Enttäuschung auf der anderen Seite. Wie so oft im Sport liegen diese zwei Gefühlswelten dicht beieinander. So auch in den beiden Halbfinal-Partien bei der Europameisterschaft. Italien zog nach dem Elfmeterschießen gegen Spanien in das Finale der EM ein, die Engländer gewannen in der Verlängerung gegen Dänemark.

Am Sonntag (11. Juli, 21 Uhr/ZDF) im Finale treffen dann Italien und England im Wembley-Stadion in London aufeinander. Die Worte „Football’s coming home“ waren in den bisherigen EM-Spielen der englischen Nationalmannschaft immer wieder zu lesen und zu hören. Für die Engländerin Lucy Simmonds , die seit zwei Jahren in Marburg lebt, sind die Worte zu einem Mantra geworden.

Ein Heimat-Gefühl

„In diesen wenigen Wörtern steckt für das ganze Land so viel“, sagt die 25-Jährige. Und obwohl die Master-Studentin eigentlich nicht der größte Fußball-Fan ist, ist sie selbst überrascht, wie sehr sie sich über den Final-Einzug des Teams um Coach Gareth Southgate gefreut hat.

Die Engländerin Lucy Simmonds wohnt in Marburg.

„Es war die Partie gegen Deutschland, bei der ich gemerkt habe, wie hoch mein Interesse an dieser Europameisterschaft ist. Die ganzen Engländer zu sehen, hat sich angefühlt, als wäre ich zu Hause“, sagt Simmonds, die aktuell an ihrer Master-Arbeit schreibt.

Freiheitsgefühl durch die EM

In Chester, der englischen Heimat der Studentin sind auch ihre Eltern im Fußball-Fieber und einige Freunde besuchten die Spiele der „Three Lions“ bei der EM. „Von einigen Freunden weiß ich, dass sie mit der EM eine Art Freiheit verbinden. Ein guter Freund hat mir erzählt, dass er während des Spiels im Stadion sogar Corona vergessen hat und dass es ein befreiendes Gefühl gewesen ist, bei den Partien im Stadion zu sein“, erzählt Simmonds.

Im Finale hofft die Studentin der Romanistik mit den Schwerpunkten Französisch und Italienisch auf einen Sieg der Engländer. Obwohl sie das Endspiel mit gemischten Gefühlen verfolgen wird: „Die Fußball-Freude ist bei mir jetzt so groß, dass mir ohne den Fußball irgendwas fehlen wird.“ Wo die 25-Jährige das Endspiel schauen wird, steht noch nicht fest. Aber mit wem: Mit Freunden – dabei sein wird auch eine Freundin aus Italien.

Italien gegen Deutschland im Finale?

Der Italiener Vincenzo Lonetti aus Kirchhain hätte sich hingegen eine andere Final-Paarung gewünscht: „Ich hatte gehofft, dass Italien und Deutschland im Endspiel aufeinandertreffen.“ Auf die Frage, zu welchem Team er dann gehalten hätte, antwortet er: „Ich wäre für beide Länder gewesen. Ich bin seit 45 Jahren in Deutschland. Da muss ich halb für Deutschland und halb für Italien sein.“

Knapp zehn Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland eröffnet der heute 63-Jährige die Pizzeria „La Pergola“ in Kirchhain. Aus diesem Grund wird der aus Kalabrien stammende Wahl-Kirchhainer am Sonntag (11. Juli) das Finale auch nur mit einem Auge verfolgen können. „Vielleicht kommen nicht so viele Gäste. Dann kann ich mir den Laptop nehmen und das Spiel anschauen. Ansonsten schaue ich mir die Wiederholung dann auf meinem Sofa mit meinem Sohn und meiner Familie an“, berichtet Lonetti.

Der Italiener Vincenzo Lonetti aus Kirchhain glaubt an einen Sieg der Squadra Azzurra gegen England im Finale der EM. Quelle: privat

Von einem positiven Ausgang für die Squadra Azzurra ist der 63-Jährige überzeugt. Ein Hauptgrund dafür ist Trainer Roberto Mancini. „Mancini war schon ein guter Fußballer, jetzt ist er ein wahnsinnig guter Trainer. Wir hatten zwar Glück im Halbfinale gegen Spanien, aber wir haben auch gut gespielt. Ich tippe auf einen 2:0-Sieg für Italien im Finale. Unsere Mannschaft ist einfach zu stark“, stellt Lonetti fest.

Wenn die italienische Nationalmannschaft gewinnt, dann ist sich Lonetti sicher, dass mehrere Tage lang in Italien gefeiert wird: „Wir sind ein verrücktes Land. Ich denke, an jeder Ecke wird man Trikots und Fahnen sehen und das ganze Land wird einfach stolz und glücklich sein.“

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wer am Sonntag (11. Juli) Jubeln wird: Italien oder England.

Von Leonie Rink