Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Mercenaries kämpfen tapfer, verlieren aber deutlich
Sport Lokalsport Lokalsport Mercenaries kämpfen tapfer, verlieren aber deutlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:10 17.07.2022
Pass Interference? Sebastian Brand (rechts) hält Jake Parker vom Fangen ab.
Pass Interference? Sebastian Brand (rechts) hält Jake Parker vom Fangen ab. Quelle: Florian Lerchbacher
Anzeige
Marburg

„Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Sowohl in der Offensive als auch in der Defensive waren wir in den entscheidenden Situationen nicht da“, ärgerte sich Joe Tricario nach dem 13:38 gegen die Schwäbisch Hall Unicorns am Samstagnachmittag (16. Juli). „Ich verliere nicht gerne“, schimpfte der Trainer der Marburg Mercenaries – die gerade gegen den noch ungeschlagenen Topfavoriten der German Football League und amtierenden Champion der Central European Football League verloren hatten. Deutlich, aber lange nicht so hoch wie einige unter den rund 600 Zuschauerinnen und Zuschauern befürchtet hatten. Und zudem hatten die heimischen Footballspieler das ein oder andere Ausrufezeichen gesetzt.

Zum Beispiel Defensive Back Sebastian Brand, der gleich den ersten Drive des Favoriten abfing und zumindest für die Anfangsminuten die Hoffnung auf die große Sensation schürte. Oder natürlich Allzweckwaffe Devon Smith, der immer mal wieder für Quarterback Sonny Weishaupt auf der Position des Spielmachers übernahm und zu Beginn des zweiten Viertels einfach mal den Ball behielt, über das halbe Feld rannte, dabei gleich mehrere Tackles brach und einen Touchdown zum 6:7 erzielte. Außerdem war er auch für das zweite Marburger Eindringen in die gegnerische Endzone zuständig: Im dritten Viertel fing er einen 12-Yard-Pass von Weishaupt – inklusive Extrapunkt von Kicker Lennard Treckmann zum 13:24. Die Hoffnung auf die Sensation war zu diesem Zeitpunkt aber bereits verschwunden.

Zu souverän war die Offensive von Schwäbisch Hall um Ersatz-Quarterback James Slack (ein Touchdown), Star-Receiver Moritz Böhringer (ein Touchdown) und Neuzugang Jake Parker. Der gerade erst von der Howard Payne Uni in Texas zum Team gestoßene Receiver war stets anspielbar und fing in Hälfte zwei gleich zwei Touchdown-Pässe. Immer dann, wenn die Mercenaries – die unter anderem Brand im Backfield früh verletzt verloren – den Gegner zu stoppen schienen, legten die Unicorns nochmal eine Schippe drauf. Und eben dann fehlte es am entscheidenden Quäntchen, wie Marburgs Trainer betonte. Außerdem bedauerte er, dass sein Team nicht in der Lage war, im Laufe des Spiels die Ausfälle in der Defensive zu kompensieren. Und in der Offensive fehlte letztendlich die Kreativität, um dem Gegner auf Dauer und in jedem Drive wirklich gefährlich zu werden – zu statisch war das Laufspiel, zu wackelig das Passspiel.

Abgerundet durch einen Touchdown-Lauf durch Maurice Schüle sowie fünf Extrapunkte und ein Field Goal von Kicker Tim Stadelmayer nahm der – ersatzgeschwächt angetretene – Favorit letztendlich einen souveränen und nicht gefährdeten, aber durchaus schwer erkämpften Sieg mit nach Hause.

Die Gastgeber konnten erhobenen Hauptes vom Feld gehen und dann noch einem alten Football-Haudegen einen würdigen Abschied bereiten: Aus gesundheitlichen Gründen legte James Yock nach dem Spiel sein Amt als Offensive-Line-Coach nieder. Acht Jahre lang war er für die Marburg Mercenaries tätig. Doch das ist noch lange nicht alles, wie Präsident Carsten Dalkowski betont: Schon seit den 1990ern ist der Amerikaner als Trainer im deutschen Football aktiv. „Seine Hände haben sehr, sehr viele Footballer in Deutschland geformt.“ Dem Coach blieb es dann auch vorbehalten, die Ansprache an das Team nach dem tapferen Kampf gegen den Top-Favoriten der Liga zu halten.

Die Punkte

1. Viertel: 0:6 Moritz Böhringer (auf Pass von James Slack), 0:7 Tim Stadelmayr (Extrapunkt), 6:7 Devon Smith (Lauf, Extrapunkt geblockt).

2. Viertel: 6:10 Tim Stadelmayr (Fieldgoal), 6:16 James Slack (Lauf – Quarterback Sneak), 6:17 Tim Stadelmayr (Extrapunkt).

3. Viertel: 6:23 Jake Parker (Pass von Slack), 6:24 Tim Stadelmayr (Extrapunkt), 12:24 Devon Smith (Pass von Sonny Weishaupt), 13:24 Lennard Treckmann (Extrapunkt), 13:30 Jake Parker (Pass von Slack), 13:31 Tim Stadelmayr (Extrapunkt).

4. Viertel: 13:37 Maurice Schüle (Lauf), 13:38 Tim Stadelmayr (Extrapunkt).

Von Florian Lerchbacher