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Lokalsport Die Anhänger von Eintracht Frankfurt feiern Einzug ins Finale
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14:00 07.05.2022
Eine Collage der Eintracht-Fans vom Donnerstagabend aus dem Stadion und aus Marburg.
Eine Collage der Eintracht-Fans vom Donnerstagabend aus dem Stadion und aus Marburg. Quelle: Fotos: Björn Wisker, Leonie Rink; Collage: Thorsten Richter
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Marburg

Musik dröhnt aus den Lautsprechern, der Holzboden in Aldi’s Biergarten in Marburg vibriert. Männer und Frauen in Eintracht-Frankfurt-Trikots liegen sich in den Armen und gröhlen mit Biergläsern in den Händen „Schwarz-weiß wie Schnee“. Der Grund: Die Eintracht hat Historisches geschafft und steht im Endspiel der Europa League.

Noch zwei Stunden zuvor standen Teller mit Currywurst und Pommes vor den Fußballfans. Das erste Bier wurde bestellt. Wilfried Becker, der seit seinem elften Lebensjahr Eintracht-Fan ist, sitzt mit Kumpel Armin direkt vor einem der vielen Fernseher. „Die Mannschaft wird Jürgen Grabowski ehren und ins Finale einziehen. Das ist eine Gebung von oben“, schreit er über die laute Musik hinweg. 2:1 für die Eintracht lautet sein Tipp. Dann singt er inbrünstig zu „Eintracht vom Main“ mit. Dabei schwingt er den Schal vom Hals und streckt ihn in die Höhe. „Heute muss einfach gesungen werden. Vor 42 Jahren war ich beim letzten Endspiel im Stadion. Diesmal bin ich auch zuversichtlich, dass die SGE das schafft“, sagt Becker.

Mit dem 1:0-Sieg im Halbfinal-Rückspiel gegen West Ham United zieht Eintracht Frankfurt nach 42 Jahren wieder in ein europäisches Endspiel ein.

Nur wenige Meter entfernt stärken sich die Freundinnen Tanja Kornja und Daniela Rode mit dampfenden Pommes. Die Stimmung bei den beiden ist gut. „Eigentlich ist Daniela BVB-Fan. Sie hat spontan gefragt, ob wir heute irgendwo hingehen wollen, um das Spiel zu schauen. Jetzt sind wir hier“, sagt SGE-Fan Kornja. Dann steht sie hastig auf. „Ich muss vor dem Spiel noch schnell eine Rauchen gehen“, sagt sie. Derweil jonglieren die Kellnerinnen und Kellner immer mehr Bierkrüge auf ihren Tabletts bis an die Tische. Es liegt Spannung und Frittenfett in der Luft.

Nach dem Borré-Tor gibt es kein Halten

„Ne oder?“, ruft Kornja mit dem Blick auf die Leinwand. Frankfurts Martin Hinteregger liegt auf dem Boden. „Hinti! Hinti! Hinti!“, schreien die Fans am Tisch vor Kornja und Rode, als dieser aufsteht. Wenig später brechen alle Dämme. Die Fans springen von den Bänken auf, die Hand wird zur Faust geballt in die Luft gestreckt. „Ja! Tor!“, hallt es von den Holzwänden. Eintracht Frankfurt geht durch Rafael Borré in Führung. „So bleibt der Spielstand jetzt“, sagt Kornja lachend und reckt den Fanschal in die Höhe. Das Display des Handys leuchtet auf – eine neue Nachricht ist eingegangen. Das Ergebnis des zweiten Halbfinals wird gecheckt. „Gut so!“, kommentiert Rode mit Blick auf das Handy vor ihr. Die Glasgow Rangers führen gegen RB Leipzig 2:0.

Auf der anderen Seite lehnt Wilfried Becker die Füße auf die Bank vor sich und hält mit den Armen die Beine fest, während er weiter fast hypnotisiert auf den Fernseher blickt. Die Stimmung während des Spiels ist ausgelassen. Besorgte Blicke einiger Fans weichen, als der Schiedsrichter die Partie abpfeift.

„Ich hab’ es ja gesagt. Es bleibt beim 1:0“, ruft Kornja triumphierend in die Runde und geht zur offenen Tür. Jetzt muss erstmal eine geraucht werden.

Von Leonie Rink