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Lokalsport Kahlke scheitert an zu großer Erwartung
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21:57 08.07.2019
Den Ball bestens im Blick: Der Argensteiner Jannis Kahlke überstand gestern in Marburg nur die 
1. Qualifikationsrunde.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Es hat nicht sein sollen. Entsprechend groß war gestern Abend die Enttäuschung von Jannis Kahlke, nachdem für ihn die Marburg Open bereits vor Beginn der Hauptrunde der besten 32 beendet war. Der Argensteiner, dem einst eine große Karriere prognostiziert worden war, unterlag in der 2. Qualifikationsrunde des ITF-Weltranglisten-Turniers auf der Anlage des TV Marburg in der Willy-Mock-Straße.

Zuvor hatte sich der Argensteiner vormittags in der 1. Qualifikationsrunde durchgesetzt, hatte aber da bereits ein leicht mulmiges Gefühl: „Mein Gegner hatte eine Wildcard für die Qualifikation bekommen. Ich dachte, es würde wesentlich einfacher werden“, sagte Kahlke, der sich letztlich mit 7:6 und 6:4 gegen den Deutschen Jan-Sören Hain durchsetzte.

Der 20-jährige Hain, seit vier Jahren mit nur 14 absolvierten Spielen auf der ITF-Tour, leistete großen Widerstand.
Weitaus schwieriger wurde die 2. Qualifikationspartie gegen Valentin Günther. Von Beginn wurde Kahlke mit extrem harten Aufschlägen unter Druck gesetzt.

Dennoch hatte der Argensteiner im ersten Satz mehrfach die Chance, Günther zu breaken. Es gelang aber nicht. „Er war einfach konstanter und konzentrierter. Eigentlich habe ich mich richtig gut gefühlt, doch letztlich bin ich an meinen zu großen Erwartungen gescheitert.“

Kahlkes schwieriger Weg

Der Argensteiner Jannis Kahlke galt in jungen Jahren als eines der größten Tennistalente nicht nur im Landkreis, sondern weit darüber hinaus. Im Alter von 16 Jahren beendete er die Schule und widmete sich nur noch dem Tennissport. Er trainierte in einer Tennis-Akademie in Köln: „Ich fühlte mich dort allein.

Hinzu kam, dass mir die notwendige professionelle Herangehensweise nicht ausreichend genug vermittelt wurde, obwohl ich meinen damaligen Coach für gut befunden habe. Er hat mir jedoch auch nicht die Einstellung mitgeben können, um einen weiteren wichtigen Schritt nach oben gehen zu können“, sagt Kahlke rückblickend im Gespräch mit der OP.

Mit 19 hat er dann den Trainer gewechselt, doch es wurde nicht besser. „Ich habe hart gearbeitet, allerdings fielen auch einige Sponsoren weg, sodass ich weitgehend alles allein finanzieren musste – mit großartiger familiärer Unterstützung. Jedoch konnte ich nur rund 15 Turniere pro Jahr spielen, weil einfach die finanziellen Mittel fehlten. 30 Turniere sollten es aber sein, wenn man steil nach oben will“, erklärt Kahlke.

2015 folgte sein bislang bestes Jahr: In der Weltrangliste kletterte er auf Rang 823. Doch wiederum stand er im Jahr bei nur 15 bis 20 Turnieren auf dem Platz. Er musste selbst Training geben, sich etwas hinzuverdienen, um an den Turnieren teilnehmen zu können. Dies konnte nicht lange gutgehen. „Erste Zweifel kamen, die Motivation war teilweise weg“, sagt Kahlke, der 2017 sportlich eine gutes Jahr erlebte, es aber nicht schaffte, in der Weltrangliste weiter nach oben zu kommen.

Einstieg ins Trainergeschäft

Er stieg fortan ins Trainergeschäft ein, spielt derzeit in der Regionalliga beim TC Blau-Weiß Lechenich (bei Köln). Als ihn Peter Zimmermann, Turnierdirektor der Marburg Open, angerufen habe und ihm mitteilte, hierzulande in der Qualifikation spielen zu können, habe er sich „wahnsinnig gefreut. Schließlich bin ich hier zu Hause und kann meine familiären Kontakte pflegen. Meine Oma, inzwischen 94 Jahre alt, ist total glücklich, dass ich wieder mal hier bin“, sagt Kahlke.

