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Lokalsport Favoriten geben sich keine Blöße
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23:11 12.07.2019
Louis Weßels, Nummer eins der Setzliste, steht im Halbfinale der Marburg Open. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Aufatmen bei den Verantwortlichen um Turnierdirektor Peter Zimmermann: Während am Donnerstag viele­ Einzel und sämtliche Doppel dem Dauerregen zum Opfer fielen, konnten am Freitag fast alle Matches nachgeholt werden.

Vor allem in der ersten Tageshälfte dienten die Schirme auf der Tennisanlage des TV Marburg an der Willy-Mock-Straße­ dem Sonnenschutz, bis sie um 14.15 Uhr den einsetzenden ­Regen abhielten.

Bis dahin hatten Lasse Muscheites und der Peruaner Mauricio Echazú ihr Marathonmatch längst beendet. Das hätte­ eigentlich den Donnerstag eröffnen sollen, gehörte aber aufgrund des Dauerregens zu den letzten Achtelfinal-Partien des vierten Turniertages. Nach 1:59 Stunden war es wegen Dunkelheit abgebrochen worden. „Ich glaube nicht, dass ich gewonnen hätte, wenn wir am Donnerstag zu Ende gespielt hätten“, räumte Echazú offen ein.

Erst Rückhand-Slice, dann Vorhand-Peitsche

Der Deutsche war beim Stand von 6:4, 2:6 und 3:0 gerade auf der Siegerstraße, hatte die Nummer vier der Setzliste mit seiner Spielweise gehörig genervt. Ein langer, sicherer Rückhand-Slice, mit dem einst Steffi Graf ihre Gegnerinnen mürbe machte, bis sie ihre gefürchtete Vorhand-Peitsche auspackte, gehört zum Schlag-Repertoire von Muscheites. Die Vorhand-Peitsche allerdings nicht, sodass lange Ballwechsel die Regel waren. Sandplatz-Tennis eben, wobei der Belag aufgrund der Feuchtigkeit noch langsamer war.

Alle Infos

Programm am Samstag

  • 10.30 Uhr: Sponsoren und Politiker messen sich in einem Doppelwettbewerb.

  • Halbfinale Doppel (13 Uhr): Altuna (TUR)/Metreveli (GEO) – Antonescu/Grigoriu (ROU); Frawley (AUS)/Rosenkranz (GER) – Mannapov (GER)/Stanek (CZE).

  • Halbfinale Einzel (nicht vor 14 Uhr): Jesper De Jong (NED) – Ryan Nijboer (NED/2); (nicht vor 16 Uhr): Louis ­Weßels (GER/1) – Mauricio Echazú (PER/4).

  • Finale Doppel: Uhrzeit wird kurzfristig entschieden.

  • anschließend:­ Ausklang mit Marburg Open Party und Tombolaverlosung.

Programm am Sonntag

  • 11 Uhr: Bayrisches Frühstück mit Sponsoren, Ehrengästen und Tennisfans.

  • Nach dem Einzel-Finale:­ Ausklang mit Verlosung der Hauptpreise der Tombola.     

  • Finale Einzel: Ab 13 Uhr.

Offizielle Turnier-Webseite

Der Südamerikaner hatte­ sich jedoch am Freitag besser auf das Spiel seines 23-jährigen Gegners, der in der Regionalliga für den Oldenburger Tennisverein spielt, eingestellt.

„Heute war es ein ganz anderes Spiel, er hat auch nicht mehr so gut gespielt“, sagte Echazú. Muscheites verspielte seinen 3:0-Vorsprung, schlug beim 6:5 aber zum Matchgewinn auf.

Dabei unterlief ihm einer von insgesamt zwölf Doppelfehlern im Match – zu viel, um den mit 30 Jahren erfahrensten Spieler der Marburg Open zu besiegen.

Echazú rettete sich in den Tiebreak, wo die Gegenwehr des Deutschen erlahmt war. Mit 7:1 zog der Peruaner ins Viertelfinale ein, das er noch am Freitag bestritt. Ebenso wie sein Doppel-Viertelfinale, das er aber an der Seite des Argentiniers Federico Moreno Mitte des ersten Satzes aufgab.