Dass der inzwischen 25-Jährige den Sprung nach oben wohl nicht mehr schaffen kann, ist ihm bewusst. Er könne aber sehr gut damit umgehen. „Ich weiß, was ich kann, fühle mich fit und habe immer noch großen Spaß am Tennis“, ergänzt der Argensteiner Jannis Kahlke, der künftig vorrangig bei nationalen Turnieren an den Start gehen wird – so wie gestern beim mit 15.000 Dollar dotierten ITF-Weltranglisten-Turnier Marburg Open.

„Ich wäre gern im Hauptfeld noch dabei gewesen. Aber es hat nicht sein sollen. An solchen Tagen weiß man, warum man Trainer geworden ist und auf der Tour kürzertritt“, sagte Kahlke.

von Michael E. Schmidt

 

Marburg Open

Qualifikation (1. Runde)

  • Flemming Peters (GER) - Matthew Dellavedova (AUS) 3:6, 1:6
  • Jan-Sören Hain (GER) - Jannis Kahlke (GER) 6:7, 4:6
  • Bart van den Berg (NED) - Adrian Oetzbach (GER) 6:3, 6:7, 11:9
  • Stevan Popovic (GER) - Karlo Cubelic (GER) 0:6, 1:6
  • Lasse Muscheites (GER) - Niklas Schell (GER) 6:4, 6:2
  • Valentin Günther (GER) - Mislav Bosnjak (AUS) 3:6, 6:1, 10:7
  • William Ma (AUS) - Lucas Hellfritsch (GER) 3:6, 7:6, 3:10
  • Pavle Daljev (SRB) - Philipp Sikorski (UKR) 6:1, 6:2
  • Jannik Rother (GER) - Yannik Steinegger (SUI) 4:6, 2:6
  • Federico Moreno (ARG) - Luca Gelhardt (GER) 5:4 (Aufgabe Gelhardt)
  • Tim Heger (GER) - Ludvig Aaes (DEN) 6:3, 6:2
  • Buvaysar Gadamauri (BEL) - Jim Walder (GER) 7:6, 6:4
  • Marco Neubau (ESP) - Sabit Suntic (SRB) 6:4, 6:2
  • Kai Stetzer (GER) - Jordi Walder (GER) 1:6, 4:6

Qualifikation (2. Runde)

  • Valentin Günther (GER) - Jannis Kahlke (GER) 6:4, 6:2
  • Daljev (SRB) - Cubelic (GER) 2:6, 6:7
  • Federico Moreno (ARG) - Marco Neubau (ESP) 6:2, 6:1
  • Matthew Dellavedova (AUS) - Lasse Muscheites (GER) 7:5, 2:6, 9:11
  • Heger (GER) - Walder (GER) 3:6, 7:5, 10:7
  • van den Berg (NED) - Hellfritsch (GER) 6:1, 7:6

Heute spielen
1. Hauptrunde, Einzel (ab 11 Uhr): Marek Gengel (CZE) - Kai Wehnelt (GER, 5); Maurizio Echazu (PER, 4) - Eduardo Dischinger (BRA); Joel Vincent Link (GER) - Mats Rosenkranuz (GER); Aleksandre Metreveli (GEO) -
Robin Stanek (CZE); Nicht vor 13.30 Uhr: Filip Bergevi (SWE, 6) - George Botezan (ROU); Nicht vor 14 Uhr: Nikolay Vylegzhanin (RUS) -
Ondrej Krstev (CZE); Jesper de Jong (NED) - Maxime Pauwels (BEL); Nicht vor 17 Uhr: Peter Nagy (HUN) - Mirko Martinez (SUI).

1. Hauptrunde, Doppel (ab 12 Uhr): Mislav Bosnjak/Matthew Dellavedova (AUS) - Ludvig Aaes/Tim Heger (DEN/GER); Alexander Manapov/Robin Stanek (GER/CZE) - William Ma/Marco Neubau (AUS/ESP); Bastien Presuhn/Yannuik Steinegger (GER/SUI) - Mauricio Echazu/Federico Moreno (PER(ARG); Jannik Rother/Louis Wessels (GER/GER) - Boris Klingbeil/Mark Simons (GER(GER); James Frawley/Mats Rosenkranz (AUS/GER) - Kai Wehnelt/Patrick Zahraj (GER/GER); Eduardo Dischinger/Joel Vincent Link (BRA/GER) - Vasile Antonescu/Patrick Grigoriu (ROU/ROU).