Im Einzel hatte der peruanische Marathonmann seine­ liebe Mühe mit einem weiteren Deutschen, Mats Rosenkranz. Der 20-Jährige führte im ersten Satz schnell mit 4:1. „Sie treffen die Bälle sehr sauber“, sagte Echazú generell über seine deutschen Gegner und war durchaus beeindruckt von den vielen Assen, Gewinnschlägen und dem konsequenten Serve-and-Volley-Spiel selbst auf dem langsamen Sand.

Allerdings hielten seine Kontrahenten das hohe Niveau nicht konstant. „Ich habe auch ein paar Bälle mehr zurückgebracht“, sagt der Konterspieler Echazú, dessen Passierschläge und Lobs immer präziser wurden. Als er den ersten Durchgang noch zum 7:5 umgebogen hatte, verzweifelte Rosenkranz immer mehr. Der Kopf ging runter und der zweite Satz mit 6:0 glatt an Echazú.

Im Halbfinale bekommt es der Peruaner abermals mit einem Deutschen zu tun. Der Bielefelder Louis Weßels setzte sich in einem phasenweise hochklassigen Duell gegen seinen Landsmann Kai Wehnelt durch. Die Freunde umarmten sich nach dem 6:2 und 7:6 der Nummer eins der Setzliste herzlich am Netz, danach gratulierte sogar Mutter Alexandra Weßels dem Verlierer für „ein geiles Match“.

Wehnelt denkt langfristig

Wehnelt sah das Positive: „Klar ist es ärgerlich zu verlieren. Aber am Ende des Tages geht es darum, sich weiterzuentwickeln.“ Für ihn und Weßels seien die Challenger-Turniere und danach die ATP-Tour die Ziele. „Ich weiß nicht, ob Sieg oder Niederlage in einem solchen Spiel dafür den Unterschied macht.“ Er denke über den langfristigen Prozess nach, sagte der 23-Jährige, der kurz nach dem Match schon erstaunlich abgeklärt und aufgeräumt wirkte.

Während des Duells ging es dagegen zwischenzeitlich heiß her. Nach dem klaren 6:2 für Weßels verlief der zweite Satz wesentlich ausgeglichener. Wehnert ging bei 6:5-Führung volles Risiko und erarbeitete sich bei Aufschlag Weßels drei Breakchancen. Wobei die Nummer eins der Setzliste den letzten Ball seines Gegners im Aus gesehen hatte.

Mit Wut im Bauch das Match fast gedreht

„Den kannst du nicht gut geben, das ist so ein langsamer Ball. Das kann nicht dein Ernst sein“, rief der ansonsten besonnene und höfliche Weßels Richtung Stuhlschiedsrichter. Der gab den Ball aber gut. „Ich habe mich nach dem Match beim Schiedsrichter entschuldigt“, sagte der 19-jährige Weßels, der aber auch meinte: „Das hat mich gepusht.“ Mit den Emotionen im Rücken wehrte er alle drei Breakbälle ab, danach noch zwei weitere und brachte sein Aufschlagspiel durch. „Tiebreak ist immer 50:50“, sagte Weßels.

Dort musste der Zwei-Meter-Mann beim Stand von 6:7 den sechsten Satzball abwehren – und tat das mit einem Ass. „Er hat gut serviert, das muss ich akzeptieren“, sagte Wehnelt, der fair einräumte, dass sein Gegner einen Tick besser war und verdient gewonnen habe. „Louis ist manchmal wie eine Ballwand.“

Weßels setzt glänzenden Schlusspunkt

Der Sieger war entsprechend zufrieden. „Ich habe mir vorgenommen, die Ballwechsel länger zu halten“, erklärte Weßels seine Taktik. „Ich denke, das war über das ganze Match solide und souverän.“ Und beim letzten Punkt sogar überragend. Da setzte Kai Wehnelt seinen Gegner stark unter Druck, doch Louis Weßels konterte aus der Defensive mit einer knallharten Vorhand. „So einen Matchball spielt man nicht alle Tage“, freute sich der 19-Jährige.

Sein Gegner im Halbfinale ist am Samstag also Echazú. Das andere Duell in der Vorschlussrunde ist ein rein niederländisches. Die Nummer zwei der Setzliste, Ryan Nijboer, besiegte den Schweizer Miko Martínez glatt mit 6:3, 6:1. Sein Landsmann Jesper De Jong konnte im zweiten Satz gegen den tschechischen Kämpfer Robin Stanek zwei Matchbälle nicht nutzen, setzte sich aber nach einer Regenunterbrechung schließlich doch mit 7:5, 6:7 und 6:4 durch.

von Holger Schmidt